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12.06.2013

12:52 Uhr

Gericht hat entschieden

Mollath bleibt mindestens bis 2014 in der Psychiatrie

Seit 2006 sitzt Gustl Mollath in der Psychiatrie. Als Opfer eines Komplotts, sagt er, weil er Schwarzgeldgeschäfte aufgedeckt habe. Daher beantragte Mollath ein Wiederaufnahmeverfahren. Doch das Gericht vertröstet ihn.

Gustl Mollath: Der ehemalige Unternehmer kämpft seit Jahren gegen seine Einweisung in die Psychiatrie wegen vermuteter Gemeingefährlichkeit. dpa

Gustl Mollath: Der ehemalige Unternehmer kämpft seit Jahren gegen seine Einweisung in die Psychiatrie wegen vermuteter Gemeingefährlichkeit.

BayreuthGustl Mollath muss mindestens noch ein Jahr lang gegen seinen Willen in der Psychiatrie bleiben. Das Landgericht Bayreuth ordnete nach eigenen Angaben vom Mittwoch die Fortdauer der Unterbringung an; der nächste Prüfungstermin ist der 10. Juni 2014. Die Kammer sei an das Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth aus dem Jahr 2006 gebunden, hieß es zur Erläuterung.

Zwar liegen dagegen aktuell Anträge auf ein Wiederaufnahmeverfahren vor. „Umstände, welche die gestellten Wiederaufnahmeanträge bereits jetzt als mit Sicherheit erfolgreich erscheinen lassen würden, vermochte die Kammer nicht zu erkennen“, hieß es. Stattdessen gehe sie davon aus, dass von Mollath „weitere erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind“.

Mollath war vor sieben Jahren wegen vermuteter Gemeingefährlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen worden. Unter anderem soll er seine Frau schwer misshandelt und die Reifen Dutzender Autos zerstochen haben. Mollath glaubt, er sei Opfer eines Komplott seiner früheren Ehefrau und der Justiz, weil er Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe aufgedeckt habe. Darauf verwies er auch am Dienstag mit aller Deutlichkeit bei seinem Auftritt vor dem Landtags-Untersuchungsausschuss in München.

Untersuchungsausschuss: Mollath rechnet mit Justiz und Psychiatrie ab

Untersuchungsausschuss

Mollath rechnet mit Justiz und Psychiatrie ab

Er sollte lediglich auf ein paar gezielte Fragen antworten - Gustl Mollath nutzt seinen Auftritt vor dem Landtags-Untersuchungsausschuss in München aber für eine Generalabrechnung. Und er überrascht mit einem Hinweis.

Weder Steuerfahnder noch Staatsanwälte hätten damals auf seine schlüssigen Hinweise auf Schwarzgeldgeschäfte der Hypo-Vereinsbank reagiert, beklagte er am Dienstag in München. „Auf meine Schreiben hin, hat niemand mit mir Kontakt aufgenommen.“ Zugleich prangerte er die seiner Ansicht nach unerträgliche Unterbringungssituation im psychiatrischen Krankenhaus in Bayreuth an.

Hart ins Gericht ging Mollath mit dem inzwischen pensionierten Vorsitzenden Richter beim Landgericht Nürnberg-Fürth, der seine Unterbringung in der Psychiatrie trotz Freispruchs angeordnet hatte. Der Richter sei ihm gegenüber voreingenommen und aggressiv gewesen.

An den Vorwürfen gegen seine Frau hielt Mollath weiter fest, obwohl sie diese Vorhaltungen in einem am Dienstag veröffentlichten Zeitungsinterview bestritten hatte. Mollath erklärte, anfänglich habe die Bankerin im Auftrag ihres Arbeitgebers – der Hypo-Vereinsbank – illegal Schwarzgelder von Bankkunden in die Schweiz geschafft, später sogar hinter dem Rücken der Bank solche Transfers eingefädelt.

Mollaths Ex-Frau bestritt unterdessen in einem Interview mit dem „Nordbayerischen Kurier“, dass Schwarzgeld-Schiebereien jemals ein Thema zwischen ihr und ihrem Ex-Mann waren. Das Thema sei erst aufgekommen, nachdem sie ihn verlassen habe. Grund für die Trennung seien vielmehr wiederholte Gewaltausbrüche gewesen. Mollath selbst bestreitet bis heute, gewalttätig gewesen zu sein.

Von

dpa

Kommentare (89)

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Account gelöscht!

12.06.2013, 13:05 Uhr

DAS ist doch der eigentliche Skandal! Die lernen nichts dazu.

gerechthaberei

12.06.2013, 13:15 Uhr

in bamberg gibts auch ein OLG,

hier gehts lediglich um zeitgewinn.

die freilassung muß nach der wahl erfolgen.

ein mollath der die freiheit besitzt die namen der schwarzgeld- und steuerkriminellen öffentlich zu nennen,wir für die regierungsparteien zum unberechenbaren risiko.

widerlich ,diese fragwürdige juristerei

Account gelöscht!

12.06.2013, 13:20 Uhr

In der ARD lief - m.E. am Montag vor einer Woche - eine Sendung zum Fall Mollath.

Die Sendung sollte noch in der ARD-Mediathek sein.

Das Fernsehteam der ARD sowie ein Bericht des Deutschlandfunks vor etlichen Wochen kamen zu dem Ergebnis, dass hier ein Justiz-Skandal erster Klasse vorliegt.

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