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21.09.2015

18:33 Uhr

Generation Merkel, Teil 1

Der Ritt auf der Stimmungswelle

VonKatharina Matheis

Angela Merkel wird vom Ausland für ihre Haltung in der Flüchtlingspolitik gefeiert. Doch das ist nur ein weiteres Beispiel für die Wankelmütigkeit der Kanzlerin. Von einer Willkommenskultur ist Deutschland weit entfernt.

Selfie mit der Kanzlerin: Angela Merkel brachte ihr Schwenk in der Flüchtlingspolitik viel Applaus, aber auch harsche Kritik ein. dpa

Merkel posiert

Selfie mit der Kanzlerin: Angela Merkel brachte ihr Schwenk in der Flüchtlingspolitik viel Applaus, aber auch harsche Kritik ein.

„Die unglaubliche Frau Merkel: Wäre sie doch nur Französin!“- so titelt die französische Zeitschrift Le Point vergangene Woche. Die Kanzlerin wird gefeiert für ihre barmherzige Haltung gegenüebr Flüchtingen, Deutschlands Umgang mit Flüchtlingen gilt europaweit als bravourös. Dann führt die Regierung doch wieder Grenzkontrollen ein. Ein weiterer Kurswechsel der Kanzlerin. Ob Fukushima, Griechenland oder Flüchtlingskrise: Merkel kann das gut, die Stimmung in Deutschland zu erkennen und für sich zu nutzen.

Katharina Matheis ist Volontärin in der Verlagsgruppe Handelsblatt.

Katharina Matheis ist Volontärin in der Verlagsgruppe Handelsblatt.

Atom-Ausstieg? Na klar, was denn sonst!

Ein drittes Hilfspaket für Griechenland? Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!

Flüchtlingsaufnahme? Wir schaffen das! Obwohl: Ordnung muss sein!

Eine klare, eigene Linie ist das nicht. Insbesondere das vermeintliche Willkommen der Kanzlerin ist nicht glaubwürdig. Dafür war ihr Handeln oder vielmehr Nicht-Handeln im Bezug auf Einwandererfamilien in den vergangenen Jahren zu eindeutig. Unter, oder vielmehr: Aufgrund ihrer Regentschaft hat sich die deutsche Gesellschaft immer weiter in „Deutsche“ und „Ausländer“entzweit. Das kann sie nicht mit spontanen Willkommens-Symbolen kitten.

Zehn Jahre Kanzlerin Merkel: Die Machtwandlerin

Zehn Jahre Kanzlerin Merkel

Premium Die Machtwandlerin

Von einer Zäsur noch weit entfernt: Im November 2015 hat Angela Merkel zehn Jahre lang das Amt der Bundeskanzlerin inne. Das Jahrzehnt Merkel – eine kritische Würdigung in fünf Punkten von Philosoph Peter Sloterdijk.

Seit Jahren lässt Merkel populistische Parolen in den eigenen Reihen kommentarlos zu. Ob Seehofer die Deutsch-Pflicht in Wohnzimmern einführen will, Klöckner das Burka-Verbot fordert oder Söder die Stammtisch-Parole „Wir können nicht das Weltsozialamt werden“ propagiert – CDU-Chefin Merkel erinnert ihre Unionskollegen nicht an eine angebliche Willkommenskultur.

Gleichzeitig erleben wir immer wieder eine Kanzlerin, die verschwindet, sobald es schwierig wird in Sachen Einwanderung. Als im vergangenen Winter tausende rechtspopulistische Pegida-Anhänger auf die Straßen gingen, sprach sich Merkel erst Wochen später gegen die ausländerfeindlichen Ressentiments aus. 

Kommentare (226)

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Adolf Schickelgruber

21.09.2015, 18:38 Uhr

Hier Die Stimmungen:
Junker:Europa muss ein Einwanderungskontinent werden
Schulz„Europa ist ein Einwanderungskontinent“
Merkel:„Das wäre nicht mehr mein Land"
Merkel „Kraftanstrengung der Europäischen Union“ in der Flüchtlingsfrage gefordert
SPD-Vize Scholz spricht sich für einen „Korridor“ durch den Balkan aus.
Volker Kauder„Die Flüchtlingsbewegung ist eine der größten nationalen Herausforderungen für unser Land“
Deutsche Marine rettet fast 400 Flüchtlinge aus Mittelmeer.
Schulz:Die EU sei herausgefordert wie nie zuvor und müsse Solidarität zeigen mit Menschen, Völkern und Staaten.
Stock:Grenzen wieder hoch? Der traurige Rückfall in den Nationalstaat.
Amnesty International fordert: „Die EU-Staaten sollten sichere Wege in die EU ausbauen.“
Faymann und Gabriel plädieren für europäische Lösung der Flüchtlingskrise.
Der private US-Geheimdienst Stratfor geht davon aus, dass die aktuelle Flüchtlings-Krise den Zerfall der EU beschleunigen werde.
DWN:Inzwischen hat dieses Problem große Spannungen zwischen Italien und Frankreich sowie zwischen Frankreich und Großbritannien ausgelöst.
In den kommenden Tagen werde Deutschland den politischen Druck auf Länder wie Polen und Rumänien erhöhen, damit dieser Flüchtlinge aufnehmen.
OPPERMANNS PROGNOSE"Flüchtlinge zahlen Rente der heutigen Erwerbsgeneration"
GERD MÜLLER"Europa hat seine Verantwortung nicht verstanden"
"EINE MILLION FLÜCHTLINGE"Regierung wusste im Frühjahr Bescheid – und tat nichts

Herr Peter Langenhagen

21.09.2015, 18:47 Uhr

Die nächste repräsentive Umfrage zur Beliebtheit von Frau Merkel wird bestimmt in und um ein Flüchtlingsheim gemacht ...

Herr Peter Langenhagen

21.09.2015, 18:50 Uhr

Eigentlich hieß es hier noch vor kurzem der "Ritt auf der Rasierklinge" Autor Frau Bellmann vom Wochenende, nur mal so ...

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