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27.08.2012

14:15 Uhr

Gerd Langguth

„Anti-Griechen-Kurs wird beim Wähler verfangen“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Griechen-Attacken der CSU sind geeignet, der CSU Wähler zuzutreiben, meint Gerd Langguth. Im Interview erklärt der Parteienforscher, warum die Querschüsse aus Bayern aber dennoch Merkels Politik nicht schaden können.

Der Bonner Politikwissenschaftler und Autor des Buches "Kohl, Schröder, Merkel - Machtmenschen", Gerd Langguth. picture-alliance/ dpa

Der Bonner Politikwissenschaftler und Autor des Buches "Kohl, Schröder, Merkel - Machtmenschen", Gerd Langguth.

Handelsblatt Online: Herr Langguth, Querschüsse in der Griechenland-Debatte kommen nicht nur von der CSU. Auch die FDP-Spitze zieht regelmäßig über Athen her. Hat es in einer Koalition auf Bundesebene jemals einen derart heftigen Gegenwind für den Regierungschef gegeben?
Gerd Langguth: Merkel hat ja am Sonntag alle diejenigen zurechtgewiesen, die einen Austritt von Griechenland aus der Währungszone begrüßen würden, damit meinte sie nicht nur die FDP-Spitze, sondern auch die CSU. Außerdem gab es auch innerhalb der CSU schon heftige Worte gegen Generalsekretär Dobrindt. Es hat immer schon auf Bundesebene einen heftigen Gegenwind für den Regierungschef gegeben, beispielsweise bei Helmut Schmidt, als ihm Genscher die Freundschaft und die Koalition faktisch aufkündigte.

Haben die andauernden Querschüsse das Zeug, Merkels Regierung zu zerreißen oder ihre Regierungsarbeit zu lähmen?

Dass wir es mit Querschüssen zu tun haben, ist unbestreitbar, aber da gibt es langsam eine Routine darin. Ich denke nicht, dass Merkels Regierung zerrissen wird. Alle haben sich ja darauf geeinigt - jedenfalls auch die FDP -, dass man erst einmal den Bericht der Troika abwartet und dann wird man sehen. In Sachen Euro-Rettung hat die Kanzlerin eine besondere Verantwortung und letztlich wird dann das gemacht, was sie will. Sie wird die Dinge, was Griechenland betrifft, also schon in ihrem Sinne schaukeln.

Merkels Wackelkandidaten, Merkels Konstanten

Sollten folgende Minister auch 2013 im Amt bleiben?

Die schwarz-gelbe Koalition hangelt sich von einem Streit zum nächsten. Ob die Regierung von Angela Merkel (CDU) nach der Bundestagswahl 2013 noch Bestand haben wird, ist ungewiss. Welche Minister die Bevölkerung auch weiterhin im Amt sehen will, hat das Meinungsforschungsinstitut Emnid für die „Bild am Sonntag“ ermittelt. Befragt wurden am 19. Juli insgesamt 500 repräsentative ausgewählte Personen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU)

Ja: 62

Nein: 22

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)

Ja: 59

Nein: 32

Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU)

Ja: 57

Nein: 25

Umweltminister Peter Altmaier (CDU)

Ja: 55

Nein: 23

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)

Ja: 52

Nein: 33

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU)

Ja: 52

Nein: 35

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)

Ja: 51

Nein: 32

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU)

Ja: 50

Nein: 40

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)

Ja: 49

Nein: 32

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP)

Ja: 45

Nein: 36

Familienministerin Kristina Schröder (CDU)

Ja: 42

Nein: 47

Außenminister Guido Westerwelle (FDP)

Ja: 37

Nein: 55

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP)

Ja: 32

Nein: 37

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP)

Ja: 25

Nein: 62

Wie ist es um die Unions-Fraktionsgemeinschaft bestellt, wenn die CDU-Schwester permanent ausschert und einen eigenen Kurs fährt?

Im Prinzip wird es mit der Harmonie der Unions-Fraktionsgemeinschaft nicht besser. Andererseits repräsentiert die CSU mit ihrer Position auch viele Wählerinnen und Wähler in ganz Deutschland. Das es also hier eine solche Euro-kritische Stimme gibt und dass die von einer C-Partei vertreten wird, führt dann letztlich doch auch zu einer Integration dieser Euro-skeptischen Wähler in Richtung der Union. Letztlich wird aber doch das gemacht, was Frau Merkel entscheidet.

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Ein Jahr vor der Wahl fällt es der Kanzlerin schwer, die Koalition auf Kurs zu halten. Die derben Sprüche von CSU-Generalsekretär Dobrindt werden für sie zum Problem, weil ihre Politik der CSU Raum für Profilierung gibt.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

27.08.2012, 14:31 Uhr

"Anti-Griechen-Kurs"

Propagandistische Wortwaffen sind das.

Es ist richtiger Weise ein "Pro-Deutschland-Kurs" und "Anti-HOCHFINANZ-Kurs".

Die deutsche Regierung verfolgt nicht mehr deutsche Interessen.

Comet

27.08.2012, 15:02 Uhr

Stimme Ihnen voll zu

Maria

27.08.2012, 15:12 Uhr

Politiker wie Bürger können nur diskutieren, informieren und dagegen sein bzw. sagen was sie nicht wollen usw.

Wer immer nur alles NICHT will, bekommt auch nichts!

Wie wäre es, wenn die Herren von der CSU mal all die vielen Kommentare lesen,
sich hinsetzten und endlich mal ein schlüssiges 20-Punkte Konzept für die nächsten 20 Jahre ERARBEITEN , dem 60% aller Bürger sofort zustimmen würden ?

ist doch nicht so schwer ?

oder möchten sie das unseren Grundschülern überlassen ?

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