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09.07.2015

16:50 Uhr

Gesetz ohne Wirkung

Firmen ignorieren die Frauenquote

Ein Gesetz ohne Sanktionen ist wie ein Tiger ohne Zähne. Das zeigt sich bei der flexiblen Frauenquote für größere Firmen. Ducken sich zu viele Unternehmen weg, liefern sie den Befürwortern einer starren Quote Argumente.

Ab 2016 gilt eine starre Frauenquote von 30 Prozent. dpa

Frauen in Führungspositionen

Ab 2016 gilt eine starre Frauenquote von 30 Prozent.

BerlinViele deutsche Unternehmen tun so, als gäbe es das neue Gesetz zur Frauenquote gar nicht. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung durch den Verein Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar).

Danach haben 54 Prozent der Unternehmen, die sich laut Gesetz selbst ein Ziel für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat und Vorstand geben müssten, bisher noch keine entsprechende Zielgröße formuliert. Und: Sie planen dies auch nicht in näherer Zukunft. Erst ein knappes Viertel (24 Prozent) der Unternehmen hat sich den Angaben zufolge bereits ein konkretes Ziel gesteckt. Rund ein Fünftel (21 Prozent) gab an, man habe zwar bislang keine Zielgröße beschlossen, die Einführung sei aber demnächst vorgesehen.

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Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen war am 1. Mai in Kraft getreten. Es schreibt von 2016 an bei Neubesetzungen in den Aufsichtsräten von 100 Großunternehmen eine starre Frauenquote von 30 Prozent vor. Gibt es nicht genügend Frauen im Aufsichtsrat, bleibt der zu besetzende Stuhl leer.

Mehr als 4000 weitere Unternehmen müssen sich selbst im kommenden September ein eigenes Ziel für die Erhöhung des Frauenanteils geben. Nach einem Jahr soll erstmals überprüft werden, ob sie das selbstgesteckte Ziel erreicht haben. Diese Firmen müssen ihre Zielgrößen und den tatsächlichen Frauenanteil auch im Geschäftsbericht veröffentlichen. Sanktionen sind hier aber bislang nicht vorgesehen.

Die Frauenquote in den EU-Staaten

Deutschland und der EU-Durchschnitt

Deutschland hat die Frauenquote für Führungspositionen in Unternehmen eingeführt. Demnach sollen Frauen ab 2016 30 Prozent der Mitglieder von Aufsichtsräten großer Unternehmen stellen. Derzeit liegt dieser Anteil nach einer Erhebung der Brüsseler Kommission in Deutschland bei rund 24,4 Prozent und damit über dem EU-Durchschnitt (20,3 Prozent).

Frankreich

In Frankreich sollen bis 2017 mindestens 40 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich sein. Die Vorschrift gilt für börsennotierte Unternehmen sowie alle Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Umsatz. Auch im Staatsdienst hat Frankreich eine Frauenquote eingeführt, mit der bis 2018 ein Anteil von 40 Prozent Frauen in Spitzenpositionen erreicht werden soll. Schon heute liegt Frankreich mit einem Frauenanteil von mehr als 32 Prozent in den Vorständen börsennotierter Unternehmen deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Italien

Italien führte im Sommer 2011 eine Quote ein, die für börsennotierte sowie vom Staat kontrollierte Unternehmen gilt und Anfang des Jahres in Kraft trat. Demnach müssen demnach beide Geschlechter je mindestens ein Drittel der Vorstände stellen. Unternehmen, die sich nicht an die Vorgaben halten, drohen Sanktionen.

Belgien

Belgien hat im Sommer 2011 eine Quote festgeschrieben. Sie sieht einen Anteil von jeweils mindestens einem Drittel Frauen in Führungsgremien von staatlich kontrollierten und börsennotierten und Unternehmen bis 2017 beziehungsweise 2019 vor. Für erstere sind laut Brüssel Sanktionen vorgesehen. Danach wäre jede Neubesetzung eines Postens automatisch nichtig, falls ein Unternehmen die Quote verletzt.

