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18.12.2013

14:47 Uhr

Geringe Neuverschuldung

Deutschland muss sich weniger Geld leihen

Die Bundesregierung will 2014 gut sechs Milliarden Euro neue Kredite aufnehmen - so klein fiel die Summe seit 40 Jahren nicht mehr aus. Grund für die Entwicklung ist vor allem die sinkende Neuverschuldung.

Reichstag in Berlin: Die Bundesregierung plant für 2014 mit gut sechs Milliarden Euro die geringste Nettokreditaufnahme seit 40 Jahren. AFP

Reichstag in Berlin: Die Bundesregierung plant für 2014 mit gut sechs Milliarden Euro die geringste Nettokreditaufnahme seit 40 Jahren.

BerlinDer Bund muss sich im kommenden Jahr dank der sinkenden Neuverschuldung so wenig Geld am Kapitalmarkt leihen wie seit 2007 nicht mehr. Geplant sei die Versteigerung von Anleihen im Volumen von 205 Milliarden Euro, teilte die mit dem Schuldenmanagement betraute Finanzagentur am Mittwoch mit. Das seien 42 Milliarden Euro weniger als in diesem Jahr. Hinzu kommen noch an die Inflationsrate gekoppelte Bundeswertpapiere, die zwischen zehn und 14 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen sollen, 2013 waren es zehn 10 Milliarden.

Grund für den deutlichen Rückgang ist zum einen die verbesserte Haushaltslage. Die Bundesregierung plant für 2014 mit gut sechs Milliarden Euro die geringste Nettokreditaufnahme seit 40 Jahren. Im ablaufenden Jahr sollen es nach geltender Kalkulation noch rund 25 Milliarden Euro sein. Zum anderen muss der Bund weniger Schulden tilgen - auch deshalb, weil die durchschnittliche Laufzeit aller ausstehenden Bundeswertpapiere seit 2009 von sechs auf sechseinhalb Jahre gestiegen ist. „Beide Effekte - geringere Tilgung von umlaufenden Schulden und geringere Nettoneuverschuldung - sorgen dafür, dass das Emissionsvolumen in Bundeswertpapieren sinkt“, sagte der Geschäftsführer der Finanzagentur, Tammo Diemer.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Diemer rechnet mit einer anhaltenden starken Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen. „Sie sind weltweit handelbar, Investoren können sie jederzeit kaufen und wieder verkaufen“, sagte er. „Deshalb gibt es ein reges Interesse an Bundeswertpapieren.“ Für die 72 Versteigerungen in diesem Jahr übertrafen die Gebote der Investoren stets das geplante Volumen. Die Marktanalyse lasse „eine höhere Nachfrage von Zentralbanken und Banken und ein gewisser Rückgang der Aktivitäten bei Versicherungen und Hedgefonds ableiten“.

Ob der Bund die Investoren mit höheren Zinsen locken muss, ist Diemer zufolge offen. „Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Euro-Zinsmärkte auf eine mögliche Straffung der US-Geldpolitik reagieren werden.“ Allerdings gebe es einen Zusammenhang zwischen der Renditekurve von Anleihen und den Markterwartungen an die Politik der Zentralbanken.

Die Einführung neuer Instrumente - etwa Anleihen mit anderer Laufzeit - plant die Finanzagentur nicht. „Der Bund bleibt bei seinen etablierten Instrumenten und damit für den Markt verlässlich“, sagte Diemer. Möglich sei aber, dass es eine Emission der gemeinsamen Bund-Länder-Anleihe gibt. Sie feierte in diesem Jahr Premiere. „Wie es weitergehen wird, darüber müssen Bund und Länder entscheiden.“ Alle beteiligten Länder hätten sich günstiger finanzieren können als mit vergleichbaren eigenen Anleihen. Gleichzeitig sei ein neuer Investorenkreis erschlossen worden, vor allem im Ausland. „Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dieses Segment erfolgreich auszubauen“, sagte Diemer.

Der Bund profitiert in der Euro-Schuldenkrise von seinem Status als sicherer Hafen. Alle großen Ratingagenturen bewerten Deutschlands Bonität mit der Bestnote AAA. Anleger sind deshalb bereit, für die hohe Sicherheit auf Rendite zu verzichten.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

19.12.2013, 09:31 Uhr

Einnahmen wie nie, Schuldenanbbau. Toll.
Aber ist eine Neuverschuldung nicht doch nur eine neue Verschuldung?!
Pardon, aber stuft die Politik die Bürger tatsächlich als Volltrottel ein?

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