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05.03.2014

11:51 Uhr

Geringerer Bundeszuschuss

Krankenkassen fürchten höhere Beiträge

Finanzminister Wolfgang Schäuble will sechs Milliarden Euro weniger in das Gesundheitssystem pumpen. Gegen den Plan regt sich Widerstand. Denn dies könnte höhere Beiträge für die Versicherten bedeuten.

Weniger Geld für Krankenkassen: Finanzminister Wolfgang Schäuble will den Zuschuss des Bundes um insgesamt sechs Milliarden Euro kürzen. Reuters

Weniger Geld für Krankenkassen: Finanzminister Wolfgang Schäuble will den Zuschuss des Bundes um insgesamt sechs Milliarden Euro kürzen.

BerlinIn der SPD und den Krankenkassen gibt es Widerstand gegen die geplanten Kürzungen des Bundeszuschusses für das Gesundheitssystem. Insgesamt sollen in diesem und dem nächsten Jahr sechs Milliarden Euro weniger als geplant in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) fließen.

"Haushaltskonsolidierung zulasten der Sozialkassen ist nicht akzeptabel", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Hilde Mattheis, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Durch solche Kürzungen werde es schnell zu Belastungen ausschließlich auf Kosten der Arbeitnehmer kommen. Mattheis forderte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf, sich gegen Finanzminister Schäuble zu behaupten.

Auch Vertreter der Krankenkassen warnten vor den Kürzungsplänen des Finanzministers. Die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, erklärte, eine Kürzung des Zuschusses wäre ein "Beschleunigungsprogramm für Beitragserhöhungen".

Die zehn größten Krankenkassen 2014

Platz 10

In Niedersachsen hat die AOK die Nase vorn. Insgesamt hat die AOK Niedersachsen 2,4 Millionen Versicherte - damit schafft sie es im Jahresranking 2013 gerade noch unter die Top Ten der deutschen Krankenkassen.

Quelle: dfg, Stand 3.2.2014

Platz 9

Mit 2,7 Millionen Versicherten ist die AOK Plus die größte Krankenkasse in Sachsen und Thüringen. Deutschlandweit rangiert sie an neunter Stelle.

Platz 8

Die AOK Nordwest belegt mit 2,7 Millionen Versicherten den achten Platz unter Deutschlands größten Krankenkassen. Das Unternehmen beschäftigt 7.600 Mitarbeiter.

Platz 7

Die AOK Rheinland/Hamburg hat knapp 2,9 Millionen Versicherte. Im Rheinland und in Hamburg ist sie damit die größte Krankenversicherung. Das Unternehmen betreibt mehr als 100 Geschäftsstellen.

Platz 6

Auf dem sechsten Platz der größten deutschen Krankenkassen befindet sich ein fusioniertes Unternehmen: Die IKK Classic. Sie ist im August 2011 aus der eher ostdeutschen IKK Classic und der eher westdeutschen Vereinigten IKK entstanden. Zusammen haben sie recht stabil knapp 3,5 Millionen Versicherte.

Platz 5

An der fünften Stelle der größten Krankenkassen Deutschlands steht die AOK Baden-Württemberg. Seit Jahren sind rund 3,9 Millionen Menschen bei ihr versichert.

Platz 4

In der Rangfolge liegt die AOK Bayern stabil mit 4,3 Millionen Versicherten. In Bayern hat die Krankenkasse einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent. Das Unternehmen beschäftigt 10.000 Mitarbeiter in dem Freistaat.  

Platz 3

Auf Platz drei der größten deutschen Krankenkassen ist mit 6,255 Millionen Versicherten die DAK Gesundheit - der Zusammenschluss aus BKK Gesundheit und DAK. Laut eigenen Angaben ist die DAK die Krankenkasse Deutschlands, deren Wurzeln am weitesten zurückzuverfolgen sind - bis zum Jahr 1774. Allerdings verliert auch die neue Kasse Kunden. Gestartet war sie mit 6,6 Millionen Versicherten.

