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20.03.2014

07:54 Uhr

George Soros

„Deutschland hat keine Wahl“

VonJan Mallien

Star-Investor Soros sieht Deutschland in der Pflicht. Zur Lösung der Euro-Krise soll es mehr Geld auf den Tisch legen. Bundesbank-Urgestein Issing hält dagegen. Beide lieferten sich am Abend einen Schlagabtausch.

Starinvestor Soros: „Die Euro-Krise war im Maastrichter Vertrag nicht vorgesehen“. dpa

Starinvestor Soros: „Die Euro-Krise war im Maastrichter Vertrag nicht vorgesehen“.

FrankfurtAm Mittwoch trafen in Frankfurt zwei Welten aufeinander. Die eine Welt ist die des Investors George Soros – die andere die der Deutschen Bundesbank und ihres langjährigen Chefvolkswirts (1990-1998) Otmar Issing. Beide diskutierten am Mittwochabend an der Frankfurter Universität über die Rolle Deutschlands in der Euro-Krise.

Für Issing, der zwischen 1998 und 2006 auch Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) war, sind gemeinsame Regeln das Ein und Alles in einer Währungsunion. „Die Eurozone ist eine Rechtsgemeinschaft“, sagt er. Sie gründe auf den Maastrichter-Schuldenkriterien und dem Ausschluss einer gemeinsamen Haftung der Mitgliedsstaaten (No-Bailout-Klausel). Die Ursache für die Krise sieht Issing darin, dass einige Länder kontinuierlich gegen die Regeln verstoßen hätten.

Soros dagegen hält die Maastrichter-Kriterien für überholt. „Die Euro-Krise war im Maastrichter Vertrag nicht vorgesehen“, argumentiert er. Die Regeln seien im aktuellen Umfeld nicht praktikabel. „Die Euro-Krise ist nicht ausgestanden.“ Auch wenn sich die Situation an den Finanzmärkten seit der Intervention der EZB verbessert habe, sagt Soros. Die aktuelle Politik in den Euro-Krisenländern ist aus seiner Sicht „nicht durchzuhalten.“ Die Länder würden durch Arbeitslosigkeit, wirtschaftlichen Niedergang und die hohen Schulden erdrückt.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Vor der Bundestagswahl hatte Soros betont: Deutschland muss seine Verantwortung für die Eurozone akzeptieren oder aus dem Euro austreten. Die erste Variante bedeutet nach Soros' Lesart: Deutschland soll mehr Geld auf den Tisch legen. Inzwischen habe sich die Wahl jedoch erübrigt. „Jetzt ist die einzige Alternative für Deutschland seine dominante Position zu akzeptieren.“ Es müsse als „wohlwollender Hegemon nach Wegen suchen, die Schuldnerländer aus der Schusslinie zu bringen", fordert er. Und präsentiert dafür auch gleich einen Vorschlag.

Sein Plan geht so: Die Eurozone soll einen gemeinsamen Haushalt aufbauen, der etwa vier Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Das Budget soll aus Unternehmenssteuern finanziert werden – und die Einnahmen in eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung fließen. Wenn die Arbeitslosigkeit in einem Land stiege, erhielte es höhere Zahlungen aus der gemeinsamen Versicherung. Damit – so die Hoffnung – ließen sich Krisen besser abfedern.

Kommentare (51)

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20.03.2014, 08:15 Uhr

Was soll das dümme Gesültze von dem alten Mann, soll er doch sein Geld dafür hergeben was seinen Anleger sind sind Deutschlands Steuerzahler.

Ausserdem hat das letzte Hemd keine Taschen!

Account gelöscht!

20.03.2014, 08:16 Uhr

Weis Sorros nicht, dass Hartz IV Leistungen schon für alle Europäer gilt wenn sie zu uns kommen? Im übrigen sollten Arbeitsplätze geschaffen werden und nicht gut bezahlte Arbeitslosenstellen. Europa braucht eine gut funktionierend Wirtschaft und die muss ständig ausgebaut werden. Dazu gehören keine Sanktionen Weltweit sondern Wachstum Wachstum um allen Menschen zugang zu einem besseren Leben zu bieten.

Account gelöscht!

20.03.2014, 08:17 Uhr

Ich halte es für bedenklich sich mit Hedgefonds-Managern zu beraten oder ihnen öffentliche Meinungsplattformen (Gespräch mit Issing) anzubieten. Hedgefonds-Manager verfolgen mit ihren riesigen Vermögen vorrangig ihre Interessen.

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