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05.12.2016

15:23 Uhr

Geplanter Terroranschlag

Jugendlicher vor Gericht

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen syrischen Jugendlichen erhoben. Der 16-Jährige soll einen Terroranschlag geplant haben. Für die Verteidigung gibt es hingegen keinen hinreichenden Tatverdacht.

In dieser als Flüchtlingsunterkunft genutzten Turnhalle lebte der 16-jährige Syrer bis zu seiner Festnahme. Laut Staatsanwaltschaft soll er hier einen Terroranschlag vorbereitet haben. dpa

Flüchtlingsunterkunft in Köln Porz

In dieser als Flüchtlingsunterkunft genutzten Turnhalle lebte der 16-jährige Syrer bis zu seiner Festnahme. Laut Staatsanwaltschaft soll er hier einen Terroranschlag vorbereitet haben.

KölnGegen einen jungen syrischen Kriegsflüchtling ist Anklage wegen Vorbereitung eines Terroranschlags erhoben worden. Der 16-Jährige soll eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben, wie Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn am Montag sagte. Zuvor hatten bereits „Focus“, „Kölnische Rundschau“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“ über die Anklageerhebung berichtet. Der junge Flüchtling war im September von einer Spezialeinheit festgenommen worden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass er einen Sprengstoffanschlag plante. Von einem ausländischen Chatpartner mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat soll er „ganz konkrete Anweisungen“ zum Bau einer Bombe erhalten haben.

Da der Angeklagte erst 16 Jahre alt sei, gelte für ihn das Jugendstrafrecht, sagte Willuhn. Im Falle einer Verurteilung seien Strafen von Arbeitsstunden bis hin zu einer Jugendstrafe denkbar. Ein Sprecher des Amtsgerichts Köln bestätigte, dass die Anklage vorliege.

Der Anwalt des 16-Jährigen, der Kölner Strafverteidiger Michael Murat Sertsöz, sieht keinen hinreichenden Tatverdacht. „Die Chatdiskussionen erreichten nie ein relevantes Vorbereitungsstadium“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Der Junge hatte zum Zeitpunkt der Festnahme überhaupt nichts in der Hand, das ihn zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Straftat hätte befähigen können.“ Es gebe „nichts, was eine Konkretisierung der Tat auch nur ansatzweise begründen könnte“. Die Polizei hatte im September gesagt, es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass sich der Jugendliche bereits mit Materialien für den Bombenbau versorgt habe.

Der Jugendliche war gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester vor dem Krieg in Syrien geflohen und kam 2015 in eine Flüchtlingsunterkunft in Köln. Dort soll er sich binnen kurzer Zeit radikalisiert haben. Den entscheidenden Hinweis auf ihn bekam die Polizei nach eigenen Angaben aus Moschee-Kreisen.

Von

dpa

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