Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2016

16:56 Uhr

Geldspürhunde helfen Steuerfahndern

Schwarzgeld im Sofa

Die Idee ist schlicht: organisierte Steuerbetrüger und Wirtschaftskriminelle mit geballtem Fachwissen enttarnen. In NRW setzt eine Sondereinheit das kategorisch um: mit Steuerfahndern, Kriminalisten und Geldspürhunden.

Eine Mitarbeiterin der Steuerfahndung hält ihre Fahndermarke in der Hand. In NRW arbeiten Steuerfahndung und Polizei zusammen in der Einheit EOKS. dpa

Steuerfahndung

Eine Mitarbeiterin der Steuerfahndung hält ihre Fahndermarke in der Hand. In NRW arbeiten Steuerfahndung und Polizei zusammen in der Einheit EOKS.

DüsseldorfDreister geht es kaum: Wirtschaftskriminelle lassen sich über eine undurchsichtige Kette weltweit verteilter Briefkastenfirmen Millionen an Steuern erstatten, die nie bezahlt worden sind. Steuerfahnder und Polizei können die verschlungenen Wege kaum nachvollziehen – außer sie arbeiten in einer Sondereinheit mit geballtem Fachwissen unter einem Dach zusammen.

Auf diesem Weg geht eine nach nordrhein-westfälischen Regierungsangaben bundesweit einzigartige „Ermittlungsgruppe organisierte Kriminalität und Steuerhinterziehung“ (EOKS) voran. „Man musste nur mal drauf kommen“, sagt Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) am Donnerstag in Düsseldorf zu der zündenden Idee. In nur eineinhalb Jahren hat das Kompetenzteam 76 Millionen Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen und Geldbußen aus kriminellen Sümpfen abgeschöpft.

Was die Zusammenarbeit im Alltag bringt, berichtet der Düsseldorfer Steuerfahnder Martin Janke aus der Praxis: Die EOKS wurde auf eine Person aufmerksam, die versuchte, vier Millionen Euro, die sie überwiegend in 500-Euro-Scheinen in der Wohnung versteckt hatte, über Dritte in kleine Scheine umtauschen zu lassen. „Für die Steuerfahndung ist es eine Routine-Aufgabe, Bankschließfächer zu durchsuchen“, stellt Janke fest. „Auf das Suchen versteckter Geldbestände sind wir allerdings nicht spezialisiert.“

Kölner Staatsanwaltschaft: Die Jäger der verlorenen Steuer-Millionen

Kölner Staatsanwaltschaft

Premium Die Jäger der verlorenen Steuer-Millionen

Mit nur acht Dezernenten kassiert die Kölner Staatsanwaltschaft Hunderte Millionen aus Steuerstrafverfahren. Im Visier hat die Behörde vor allem Banken. Der prominenteste Fall ist ein Schweizer Institut.

Hier machte sich nun der kurze Draht zu den Ermittlern im Landeskriminalamt bezahlt. „Uns wurden Geldspürhunde vermittelt.“ Und die vierbeinigen Kollegen leisteten ganze Arbeit: In Windeseile erschnüffelten sie die Banknoten unter Laminatböden, hinter Holzvertäfelungen und abgehängten Decken. In einer zweiten Wohnung fanden die Spürnasen die Geldscheine eingenäht im Sofa. Gold und Silber entdeckte die Einheit dort auch – Gesamtwert: 2,3 Millionen Euro.

„Das hätten wir als Steuerfahnder nicht gefunden“, räumt Janke ein. Und die Polizei-Kollegen hatten noch andere hilfreiche Tricks parat: „Mit einem kleinen Bohrloch und einer endoskopischen Kamera konnten wir mit einem minimalinvasiven Eingriff genau herausfinden, wo das Geld hinter der Wandvertäfelung lag.“

Wer sind die Betrüger? „Das ist ein ganz buntes Bild“, berichtet der Fahnder. Von „Otto Normalbürger“ bis hin zu organisierten Kriminellen und ihren Helfershelfern – darunter viele Banken, Berater und Anwälte – sei alles dabei. Manche gutbürgerliche Täter seien sich nicht bewusst, dass sie sich über obskure Berater zum Teil in die Hände von organisierten Kriminellen begäben, warnt Nordrhein-Westfalens Finanzminister Walter-Borjans (SPD). „Das ist ein Spiel mit dem Feuer.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×