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17.12.2016

15:20 Uhr

Geplanter Anschlag in Ludwigshafen

„Es wäre nicht neu, dass Terrororganisationen versuchen, Kinder zu rekrutieren“

Ein Zwölfjähriger soll in Ludwigshafen versucht haben, aus islamistischer Überzeugung eine Bombe zu zünden. Experten sind davon nicht unbedingt überrascht. Das Terrororganisationen Kinder rekrutierten, sei „nicht neu“.

Nach einem versuchten Nagelbombenanschlag in Ludwigshafen, bleiben zu dem Zwölfjährigen Täter viele Fragen offen. dpa

Versuchter Anschlag in Ludwigshafen

Nach einem versuchten Nagelbombenanschlag in Ludwigshafen, bleiben zu dem Zwölfjährigen Täter viele Fragen offen.

Ludwigshafen/KarlsruheEinen Tag nach Bekanntwerden des mutmaßlichen Anschlagsversuchs eines Zwölfjährigen in Ludwigshafen sind nach wie vor viele Fragen offen. Es lasse sich nichts Neues sagen, betonte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Samstag in Karlsruhe. Die Behörde hatte am Freitag Ermittlungen wegen des Bombenfundes in der Stadt am Rhein bestätigt. Gegen wen sich diese richten, war weiter offen. Der in Ludwigshafen geborene Junge soll Kontakt zu radikalen Islamisten gehabt haben. Er selbst ist noch strafunmündig.

Fraglich ist auch, wer genau ihn bei seiner angeblichen Tat antrieb. Das Magazin „Focus“ hatte unter Berufung auf Justiz- und Sicherheitsbehörden berichtet, nach Erkenntnissen der Ermittler sei der deutsch-irakische Junge stark religiös radikalisiert und könnte von einem unbekannten Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angestiftet worden sein. Der Südwestrundfunk berichtete, der Junge sei über den Messengerdienst Telegram angeleitet worden, die Spur führe zum IS. Dazu äußerte sich die Bundesanwaltschaft bislang nicht.

Vereitelte islamistische Anschläge in Deutschland

April 2002

Seit den Attacken vom 11. September 2001 in den USA wurden eine Reihe von Anschlägen in Deutschland vereitelt. Einige aufsehenerregende Fälle im Überblick.
Im April 2002 nimmt die Polizei Anhänger der zum Al-Kaida-Netzwerk zählenden Terrorgruppe Al-Tawhid fest. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Sie werden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Dezember 2004

Mitglieder der Islamistengruppe Ansar al-Islam planen, Iraks Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Deutschland-Besuchs zu ermorden. Drei Iraker erhalten deshalb langjährige Haftstrafen. Der verurteilte Chefplaner des Anschlags wird im September 2015 in Berlin von einem Polizisten erschossen, nachdem er dessen Kollegin mit einem Messer schwer verletzt hatte.

September 2007

Die islamistische Sauerland-Gruppe wird gefasst. Die vier Mitglieder werden wegen geplanter Terroranschläge auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland zu mehrjährige Freiheitsstrafen verurteilt.

April 2011

Ermittler nehmen in Düsseldorf drei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder fest, die einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant hatten. Im Dezember 2011 wird in Bochum ein viertes mutmaßliches Mitglied der Düsseldorfer Zelle gefasst. Die vier Männer müssen mehrere Jahre ins Gefängnis.

März 2013

Die Polizei fasst vier Verdächtige aus der Bonner Islamisten-Szene, die einen Anschlag auf den Chef der rechtsextremen Splitterpartei „Pro NRW“ geplant haben sollen. Einer soll die Bombe in Bonn deponiert haben. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Terroristen in Düsseldorf dauert an.

Februar 2016

Die Polizei kommt einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche und schlägt gleichzeitig in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu. Die vier Verdächtigen hatten womöglich einen Anschlag in Berlin geplant.

Juni 2016

Spezialkräfte der Polizei nehmen drei mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg fest. Sie sollen einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben.
(Quelle: dpa)

Oktober 2016

In Leipzig nimmt die Polizei einen Syrer fest. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte der anerkannte Flüchtling Dschaber al-Bakr einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant und bereits weitestgehend vorbereitet.

(Quelle: dpa)

Der Junge soll laut „Focus“ zunächst am 26. November versucht haben, ein mit Sprengpulver gefülltes Konservenglas auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu zünden. Später, am 5. Dezember, soll er es dann in einer Tasche in einem Gebüsch nahe dem Rathaus deponiert haben. Dort wurde es schließlich entdeckt.

Wie gefährlich der Stoffmix genau war, ist ebenfalls unklar. Experten fanden heraus, dass das Material aus Feuerwerkskörpern und Wunderkerzen gewonnen wurde. Nach früheren Polizeiangaben war es brennbar, konnte aber nicht explodieren. Der „Focus“ schrieb von einem Rucksack mit selbst gebauter Zündvorrichtung.

Fachleute reagierten auf das Alter des mutmaßlichen Täters wenig überrascht. „Es wäre nicht neu, dass Terrororganisationen versuchen, Kinder zu rekrutieren und zu instrumentalisieren“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sprach sich dafür aus, die Suche nach potenziellen Tätern im Internet zu intensivieren.

Die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam der Universität Frankfurt, Susanne Schröter, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Kinder sind überhaupt noch nicht im Fokus von Präventionsmaßnahmen.“ Schon in der Grundschule müsste aus ihrer Sicht begonnen werden, Widerstandsfähigkeit gegen extremistische Ideologie aufzubauen.

Der Zwölfjährige aus Ludwigshafen befindet sich nach Angaben von Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) vom Vortag an einem sicheren Ort, von ihm gehe keine Gefahr aus.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium sieht keine neue Sicherheitslage. In der Gesamtschau sei von einer „abstrakten Gefährdung von Weihnachtsmärkten in 2016 in Deutschland aus dem Bereich des islamistischen Terrorismus“ auszugehen, teilte ein Sprecher mit. Dem Bundeskriminalamt lägen aber keine Erkenntnisse vor, aus denen sich eine konkrete Gefahr für die Märkte in Deutschland ableiten lasse.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

19.12.2016, 15:25 Uhr

Wieder der Islam. Wieder ist Frau Merkel Schuld daran. Sie weigert sich die Kinder, Minderjährige sofort den Eltern zu übergeben. Kindesentziehung nennt man dies, was eigentlich strafbar ist, nur für Frau Merkel nicht. Der Islam = Tötet Andersgläubige steht unter dem Schutz der Frau Merkel! Deshalb auch Bürgerkrieg in Syrien. Diese erfahrene Leute benötigt Frau Merkel hier!

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