Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2011

20:55 Uhr

„Gesamtpaket“

Merkel will großen Wurf für Euro-Rettung

VonDonata Riedel, Andrea Cünnen, Thomas Ludwig, Thomas Hanke

Die Wirtschafts- und Finanzexperten der Regierung arbeiten intensiv an einem "Gesamtpaket" für den Euro. Beim EU-Gipfel im März sollen die Regierungschefs kein eilig geschnürtes Rettungspaket durchwinken, sondern in einem "großen Wurf" die Krise lösen. Auch ein "Plan B" für die Griechen-Schulden wird immer wahrscheinlicher.

Bundeskanzlerin Merkel arbeitet an einem "Gesamtpaket" für die Euro-Rettung. Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Merkel arbeitet an einem "Gesamtpaket" für die Euro-Rettung.

BERLIN/FRANKFURT/BRÜSSEL. Offiziell ist noch alles offen, und die Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) dementieren ebenso wie die EU-Kommission jede einzelne konkrete Maßnahme. Intern jedoch laufen die Arbeiten an einem "Gesamtpaket" für den Euro auf Hochtouren.

Paris stützt die deutsche Haltung: Auch nach Ansicht der französischen Regierung geht es bei dem Gesamtpaket um weit mehr als die Ausweitung des Rettungsschirms. "Das Wichtigste ist etwas anderes: die veränderte wirtschaftspolitische Steuerung", sagte Frankreichs Botschafter in Berlin, Bernard de Montferrand, dem Handelsblatt. Ziel sei, alle nationalen Daten zu überwachen, die Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit haben, "zum Beispiel die Entwicklung von Arbeitskosten, aber auch die finanzielle Lage in heiklen Bereichen wie dem Immobiliensektor".

In der derzeitigen "Sammelphase für mögliche Maßnahmen", so ein Insider, würden sowohl Schuldenerleichterungen für Griechenland erwogen als auch eine engere wirtschaftspolitische Zusammenarbeit sowie eine Schuldenbremse für alle Euro-Länder und echte Bankenstresstests, nach denen man tatsächlich wisse, wie die Lage der Banken sei.

Schlagkraft für Rettungsfonds

Wenig umstritten ist dabei das Ziel, den Euro-Rettungsfonds EFSF so umzubauen, dass er tatsächlich die Gesamtsumme von 440 Milliarden Euro für klamme Staaten nutzen kann: Bisher stehen wegen des schlechten Ratings vieler Euro-Länder nur 250 Milliarden Euro bereit. Schäuble ist zwar strikt dagegen, dass allein die Länder mit sehr guter Bonität ihre Garantien erhöhen. Wenn aber schwächere Länder, deren Garantien an den Märkten wenig wert sind, Kredite in den Fonds einlegen würden, seien mehr deutsche Garantien nicht ausgeschlossen. Allerdings muss dafür in Deutschland das Gesetz geändert werden, und das lehnen FDP und Teile der Union ab.

Wie es weiter heißt, drängen zudem die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) darauf, gleichzeitig den Euro-Rettungsfonds in die Lage zu versetzen, Griechenland und womöglich auch Irland und Portugal bei der Schuldenbewältigung helfen zu können: Weil griechische Schuldtitel auf dem Sekundärmarkt nur zu rund 60 bis 95 Prozent der Summe gehandelt werden, die Athen zurückzahlen muss, könnte der EFSF sie am Markt kaufen und zum selben Wert an Griechenland weiterverkaufen. Oder der EFSF gibt Griechenland für den Schuldenrückkauf günstige Kredite.

Analysten zweifeln am Erfolg einer solchen freiwilligen Umschuldung. "Ein solcher Schritt würde letztlich zu wenig bringen", meint Kornelius Purps von der Unicredit. Interessant sei das Angebot nur für Investoren, die schon einen Teil ihres Engagements in griechischen Anleihen abgeschrieben haben und die Papiere in ihren Portfolios zu Marktkursen bewerten. Athen könne so allenfalls zehn bis 20 Prozent Schuldennachlass erreichen. Das wäre aber immerhin eine Schuldenerleichterung, sagt Erik Nielsen, Chefvolkswirt von Goldman Sachs Europa.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Die Paket-Dame...

20.01.2011, 22:35 Uhr

...hätte bei der Post anfange sollen. Soviele Care-Pakete, wie sie schon geschnürt hat...

Vorsicht Tricktaschendiebe

20.01.2011, 22:39 Uhr

Was hat Angie gesagt: "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt."
Das heisst auf Gut Deutsch ich muss euch einiges weg nehmen. Das geht durch inflation und Steuern. Das sind noch die besseren Tage.
Der Kampf um den Euro ist als eine Schupserei der Taschentrickdiebe zu sehen, während sie hinschauen, nimmt der dritte ihnen den Geldbeutel ab (der auf dem Rollstuhl) .
Die Polizei warnt das Juncker, Merkel, Schäuble und Co. schon Kriminell auffällig geworden sind.


Peter Scholz

20.01.2011, 22:52 Uhr

Offenbar ist es mit GR ähnlich wie mit Opel. Man muß zu einer Rettung nur NEiN sagen und schon rettet sich der Kandidat selbst. Darauf können die Griechen auch eher stolz sein.
Dennoch, was ich über die Europastraßen geschrieben habe, das zählt. Nur über die Energiekosten auf den Autobahnen kann Europa nach heutigen Preisen mehr als 500 bil. Euro Staatseinnahmen generieren.
Finanzminister Giorgos Papakonstantinou vertraue ich auch mehr als Frau Merkel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×