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27.08.2012

14:07 Uhr

Geschäftszweig mit Prestige

Transplantationen als Wirtschaftsfaktor

VonMaike Telgheder, Siegfried Hofmann

Für den gesamten Gesundheitssektor haben Organverpflanzungen nur eine geringe kommerzielle Bedeutung. Doch bei den Umsätzen von einigen spezialisierten Krankenhäuser spielen diese Operationen eine große Rolle.

Vertrauen in Organspende

Video: Vertrauen in Organspende

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FrankfurtOrgantransplantationen sind für die deutschen Krankenhäuser ein kleiner, aber sehr prestigeträchtiger Geschäftszweig. Erfolgreiche Transplantationen strahlen positiv auf das gesamte Image der Klinik ab, für Patienten sind sie die Königsklasse der medizinischen Disziplin.

Ihr Anteil an den Krankenhausausgaben ist aber gering: Nach Daten des Verbandes der gesetzlichen Krankenversicherung haben die gesetzlichen Kassen 2011 insgesamt 187 Millionen Euro für Transplantationen ausgegeben. Das entspricht 0,3 Prozent der gesamten Krankenhausausgaben von mehr als 60 Milliarden Euro.

Das Modell eines Herzens. dpa

Das Modell eines Herzens.

Größer Kostenblock im Transplantationsbereich ist dabei mit 138 Millionen der Aufwand für die eigentliche Übertragung der Organe. Weitere 44 Millionen Euro haben die Kassen an die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) überwiesen, die als Koordinierungsstelle für Transplantationen in Deutschland fungiert. Aus deren Etat werden auch die Kosten für die Organentnahmen bei den Spendern bestritten.

Rund fünf Millionen Euro erhielt die Organisation Euro-Transplant. Sie koordiniert die Vermittlung von Spenderorganen auf internationaler Ebene für die Länder Deutschland, Österreich, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Slowenien und Kroatien.

Reform des Transplantationsgesetzes

Kontrollen

Die Transplantationszentren und die Entnahmekrankenhäuser wurden verpflichtet, der bestehenden Prüfungskommission unter dem Dach der Bundesärztekammer Unterlagen über Vermittlungsentscheidungen zu geben und Auskünfte zu erteilen. Die Kommission muss Erkenntnisse über Verstöße an die Behörden der Länder weiterleiten. Neben Vertretern der Ärzte, Krankenkassen und Kliniken sind auch Ländervertreter in der Kommission vertreten.

Transplantationsbeauftragte

Sie sind nun in allen Kliniken Pflicht, um mögliche Spender zu identifizieren und den Gesamtprozess der Organspende zu koordinieren.

Lebendspenden

Jeder Lebendspender bekam einen Anspruch, dass die Krankenkasse des Organempfängers die Behandlung, Vor- und Nachbetreuung, Rehabilitation, Fahrtkosten und Krankengeld bezahlt. Im Falle der Arbeitsunfähigkeit bekam er Anspruch auf Lohnfortzahlung nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz.

Unfallversicherung

Unfallversicherungsschutz, so wurde klargestellt, bezieht sich auch auf Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit einer Organspende.

Entscheidungslösung

Möglichst jeder Bundesbürger soll seine Bereitschaft zur Spende erklären - aber ohne Zwang, sich entscheiden zu müssen. Alle bekommen von ihrer Krankenkasse Post. Diese Regelung tritt zum 1. November in Kraft.

Nach Daten der DSO lag die Zahl der jährlichen Transplantationen in Deutschland zuletzt bei 4.932, stagniert im Großen und Ganzen aber seit fünf Jahren. Seit Jahren ist die Zahl der Patienten, die auf ein neues Organ warten, deutlich größer als die der zur Verfügung stehenden Spenderorgane. Bei Nierentransplantationen zum Beispiel ist laut Euro-Transplant die Warteliste gut doppelt so groß wie das Aufkommen an Organen.

Kommentare (1)

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27.08.2012, 15:24 Uhr

Das ist eben "der freie Markt".

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