Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.06.2015

10:09 Uhr

Gerhard Schröder in Düsseldorf

„So Gute wie mich gibt’s nicht mehr“

VonNils Rüdel

Putin, Griechenland, die Fifa: Gerhard Schröder verbreitet in Düsseldorf seine Sicht auf die Welt. Der Altkanzler gibt ein bisschen an, er witzelt – doch beim Thema SPD und Parteichef Gabriel wird er streng.

„Ohne Zweifel“ sei der Rauswurf Putins aus dem G8-Klub ein Fehler gewesen, findet Altkanzler Gerhard Schröder. Reuters

Altkanzler Gerhard Schröder

„Ohne Zweifel“ sei der Rauswurf Putins aus dem G8-Klub ein Fehler gewesen, findet Altkanzler Gerhard Schröder.

DüsseldorfWirtschaftskompetenz. Das ist jetzt sein Stichwort. Großes Thema. „Wir hatten Wirtschaftskompetenz“, sagt Gerhard Schröder – und betont das „hatten“. Er meint die SPD, damals, als er Kanzler und Parteichef war. Und jetzt? „Es gibt bei der SPD eine gewisse Schwäche, was die Wirtschaft angeht“, mahnt der Altkanzler auf der Bühne mit dieser tiefen, raumfüllenden Schröder-Stimme. „Die Rente mit 63 und die Mütterrente sind ein teurer Spaß, das wird sich rächen“. Applaus.

Der Agenda-Kanzler musste zusehen, wie seine Nachfolger gemeinsam mit der Union das Reformwerk abschleifen. „Die SPD könnte heute stolzer sein mit dem, was sie erreicht hat“, sagt Schröder. Doch sei es ja leider so: „Die SPD ist mit dem, was sie schafft, nie zufrieden und wird nie zufrieden sein“. Das liege an ihrem ewigen Streben nach einer perfekten Gesellschaft.

Doch Schröder ist lieber der Unperfekte, der Pragmatiker, dem Ideologie suspekt ist. Der stolz ist auf seine Agenda – und das an diesem Montagabend in Düsseldorf bis in die natürlich dunklen Haarspitzen ausstrahlt. Braun gebrannt, die blauen Augen wach, sitzt der 70-Jährige auf der Bühne beim „Ständehaus-Treff“ im edlen Kunstmuseum K21 vor den versammelten Stadt-Honoratioren und beantwortet geduldig und gut gelaunt alle Fragen.

Die SPD-Vorsitzenden seit 1968

11.05.1946 - 20.08.1952

Kurt Schumacher

27.09.1952 - 14.12.1963

Erich Ollenhauer

16.02.1964 - 14.06.1987

Willy Brandt

14.06.1987 - 29.05.1991

Hans-Jochen Vogel

29.05.1991 - 03.05.1993

Björn Engholm

03.05.1993 - 25.06.1993

Johannes Rau (kommissarisch)

25.06.1993 - 16.11.1995

Rudolf Scharping

16.11.1995 - 12.03.1999

Oskar Lafontaine

12.03.1999 - 21.03.2004

Gerhard Schröder

21.03.2004 - 15.11.2005

Franz Müntefering

15.11.2005 - 10.04.2006

Matthias Platzeck

14.05.2006 - 07.09.2008

Kurt Beck

07.09.2008 - 18.10.2008

Frank-Walter Steinmeier (kommissarisch)

18.10.2008 - 13.11.2009

Franz Müntefering

Seit 13.11.2009

Sigmar Gabriel

Da sitzt kein Elder Statesman, kein Großvater der Nation. Da sitzt einer, der Energie versprüht, der seiner Meinung nach 2005 viel zu früh in die bundespolitische Rente gezwungen wurde. Natürlich sagt der Altkanzler auch, er sei zufrieden mit seinem Leben nach der Politik. Dass er jeden Tag um halb sieben aufstehe, die Kinder zur Schule bringe und sie nachmittags wieder abhole. Doch als Loriot’schen Rentner Herrn Lohse, der hier einkauft, mag man sich Schröder nicht vorstellen. Er hat ja noch „weltweit Reden“ und hat die „zwei, drei vier Mandate, die den Menschen ernähren“, wie er es lächelnd umschreibt. Er meint damit unter anderem sein umstrittenes Aufsichtsrats-Mandat im russischen Gazprom-Imperium, eine Sache, die ihm viele in Deutschland noch übler nehmen als die Agenda 2010.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Horst Meiller

02.06.2015, 11:44 Uhr

"So Gute"?? Tut so ein D.achschaden eigentlich weh??

Herr Renatus Isenberg

02.06.2015, 12:22 Uhr

Schröder ist jemand, der falsche wie gute Entscheidungen trifft, klar und direkt. Aussitzen und alternativlose Küsschen links und Küsschen rechts für den charmanten Franzosen gibt's bei Schröder Gott sei Dank nicht. Schröder ist tatsächlich einer der letzten Macher in der SPD von heute. Merkel kann nur scharfe Kante zeigen, wo sie sich des Beifalls vom "Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika" (was sie auch immer ganz langsam ausspricht) sicher sein kann und der Gegner aus Geduld einem unterdrückt hysterischem Weib nicht besondere Aufmerksamkeit zollt eben wie Puitin.
Schröder würde niemals wie Merkel einem Staatsmann in seiner Gegenwart sagen "die verbrecherische Annexion von....", wie das Merkel mit Putin tat. Merkel wird gewählt aus Angst der Deutschen, es könnte uns mal schlechter gehen. Schröder wurde abgewählt, weil das Wahlvolk Angst vor Innovationen hat. Und vielleicht hatte auch der CIA und NSA seine Hände im Spiel als Schröder knapp die Mehrheit an Merkel übergeben musste. Schliesslich hatte Schröder genugend Mut, ein klares Nein zum Irak Krieg zu sagen, was Merkel niemals tun würde.
Schröders Engagement für das RU Gas war ein zweischneidiges Schwert. Für die Gasversorgung und die Russen als Lieferanten ist Schröder perfekt, weil 100% zuverlässig. Für die Amerika- Freunde oder -Abhängigen wie Merkel ist der Gas Deal von Schröder ein Neid Aufhänger, den Merkel in vollen Zügen geniesst. Da hätte Schröder eine andere Form der Verwaltung erfinden sollen, um weniger Angriffsflächen für seine Gegner zu bieten.

Schröder hätte in einer weiteren Amtszeit als Kanzler mehr dazu gelernt und mehr verändert als Merkel das jemals aussitzen kann. Nun haben wir also den Rentner und USA Liebling Merkel anstatt den Innovativen Schröder,.

Herr C. Falk

02.06.2015, 12:30 Uhr

Tja, der Schröder. Richtig war seine Nichtbeteiligung am Irak-Krieg, richtig auch sein gutes Verhältnis zu Russlnd in Nachfolge von Kanzler Kohl.

Fatal sein Ja zum Eintritt Griechenlands in die Euro-Zone, trotz Kenntnis der enormen Risiken. Fatal das Schleifen der Maastrichtkriterein.

Richtig wiederum seine Agendapolitik, allerdings erst als wirklich alle Alarmglocken
schrillten.

Schröders Kanzlerschaft bietet in der Tat ein äußerst gemischtes Bild für den Historiker, der diese Epoche bundesdeutscher Geschichte einmal zu beschreiben hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×