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07.12.2012

06:55 Uhr

Gesetzesinitiative

Textil-Discounter sollen Bezugsquellen offenlegen

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Grünen vermuten „schlimme Auswüchse“ bei der Auslandsproduktion von Textilien für deutsche Unternehmen. Sie wollen dem Treiben per Gesetz ein Ende setzen. Auch ein Importverbot halten sie für zwingend.

Näherinnen in Indien. dapd

Näherinnen in Indien.

BerlinDie Grünen machen Front gegen deutsche Unternehmen, deren Waren im Ausland unter Sklavereibedingungen hergestellt wurden. Dazu wollen sie das Aktiengesetz ändern. Der Handelsblatt Online vorliegende Gesetzentwurf der Grünen-Bundestagsfraktion sieht vor, dass, anders als nach geltender Rechtslage, der Vorstand einer Aktiengesellschaft nicht haftbar ist, wenn er menschenrechtliche, soziale oder ökologische Standards wahren möchte und dadurch den Gewinn des Unternehmens schmälert.

Viele Vorstände seien durchaus gewillt, diese Standards auch im Ausland einzuhalten, sagte Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. „Aber sie fürchten sich davor, entsprechende Entscheidungen zu treffen, weil durch den Kauf von Fair-Trade-Produkten oder durch menschenwürdige Arbeitsbedingungen die Kosten steigen und damit der Gewinn des Unternehmens geringer wird. Diese Sorge wollen wir ihnen nehmen.“

Wer Textilien nach Deutschland liefert

Pakistan

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,46

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 37 %

Rumänien

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,48

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 5,3 %

Vietnam

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,54

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 26,7 %

Indonesien

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,57

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 19,8 %

Niederlande

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,75

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 14,1 %

Italien

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,98

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 1,6 %

Indien

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 1,23

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 16,1 %

Bangladesch

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 2,64

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 32,3 %

Türkei

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 2,98

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 6,3 %

China

Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 8,33

Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 9,1 %

Quellen

Statistisches Bundesamt, German Fashion

Dazu bedürfe es laut dem Gesetzentwurf einer Ergänzung des Paragrafen 93 im Aktiengesetz, „wonach die Einhaltung menschenrechtlicher, sozialer und ökologischer Standards in allen Geschäftsbereichen Bestandteil der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters sind und damit nicht zu einem Schadensersatzanspruch der Gesellschaft gegen den Vorstand führen können“. Hintergrund der Initiative sind Berichte über die indischen Lieferanten deutscher Textilunternehmen und -händler. Konkret geht es dabei um das so genannte Sumangali-System in Indien, das laut der Menschenrechtsorganisation Terre des hommes zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit gehört.

Wie Konsumenten hinters Licht geführt werden

Die Illusion von Frische

Die Illusion von Sauberkeit und Frische ist ein sehr erfolgreicher Verführer. Fisch auf Eis wirkt frischer, als er ist und wird deutlich besser gekauft. Die Deckel von ewig haltbaren Marmeladengläschen werden mit Papier und Plastik zugeklebt. Gemüse wird in feuchtem Dunst gelagert, was sogar das schnellere Verderben begünstigt.

Der Trick mit dem Alter

Die Vernunft würde dazu tendieren, dass reelle Alter bei der Kaufentscheidung zu berücksichtigen. Doch geschicktes Marketing schafft es, das vermeintliche Alter in den Vordergrund zu rücken. Fachleute holen Bilder, Töne und Gerüche aus vergangenen Zeiten zurück, damit wir uns jünger fühlen und das Produkt aus Nostalgiegründen kaufen, weil es wir ein Überbleibsel unserer Jugend wirkt.

Das Geschäft mit der Panik

Marketingfachleute nutzen immer besser die Urinstinkte der Menschen für ihre Zwecke aus – und dazu gehört vor allem die Angst. Die Flut an Seifenspendern im Zuge der dann ja doch gar nicht zu schlimmen Ehec-Erkrankungen ist nur ein Beispiel.

Natürlich biologisch gut?

Umfragen haben ergeben, dass Konsumenten lieber Produkte mit dem Label „natürlich“ bevorzugen anstatt „biologisch“, weil das wie ein nicht reguliertes Marketing-Schlagwort erscheint. Tatsächlich ist es genau anders herum. Firmen werfen mit diesen Bezeichnungen um sich und sorgen für reichlich Verwirrung.

