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22.03.2013

09:29 Uhr

Gesamtschuldenlast steigt

Bad Banks belasten noch immer Haushalte

Insgesamt erzielen die Kommunen einen Überschuss von 906 Millionen Euro. Grund dafür sind deutlich höherer Steuereinnahmen. Nordrhein-Westfahlen belastet beispielsweise immer noch das Erbe der West-LB.

Die Schuldenuhr stieg im Bund um 0,5 Prozent auf 1,2893 Billionen Euro. dpa

Die Schuldenuhr stieg im Bund um 0,5 Prozent auf 1,2893 Billionen Euro.

BerlinDer deutsche Schuldenberg ist kräftig gewachsen. Bund, Länder und Kommunen einschließlich aller Extrahaushalte standen am 31. Dezember mit 2,0718 Billionen Euro in der Kreide. Damit erhöhte sich der Schuldenstand binnen eines Jahres um 2,1 Prozent oder 41,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Trotz des deutlichen Anstiegs ist das kein Rekord: Mitte des vergangenen Jahres lagen die Verbindlichkeiten sogar bei 2,082 Billionen Euro.

Ein Grund für diese Entwicklung sind die Bad Banks: Der Bund trägt als Eigentümer das Risiko für Verluste der verstaatlichten Immobilienbank HRE, deren toxische Wertpapiere und Kredite in die FMS Wertmanagement ausgelagert wurden. Für Verluste der WestLB steht Nordrhein-Westfalen gerade.

Die Schulden des Bundes erhöhten sich um 0,5 Prozent auf 1,2893 Billionen Euro. Die Länder waren mit 649 Milliarden Euro verschuldet. Dies entsprach einem Zuwachs von 5,0 Prozent. Die Verbindlichkeiten der Gemeinden und Gemeindeverbände stiegen um 2,8 Prozent auf 133,6 Milliarden Euro. Die Schulden der kommunalen Zweckverbände sowie der Sozialversicherung sind in dieser vierteljährlichen Statistik nicht enthalten.

Die deutschen Kommunen haben im vergangenen Jahr einen Überschuss von 906 Millionen Euro erzielt. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte, verbuchten die kommunalen Haushalte 2012 zusammen Einnahmen in Höhe von 197,8 Milliarden Euro, das waren 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ausgaben steigen dagegen nur leicht um 1,2 Prozent auf 196,9 Milliarden Euro.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Das Einnahmeplus sei unter anderem auf deutlich höhere Steuereinnahmen, nämlich 74,4 Milliarden Euro oder 6,6 Prozent mehr, zurückzuführen, erklärte die Statistikbehörde. Dieser Zuwachs sei auf die günstige gesamtwirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen. So stieg die wichtigste kommunale Steuer, die Gewerbesteuer, im Vergleich zu 2011 um 5,9 Prozent auf 32,3 Milliarden Euro. Noch stärker erhöhte sich der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer, und zwar um 9,2 Prozent auf 26,9 Milliarden Euro. Die Zuweisungen der Länder an ihre Gemeinden nahmen um 4,7 Prozent zu.

Kommentare (2)

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Rene

22.03.2013, 10:55 Uhr

Dass der Staat kein Geld ist eine Mär. Besteuert mal die Steuerzahler noch mehr, damit der Bundestagsabgeordnete seine bisherigen 8000 € mtl. noch steigern kann...

Rene

22.03.2013, 10:57 Uhr

Die Kausalitäten sind tlw auch anders. Deutschland hat deswegen viele Millionäre und Milliardäre, weil deren Einkommen/Eigentum geschütz wurde.
Aus anderen Ländern, wo sie wie in Frankreich enteignet werden, verlassen sie das Land und zahlen keinen Cent Steuern mehr.

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