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18.11.2014

13:19 Uhr

Gesetz zur Tarifeinheit

Der DGB ringt sich zum Ja durch

Lange Debatten beim DGB löste Andrea Nahles vor drei Wochen mit der Vorlage ihrer Pläne zur Tarifeinheit aus. Nun unterstützt der DGB als Ganzes die Ministerin – doch einige starke Gewerkschaften sind weiter dagegen.

DGB-Chef Reiner Hoffmann fordert Nachbesserungen im Gesetzesentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (im Vordergrund). dpa

DGB-Chef Reiner Hoffmann fordert Nachbesserungen im Gesetzesentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (im Vordergrund).

BerlinDer Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürwortet nach langen Debatten die umstrittenen Regierungspläne zur Tarifeinheit - obwohl die DGB-Gewerkschaften Verdi, NGG und GEW dagegen sind. In seiner am Dienstag in Berlin vorgestellten Stellungnahme zum Entwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) verlangt der DGB aber deutliche Korrekturen an wichtigen Details.

Mit dem Gesetz will Nahles Tarifkämpfe kleiner Gewerkschaften wie bei der Bahn eindämmen. Einigen sich mehrere Gewerkschaften in einem Betrieb nicht, soll nur noch der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gelten. Im Streitfall entscheiden Gerichte.

DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte: „Der DGB in Gänze lehnt das Ansinnen einer gesetzlichen Regelung nicht ab.“ Verdi, NGG und GEW fürchteten aber einen Eingriff ins Streikrecht und wollten keine gesetzliche Regelung.

Der Gesetzentwurf solle Anfang Dezember im Bundeskabinett beraten werden, kündigte eine Sprecherin des Arbeitsministeriums an. Nahles hatte zunächst den 3. Dezember genannt. Nun blieb ein „Focus“-Bericht unwidersprochen, nach dem die Ministerrunde sich eine Woche später damit befasst. Die Unterstützung des DGB und der Arbeitgeber gilt für das heikle Tarifeinheitsprojekt als unabdingbar.

Hoffmann forderte Änderungen etwa bei der entscheidenden Bezugsgröße zur Ermittlung der Mehrheitsgewerkschaft, dem „Betrieb“. Sichergestellt werden müsse, dass ein Arbeitgeber die „Betriebe“ seines Unternehmens nicht einseitig so zuschneidet, dass sich die Mehrheitsverhältnisse ändern. Zudem brauche es klare Regeln zum Schutz von allgemeinverbindlichen Tarifverträgen sowie Präzisierungen bei der Frage, wie die Mehrheit in einem Betrieb konkret festgestellt werden soll.

Im Grundsatz unterstützte Hoffmann Nahles bei ihren Gesetzesplänen. „Ein Betrieb - ein Tarifvertrag: Zu diesem Prinzip wollen wir zurück“, sagte er. Einig seien sich alle acht DGB-Gewerkschaften in der Einschätzung, dass das Gesetz keinen ausdrücklichen Eingriff ins Streikrecht vorsieht. Verdi, NGG und GEW fürchteten einen solchen Eingriff aber für den Konfliktfall.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.


Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10 000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (AGiL)

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115 000 Mitglieder in Kliniken.

Bereits der Beamtenbund (dbb) und die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) hatten Nahles vorgeworfen, das Streikrecht beschneiden zu wollen. Sie setzen gegen die Pläne auf das Bundesverfassungsgericht. Verdi-Chef Frank Bsirske hatte betont: „Tarifeinheit ist grundsätzlich erstrebenswert, damit Beschäftigte nicht gegeneinander ausgespielt werden. Aber dies müssen wir mit gewerkschaftlichen Mitteln erreichen.“ Dass bei einer Kollision mehrerer Tarifverträge der Tarifvertrag der Mehrheit auf die gesamte Belegschaft erstreckt werde, schränke das Streikrecht ohne Zweifel indirekt ein.

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