Prominente helfen - meistens

Auch Mitglieder der Königsfamilie oder Prominente sind eine Marke, mit der sich viel Geld verdienen lässt. Volksnähe schön und gut, aber eine gewisse Barriere muss bleiben, damit diese Marke wirkt. Rituale, Mythen und Symbole helfen dann auch in der Werbung und tatsächlich hilft ein prominentes Gesicht, ein Produkt zu verkaufen – auch wenn wir uns das nicht eingestehen wollen.

Religion zu Geld machen

Unser Gehirn neigt dazu, mentale Abkürzungen zu nehmen. Wenn auf einer Haferflockenpackung ein Bild vom Himalaja prangert, dann denken wir an Einfachheit, Weisheit, Selbstlosigkeit und Entspannung. Gerade mit Religionen wie dem Buddhismus wirbt man gern. Für einige Produkte geben Konsumenten Unsummen aus, nur weil sie scheinbar „gesegnet“ sind.

Wir kaufen, um als Gutmenschen dazustehen

Psychologen nennen es den „kompetetiven Altruismus“: Menschen handeln sozial verantwortungsbewusst, weil sie ihr Gutmenschentum zur Schau stellen wollen. Werbefachleute zielen darauf perfekt ab. Umweltbewusste Verbraucher vermeiden es sogar oft, grüne Produkte zu kaufen, wenn niemand da ist, der ihr selbstloses Verhalten mitbekommt.

Kraft der Nostalgie

Unser Gehirn ist so programmiert, dass es vergangene Erfahrungen positiver scheinen lässt als sie waren. Psychologen nennen dies „rosigen Rückblick“ und das moderne Marketing nutzt dies mehr denn je aus. So wird die Vernunft bei  Kaufentscheidungen leicht in den Hintergrund gedrängt.

Beck hält es vor diesem Hintergrund zudem für unabdingbar, Firmen per Gesetz zur Offenlegung ihrer Bezugsquellen zu verpflichten. „Wenn derzeit nicht einmal die schlimmsten Auswüchse bekannt gemacht werden können, dann brauchen wir dringend eine gesetzliche Regelung“, sagte der Grünen-Politiker. Auf Ebene der Vereinten Nationen und auch in der EU habe man längst eingesehen, dass es ohne rechtliche Verpflichtung nicht gehe. „Warum die Bundesregierung wider besseres Wissen immer noch dem reinen Prinzip der Freiwilligkeit anhängt, ist mir schleierhaft“, sagte Beck.

Die größten Einzelhändler der Welt

Platz 10

Best Buy (USA)

Das US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2010 betrug 50,27 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2010 über einen Umsatz von 67,42 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 68 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 77,95 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2010 gigantisch aus.

Platz 6

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2010 setzte der Lebensmittelhändler 82,19 Milliarden Dollar um.

Platz 5

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 89,08 Dollar im Jahr 2010 ebenfalls einen Spitzenplatz.

Platz 4

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit betreiben die Briten 5390 Supermärkte Großbritannien 94,185 4,104 384.389 Einzelhandel Philip Clarke

Platz 3

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Die Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2010 rund 96,4 Milliarden Dollar um.

Platz 2

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit 471.755 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2010 einen Umsatz von 120,3 Milliarden Dollar. Nur ein Einzelhändler setzte mehr um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 421,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2010 um - bei einem Gewinn von 16 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern 2,1 Millionen Angestellte.

Kommentare (23)

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Tabu

07.12.2012, 07:29 Uhr

Gerade die Grünen (Mambisten) spielen wieder Gott. Diese widerlichen Heuchler.
Wenns für die Redaktion unangenehm sein sollte, bitte löschen.

Gnomon

07.12.2012, 07:54 Uhr

Ja mal wieder Etatismus vom feinsten...

Wie wäre es damit, dass die Käufer also das Volk direkt an der Ladentheke entscheidet, ob ihnen die Produktionsbedingungen 5-10 Euro mehr wert sind oder nicht.

Ostpirat

07.12.2012, 08:00 Uhr

Ein Schnellschuss, wie üblich bei den etablierten Parteien. Der Kunde hat kaum eine Wahl. Wie wäre es wenn das "Made for ... " endlich verschwinden würde und endlich der Hersteller wieder auf dem Etikett zu identifizieren wäre.

Da wird es so manches Erstaunen geben. Also "Made by .... xyz for ABCD". Dann könnte der mündige Verbraucher wieder das werden was er sein soll, "mündig".

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