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30.04.2014

18:32 Uhr

Gesetzentwurf

Regierung will Rating-Agenturen stärker kontrollieren

Die Bundesregierung will ein wachsameres Auge auf Ratingagenturen werfen. Das Kabinett hat einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen. Damit soll auch die Abhängigkeit der Finanzmärkte von Ratings verringert werden.

Ratingagenturen wie Standard & Poor's sollen stärker kontrolliert werden. dpa

Ratingagenturen wie Standard & Poor's sollen stärker kontrolliert werden.

BerlinDie Bundesregierung will die Ratingagenturen stärker kontrollieren. Das Kabinett beschloss am Mittwoch einen Gesetzentwurf, mit dem die Abhängigkeit der Finanzmärkte vom Urteil der Bonitätsprüfer verringert werden soll. Ziel ist es demnach, „dass Unternehmen der Finanzbranche künftig in stärkerem Maße auf ihre eigene Einschätzung bei der Bonität von Kreditnehmern, Wertpapieren und sonstigen Ausfallrisiken achten“.

Mit dem Gesetz passt Deutschland sein Aufsichtsrecht an die überarbeitete Ratingverordnung der Europäischen Union an. Hintergrund der Änderungen ist die Rolle der Agenturen in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Ihnen wird von Experten eine Mitschuld daran gegeben. In der Kritik steht seitdem insbesondere die zentrale Machtposition der Agenturen an den Finanzmärkten. Dominiert wird das Rating-Geschäft international von den drei US-Agenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Durch die Neuregelungen soll verhindert werden, dass Unternehmen der Finanzbranche ohne eigene Prüfung auf Ratings der Agenturen zurückgreifen. Das habe in der Vergangenheit häufig zu einer Fehleinschätzung von Verlustrisiken geführt, erklärte das Finanzministerium. „Die neuen Regelungen wirken dem automatischen Rückgriff auf externe Ratings entgegen.“ Manager von Investmentfonds und Einrichtungen der Altersversorgung müssen danach künftig bei ihrer Bonitätseinschätzung stärker eigene Risikobewertungen vornehmen. Überwacht werden soll das von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

S&P äußerte sich positiv zu den internationalen Bemühungen, dass sich Marktteilnehmer nicht rein mechanisch auf die Noten der Agenturen verlassen. „Ratings sollten ein Weg sein, um Kreditrisiken abzuschätzen, aber nicht der einzige Weg“, hieß es in einer S&P-Erklärung.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.04.2014, 19:32 Uhr

Schon komisch die Ratingagentur Schufa des kleinen Mannes
wird in keinster Weise überprüft und wurde sogar vom GGG gegen Bürger geschützt. Aber die Ratingagenturen der Welt will man regulieren um besser zocken zu können. Wenn schon...dann bitte alle Agenturen. Aber das wäre wohl nur was für eine Partei der kleinen Bürger , die sich im Leben behaupten müssen und Rückschläge hinnehmen mussten . Sie können von der Schufa "verprügelt" werden unter den Augen ihrer Schutzheiligen in Berlin.

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