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16.09.2015

14:05 Uhr

Generation Merkel, Teil 6

K wie Kanzlerin, K wie Krieg

VonKatharina Kistler

Höre ich „Krise“, denke ich an Merkel. Lese ich „Krieg“, denke ich an Merkel. Die Kanzlerin ist ein Sinnbild für eine Politik, die nur damit beschäftigt ist, Gefahren abzuwenden. Platz für Reformen? Fehlanzeige.

Die Kanzlerin ist eine Kanzlerin der Krisenpolitik. dpa

Angela Merkel

Die Kanzlerin ist eine Kanzlerin der Krisenpolitik.

Das Jahr, in dem Angela Merkel Bundeskanzlerin wurde, war der Beginn der Apokalypse. Zumindest auf den Leinwänden der Kinos, schauderhaft inszeniert von Steven Spielberg, der im „Krieg der Welten“ Menschen gegen Aliens kämpfen ließ.   

Krieg war damals für meine Generation so weit entfernt wie die Landung von Außerirdischen auf der Erde. Krieg kannten wir nur aus dem Kino, aus Büchern oder aus Urgroßvaters Erzählungen. Vielleicht hatte so mancher noch Bilder der Kriege in Bosnien im Kopf. Mehr als das kannte ich nicht vom Krieg. Und dann kam Merkel. Und das doppelte „K“, Krieg und Krisen, kroch in meine Gedanken und lässt mich nicht mehr los. Auch nicht zehn Jahre danach.

Zehn Dinge über Merkel, die Sie garantiert nicht wussten

ÄNGSTE

Merkel meidet Hunde, vor allem die des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der schenkte ihr deshalb einen Stoffhund.

HUMOR

Sie hat Spaß an Ironie, auch Selbstironie. Kann sich ausschütten vor Lachen. Hat immer einen Witz auf Lager.

LÄNDER

Sie begeistert sich für Amerika, schüttelt über die Geheimdienst- und Spionageaffäre aber den Kopf.

LERNEN

Merkel kann zuhören, saugt Gespräche auf wie ein Schwamm.

MÄNNER

An Männern mag sie schöne Augen.

SPRACHEN

Französisch fasziniert sie, sie kann die Sprache aber nicht verstehen. Dafür spricht sie Russisch und kann Putin verstehen.

STÄRKEN

„Kamelartige Fähigkeiten“ Kraft zu speichern, um Gipfel- Nächte und Koalitionsverhandlungen besser als andere durchzustehen.

TALENT

Merkel kann Prominente imitieren.

VORBILDER

Marie Curie, die 1911 den Chemie-Nobelpreis bekam, wegen ihres Durchhaltevermögens. Und Sisyphus, der trotz aller Rückschläge den Stein immer wieder den Berg hoch rollt.

VORLIEBEN

Ihren Kaffee trinkt sie schwarz.

Quelle

dpa

Höre ich „Krise“, denke ich an Merkel. Lese ich „Krieg“, denke ich an Merkel. Irakkrieg, Afghanistankrieg, Finanzkrise, Eurokrise, Krimkrise, Griechenlandkrise, Flüchtlingskrise: Merkel und ihre Politik ist für meine Generation nicht nur der Inbegriff des doppelten „K“ geworden. Es ist für mich Sinnbild einer Politik, die nur damit beschäftigt ist, Gefahren abzuwenden. Oder die hechelnd hinterherläuft, wenn wieder etwas zu Bruch geht wie beispielsweise die Verhandlungen über die Krim. Eine Politik, die Trümmer aufsammelt und versucht, sie wieder zusammen zu flicken.

Viel Platz für große Reformen im eigenen Land, geschweige denn für Weltveränderung, blieb und bleibt Merkel da nicht. Und mit diesem Gefühl ist meine Generation aufgewachsen: Restaurieren statt Selbstgestalten, Reparieren statt Selbstmachen. 

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