Niederlande

Im Mai 2011 wurde von den niederländischen Nachbarn ein Gesetz verabschiedet, das mindestens 30 Prozent Frauen und Männer in Vorständen vorsieht. Es bezieht sich auf börsennotierte Firmen sowie sonstige Unternehmen, wenn diese mindestens 250 Mitarbeiter beschäftigen.

Österreich, Griechenland, Spanien

Alle drei EU-Länder haben zwar laut EU-Kommission Frauenquoten eingeführt. Sie gelten aber nur für Unternehmen, die komplett oder teilweise vom Staat kontrolliert werden. Zudem merkt die Kommission zur spanischen Regelung an, dass es sich wegen fehlender Konsequenzen, wenn die Quote nicht erfüllt werde, eher um eine Empfehlung handle. Beim Frauenanteil in den Vorständen privater Unternehmen hinkt vor allem Griechenland mit gerade mal sieben Prozent deutlich hinter dem EU-Durchschnitt hinterher.

Norwegen

Das Nicht-EU-Land Norwegen gilt in Europa bei Frauenquoten als Vorreiter. Nach verschiedenen Gesetzen, die bis ins Jahr 2003 zurückreichen, müssen die Vorstände staatlicher und großer börsennotierter Konzerne zu rund 40 Prozent mit Frauen besetzt sein. Allerdings sind nicht an der Börse notierte Unternehmen davon befreit, obwohl sie die Mehrheit der norwegischen Firmen ausmachen.

Island

Der nordische Staat, der vor einem Jahr die Beitrittsverhandlungen mit der EU auf Eis legte, hat 2010 ein Quoten-Gesetz erlassen. Es sah vor, dass bis September 2013 Männer und Frauen mit jeweils mindestens 40 Prozent in den Vorständen bestimmter Unternehmen vertreten sind. Wie in anderen Ländern gelten dabei Schwellen bei der Mitarbeiterzahl. Heute ist die Quote in Island nach Angaben der Europäischen Frauenlobby bereits überschritten - demnach sind 46 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in den von der Regelung betroffenen Unternehmen Frauen

Und noch zeigt das aktuelle Fidar-Stimmungsbarometer: 51 Prozent der Vorstände und Unternehmenschefs lehnen die im Gesetz festgeschriebenen Regelungen zum Frauenanteil grundsätzlich ab. Zustimmend äußerten sich 42 Prozent der Befragten. Sieben Prozent waren unentschieden. Allerdings: Die befragten weiblichen Vorstände stimmten der gesetzlichen Regelung mehrheitlich zu.

Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) will Betriebe, die sich einfach wegducken, nicht so einfach davonkommen lassen. „Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie sich an das Gesetz halten, ihre Spielräume nutzen und mehr Frauen in die Führungsetagen holen“, betonte die Ministerin. Außerdem steht die Drohung im Raum, in einer Gesetzesnovelle auch für die Gruppe der rund 4000 Unternehmen eine starre Quote zu verankern. Mit der Union war das allerdings bislang nicht zu machen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

09.07.2015, 17:16 Uhr

Schon eigenartig, wie wenig es den Damen auszumachen scheint, nur noch als Quotenfrau eingeschätzt zu werden - seit es dieses fatal-dämliche Gesetz gibt.

Frau Margrit Steer

09.07.2015, 17:30 Uhr

1.) Die Quote ist die größte Beleidigung für gute Frauen
Es gab früher gute Frauen, es gibt sie heute und es wird sie morgen geben ohne Quote
Früher sagte man in Betrieben immer, wenn eine Frau plötzlich auf einem Posten war, wo jeder wußte, dass sie da nicht hingehört "die hat sich hochgeschlafen"
Und heute? Da werden diese Quotenweiber im Betrieb halt mit Verachtung gestraft.
Das haben nun unsre grün-linken Spinner von ihrem Quotenwahn

Friedrich Lubumba

09.07.2015, 18:28 Uhr

haben die facharbeiter auch keine Quote in die heimate friedrich brauchen die fraue
zu hause fuer die wischtige sache und net fuer de Quode

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