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24.04.2012

12:49 Uhr

Gesamtmetall-Chef

„Wir provozieren nicht die Eskalation“

VonDietrich Creutzburg

Der Tarifstreit in der Metall-Branche spitzt sich zu, Warnstreiks sind wahrscheinlich. Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, über Zeitarbeit, Tarifautonomie und die Signale der IG Metall.

Martin Kannegiesser vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall (M+E) verteidigt das Angebot im Tarifstreit. dapd

Martin Kannegiesser vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall (M+E) verteidigt das Angebot im Tarifstreit.

Herr Kannegiesser, im Tarifstreit wird es ernst. Sie haben der IG Metall Ihr Angebot vorgelegt, die Gewerkschaft spricht von einer „Mogelpackung“. Was sagt Ihnen das?

Nach den Bräuchen der Tarifpolitik war nicht zu erwarten, dass die IG Metall gleich mit Lobeshymnen reagiert. Wir haben uns mit unserem Angebot in jedem Fall ausgesprochen große Mühe gegeben.

Die IG Metall plant nun ab Mai massive Warnstreiks. Gerät die Tarifrunde aus den Fugen?

Um uns herum in Europa und der Welt wachsen die Probleme, siehe die steigende Arbeitslosigkeit. Wenn wir uns bislang einigermaßen behaupten konnten, dann auch wegen des vernünftigen Umgangs miteinander. Wir tauchen ein in eine Phase von mehr Unsicherheit, Risiken und Volatilität. Gerade in solchen Zeiten sollten wir uns auf die ordnende Kraft von Tarifautonomie verlassen können.

Viele Betriebe sind gerade voll ausgelastet. Damit sitzt die IG Metall wohl am längeren Hebel.

Nach allen unseren Erfahrungen noch in Kategorien von längeren und kürzeren Hebeln zu denken führt uns ins Abseits. Gerade ist die Zeitarbeitsbranche dabei, sich in eine neue, industrieähnliche Kultur zu bewegen. Wir wollen Nachwuchsförderung erstmals gemeinsam mit der Gewerkschaft betreiben. Wir wissen, dass die IG Metall die Kraft hat, kurzfristig Arbeitskämpfe auszulösen, ebenso wie Unternehmen längerfristig Standortveränderungen einleiten können. Solche gegenseitigen Bedrohungsszenarien aber sind unvernünftig und unverantwortlich.

Ihr Angebot gibt keine Antwort auf zwei zentrale Forderungen der IG Metall: die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und mehr Mitbestimmung bei Zeitarbeit. Wollen Sie da etwa mit einem „Njet“ durchkommen?

Von „Njet“ kann keine Rede sein. Wir haben uns intensiv mit den Forderungen auseinandergesetzt und mit detaillierten eigenen Vorschlägen geantwortet. Das sind nicht exakt die Antworten, die sich die IG Metall erhofft. Aber auch das ist ernsthafte Tarifpolitik.

Ihre Vorschläge sind: Keine Pflicht zur unbefristeten Übernahme, keine weitere Mitbestimmung bei Zeitarbeit. Wie löst das den Streit?

Wir wollen die Förderung benachteiligter Ausbildungsbewerber verstärken. Die Frage, ob und wie viele Ausbildungs- und Arbeitsplätze angeboten und geschaffen werden, muss in der alleinigen Entscheidung des haftenden Arbeitgebers liegen, das „Wie“ unterliegt dann gemeinsamen Entscheidungsprozessen.

Kommentare (1)

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24.04.2012, 13:20 Uhr

Die Einschänkung des Lohndumpings durch Sklavenarbeit muß eine zentrale Forderung sein.
In Zeiten des von den Arbeitgebern immer wieder beschworenen Fachkräftemangels sollte equal pay in diesem Bereich doch machbar sein!

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