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23.05.2012

16:02 Uhr

Gesetzes-Novelle

Kabinett billigt neues Tierschutzrecht

Die Bundesregierung hat den Tierschutz mit einer Gesetzes-Novelle gestärkt. In Zukunft dürfen Pferde nicht mit einem Brenneisen markiert werden und Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden.

Als „Lichtblick“ werten Kritiker das Aus für Brandzeichen, mit denen Pferde am Schenkel markiert werden. dpa

Als „Lichtblick“ werten Kritiker das Aus für Brandzeichen, mit denen Pferde am Schenkel markiert werden.

BerlinDas Bundeskabinett hat ein neues Tierschutzrecht auf den Weg gebracht. Zentrale Punkte der am Mittwoch verabschiedeten Novelle sind das Verbot des sogenannten Schenkelbrands bei Pferden und der Kastration von Ferkeln ohne Betäubung ab 2017.

Darüber hinaus soll der Schutz der Versuchstiere verbessert werden. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) versicherte: „Deutschland nimmt beim Tierschutz international eine Führungsrolle ein.“

Mit der Novelle wird die Ausnahmeregelung im Tierschutzgesetz für den Schenkelbrand künftig entfallen. Da der elektronische Mikrochip zur Kennzeichnung von Pferden vorgeschrieben ist, sei der Zuchtbrand nicht mehr vertretbar, erklärte Aigner.

Was soll sich für Pferde, Ferkel und Katzen verbessern?

Was soll sich in der Tierhaltung ändern?

In deutschen Ställen werden jedes Jahr 20 Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Die traditionelle Methode soll vermeiden, dass das Fleisch manches Jungebers einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. Eine bisherige Ausnahmeregelung soll nun aber nach einer Übergangszeit Ende 2016 auslaufen. Es stünden verschiedene schmerzlose Alternativen zur Verfügung, argumentiert die Regierung in der Gesetzesbegründung. Würde komplett aufs Kastrieren mit Narkose umgestellt, könnte das die Landwirtschaft rund 100 Millionen Euro im Jahr mehr kosten - und auch das Kilo Schweinefleisch im Laden um vier bis zehn Cent verteuern.

Worauf müssen sich Pferdezüchter einstellen?

Dass Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) eine althergebrachte Gepflogenheit bei der Pferdezucht beenden will, stößt auch in ihrer eigenen Unionsfraktion auf Kritik. Bisher werden viele Tiere mit einem Brandeisen auf dem Schenkel markiert - Hannoveraner bekommen etwa ein „H“. Inzwischen sei für Hengste und Stuten aber die Kennzeichnung mit einem elektronischen Mikrochip vorgeschrieben, etwa zum Identifizieren bei der Bekämpfung von Tierseuchen. Der zusätzliche Einsatz heißer Brenneisen sei daher nicht mehr vertretbar, heißt es in Aigners Ministerium.

Was ist für Wildtiere im Zirkus geplant?

Die Haltungsbedingungen für wilde Tiere im Zirkus stehen seit langem in der Kritik. Zuletzt forderte der Bundesrat im vergangenen Herbst ein Verbot von Affen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden in der Manege. Allein wegen häufiger Ortswechsel in Transportwagen seien Tierschutzprobleme zwangsläufig. Konkrete Verbote spricht Aigners Novelle aber vorerst nicht aus. Kommen soll eine vorsorgliche Ermächtigung dafür, dass bestimmte Wildtierarten per Verordnung verboten werden können. Für Zootiere oder Dressuren an festen Standorten soll sich nichts ändern.

Was sagen Bauern und Tierschützer?

Für Landwirte sei der Tierschutz eine große Verpflichtung, betont der Bauernverband. In Generationen entstandene Expertise solle aber „geachtet und respektiert“ werden. So sei der Pferde-Schenkelbrand ein angesehenes Kulturgut. Der Ausstieg aus der Ferkelkastration bis 2017 schieße übers Ziel hinaus, zumal eine Selbstverpflichtung dies in Jahr später vorsehe. Der Präsident des Tierschutzbunds, Thomas Schröder, monierte dagegen, Aigners Katalog sei „allerhöchstens ein Anfang.“ Ferkel sollten sofort nicht mehr unter Schmerzen kastriert werden dürfen. Die Grünen verlangen Regeln zur tiergerechteren Gestaltung von Ställen und ein Vier-Stunden-Limit für Tiertransporte.

Was ist noch für mehr Tierschutz geplant?

Damit quälerische Zuchtmethoden unattraktiver werden, sollen bizarr kleinwüchsige oder haarlose Hunde nicht mehr bei Ausstellungen präsentiert werden dürfen. Erleichtern will der Bund auch Maßnahmen, wenn sich ausgesetzte streunende Katzen in manchen Regionen massiv vermehren. Denn viele magern ohne menschliche Hilfe ab und werden krank. Die Länder sollen deswegen den Auslauf fortpflanzungsfähiger Hauskatzen für gewisse Zeiten einschränken oder verbieten können.

Bei vielen Fohlen in Deutschland wird die Zugehörigkeit zu einem Zuchtverband mit einem Brandzeichen deutlich gemacht. Dabei wird ein Brenneisen in Form des Zuchtverbandszeichens erhitzt und anschließend auf die Haut im Schenkelbereich des Fohlens gedrückt. Nach Heilung der Brandwunde bleibt das Zeichen sichtbar.

Geplant ist auch ein Ausstellungverbot für Tiere mit Merkmalen von Qualzucht. Bei dieser Methode wird nur mit Tieren gezüchtet, die charakteristische Rassemerkmale haben. Bei Hunden kann das beispielsweise dazu führen, dass Schäferhunde Probleme mit der Hüfte haben oder Möpse unter Atemnot leiden.

Kommentare (8)

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Tabu

23.05.2012, 16:51 Uhr

Schutz für Tiere vor dem Menschen,kann es garnicht genug
geben..ob sie nun Robbenbabys totschlagen,Hunden und Katzen lebend das Fell über die Ohren ziehen..Nerze vergasen etc.Mit der Hilflosigkeit der Mitgeschöpfe läßt sich schnelles Geld verdienen..Braucht man nicht auf dem Bau malochen.

nethopper

23.05.2012, 17:35 Uhr

An das Thema der islamischen Halal Schlachtung trauen sich unsere Volksvertreter nicht heran, obwohl das der Gipfel der Tierquälerei ist. Anstattdessen stellt die deutsche Fleischwarenindustrie teilweise komplett auf halal konforme Produkte um, damit die neue, wachsende Zielgruppe der Moslems gleich mit angesprochen wird. Achten Sie mal drauf, wieviele Produkte bereits das Halal Zeichen tragen. Dadurch essen wir bald alle Fleisch aus tierquälerischer Schlachtung. Und die Politik schweigt - wie immer beim Thema Islam.

Account gelöscht!

23.05.2012, 18:06 Uhr

Ich fasse ihren Kommentar mal im wesentlichen zusammen: Blabla... die Welt ist schlecht und alles Fremde eine Bedrohung... Blabla...

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