Platz 2

Die Barmer GEK ist seit 2014 nur noch die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands. Sie wurde am 1.Januar 2010 gegründet und unterhält laut eigenen Angaben rund 800 Geschäftsstellen bundesweit. 8,64 Millionen Deutsche sind Anfang 2014 bei ihr versichert. In einem zweiten Ranking liegt die Kasse dagegen noch auf Platz 1: Anfang 2014 hat die Barmer GEK noch rund 400.000 zahlende Mitglieder mehr als die TK.

Platz 1

Die größte Krankenkasse Deutschlands ist nach den neuesten Zahlen seit Anfang 2014 die Techniker Krankenkasse (TK). Sie gewinnt sehr stark Kunden hinzu. Anfang 2013 hatte sie 8,26 Millionen Versicherte. Mitte 2013 waren es 8,49 Millionen und zu Beginn 2014 sind 8,68 Millionen Versicherten. Damit liegt sie vor der viele Jahre führenden Barmer GEK.

Es müssten wohl "wieder die Beitragszahler für Kosten aufkommen", die eigentlich als gesamtgesellschaftliche Aufgaben über Steuern zu finanzieren seien, glaubt auch Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen. Diese Steuermittel benötigen die Krankenkassen, um versicherungsfremde Leistungen zu finanzieren. Diese Ausgaben für Kinder, Schwangere und Ehepartner schätzen Experten auf 20 bis 34 Milliarden Euro.

Ein Sprecher der zweitgrößten Krankenkasse Barmer GEK fügte hinzu: "Die Pläne der Bundesregierung sind ein Beispiel für die Unzuverlässigkeit politischer Zusagen." Der Gesundheitsfonds eigne sich nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern.

Gesundheitsminister Gröhe betonte dagegen, die Pläne von Schäuble hätten keine Auswirkungen auf die Beiträge der Krankenkassen. Den Kassen stünden auch 2014 und 2015 die vollen 14 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Kürzung des Zuschusses solle aus den Fonds-Reserven finanziert werden. Die GKV insgesamt hat nach den neuesten Zahlen bis Ende 2013 ein Polster von 30,3 Milliarden Euro angesammelt.

Kommentare (5)

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05.03.2014, 12:56 Uhr

So macht man das, wenn man Steuererhöhungen umgehen will. Man zockt die Bürger über die Sozialsysteme ab. Das ist aber typisch Schäuble und Union. Erst werden die Beitragsermäßigungen in der Rentenversicherung kassiert (auch wenn sie gegen das Gesetz handeln), dann kürzt man die Zuschüsse zur Krankenversicherung und fördert die Beitragsanhebungen zu Lasten der Arbeitnehmer, obendrauf sattelt man die Erhöhung der Pflegeversicherung. Zusätzlich bleibt die ungerechte Steuerprogression und die Besteuerung von Zinseinnahmen, wobei nicht einmal die Inflationsrate ausgeglichen wird, d.h. man zerstört massiv Vermögensrücklagen fürs Alter. Das ist Schäuble- und Unionspolitik!? Wer hat diese Verräter eigentlich gewählt? Können viele Millionen Bürger nicht mehr denken? Verpasst den Blockparteien endlich die rote Karte! Schon bei den Europawahlen.

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05.03.2014, 13:26 Uhr

Werden die überhöhten Abgeordneten Diäten ebenfalls gekürzt?
Kein Abgeordneter im Bundestag, ist dieses Geld wert, denn sie kommen alle nicht ihren Aufgaben nach. Keiner dieser Abgeordneten und die Regierungsmitglieder, haben das eigene Land und Volk im Blick, sondern meinen sie alleine müssten Europa und die Welt retten, was für ein Unsinn.
Unser Land geht vor die Hunde, und dieser unaufrichtige Mensch will bei den Krankenkassen sparen.

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05.03.2014, 14:35 Uhr

@ mehrdemokratie,
"So macht man das, wenn man Steuererhöhungen umgehen will. Man zockt die Bürger über die Sozialsysteme ab. Das ist aber typisch Schäuble und Union."
Wie wurde noch einmal in Kiew auf deren Regierung reagiert und auch vom Westen für Gut befunden?!

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