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13.01.2007

12:13 Uhr

Gerüchte um Nachfolge

Der Druck auf Stoiber wächst

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber kämpft ums politische Überleben. Bei seinem Neujahrsempfang, bei dem er erstmals nach der Spitzelaffäre auf die Landrätin Gabriele Pauli traf, gab er sich kämpferisch. Unterdessen wird heftig über seine Nachfolge spekuliert.

Beim Neujahrsempfang trafen Edmund Stoiber und Gabriele Pauli erstmals wieder aufeinander. Foto: dpa dpa

Beim Neujahrsempfang trafen Edmund Stoiber und Gabriele Pauli erstmals wieder aufeinander. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Aus Parteikreisen wurden in der Nacht zum Samstag Überlegungen bestätigt, Stoiber zu einer baldigen Übergabe seiner Ämter zu bewegen. Nachfolger könnten der bayerische Innenminister Günther Beckstein als Ministerpräsident und Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer als CSU-Vorsitzender werden. Der Wechsel müsse aber gemeinsam mit Stoiber gestaltet werden, sonst drohe der CSU eine Zerreißprobe.

Stoiber gibt sich bislang weiter kämpferisch. „Ich weiß, dass ich im Feuer stehe“, sagte der Ministerpräsident am Freitagabend bei seinem Neujahrsempfang in München. Aber „wer in der Küche arbeitet, muss auch Hitze vertragen.“ Er wolle etwas tun, dass es wieder abkühle. Der CSU-Vorsitzende traf bei dem Empfang auch zum ersten Mal seit Aufdeckung der Bespitzelungsaffäre vor vier Wochen die Fürther Landrätin Gabriele Pauli. Beide gaben sich die Hand.

Für Montagvormittag lud Stoiber Landtagspräsident Alois Glück und CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann zu getrennten Gesprächen in die Staatskanzlei ein. Anschließend will die CSU-Landtagsfraktion auf einer Klausur in Wildbad Kreuth über das weitere Vorgehen beraten. Eine wachsende Zahl von Abgeordneten halte den seit 13 Jahren regierenden Stoiber nicht mehr für den richtigen Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl 2008, hieß es in CSU-Kreisen. Wann und wie ein Wechsel erfolge, sei momentan aber noch nicht absehbar. Neben Beckstein und Seehofer wurden auch noch andere Nachfolge-Kandidaten genannt.

Putsch-Berichte laut Beckstein „böse Gerüchte“

Beckstein fordert vor der Klausurtagung in Kreuth ein klares Signal der Landtagsfraktion. „Wir können nicht mehr so chaotisch weitermachen. Die Nabelschau muss beendet werden, damit wir uns wieder der politischen Arbeit zuwenden können“, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“. „Wir müssen jetzt wieder für Ruhe sorgen“, forderte der bayerische Innenminister, in Kreuth solle „wieder eine saubere Führungslinie gezogen werden“. Berichte über einen möglichen Putsch gegen CSU-Chef Edmund Stoiber bezeichnete der bayerische Innenminister als böse Gerüchte. Ihm sei nichts von einem geplanten Putsch bekannt.

Für die Debatte um Stoibers Zukunft habe er kein Verständnis. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Herrmann wies eine Verantwortung für die Unruhe in der Fraktion zurück. „Dass die Fürther Landrätin wochenlang keinen Gesprächstermin bekommen hat, die Probleme mit dem früheren Büroleiter des Ministerpräsidenten und schließlich das Stichwort 2013 - all das habe nicht ich zu verantworten“, sagte Herrmann der „Passauer Neuen Presse“. Alle diese Vorgänge hätten aber ganz offensichtlich das Meinungsspektrum der Landtagsfraktion im Laufe der letzten drei Wochen unübersehbar verändert, sagte Herrmann. Auf der Klausur werde die Fraktion in der nächsten Woche die schlechten Umfragewerte für Stoiber thematisieren. „Und wir werden ganz offen darüber reden, wie wir da wieder herauskommen.“ Ergebnis der Klausur werde sein, „dass die CSU-Fraktion hinter Stoiber steht und weiter mit ihm Politik machen will“, zitiert die Zeitung den CSU-Fraktionschef.

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