Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.11.2012

07:34 Uhr

Gesetzesvorschlag

Google startet Kampagne gegen Leistungsschutzrecht

Google schaltet sich mit einer Aktion in Sachen Leistungsschutzrecht ein. Damit will der Konzern mehr Bürger auf den Gesetzvorschlag aufmerksam machen, der am Donnerstag im Parlament auf der Tagesordnung steht.

Google mischt sich ein. dapd

Google mischt sich ein.

BerlinDer Internetkonzern Google hat sich erstmals mit einer breit angelegten Kampagne auf seinen eigenen Webseiten in die Diskussion über ein Gesetzesvorhaben im Bundestag eingeschaltet. Die Aktion richtet sich gegen ein von der schwarz-gelben Regierung geplantes Leistungsschutzrecht zugunsten von Presseverlagen, das am Donnerstag in erster Lesung im Parlament debattiert wird.

„Ein Leistungsschutzrecht bedeutet weniger Informationen für Bürger und höhere Kosten für Unternehmen“, begründete Stefan Tweraser, Country Director von Google Deutschland, die Kampagne. Das umstrittene Leistungsschutzrecht soll Presseverlagen „das ausschließliche Recht“ geben, „Presseerzeugnisse zu gewerblichen Zwecken im Internet öffentlich zugänglich zu machen“. Damit müssten Anbieter wie Google die Darstellung von kleinen Textauszügen auf ihren Webseiten bei den Verlagen lizenzieren oder darauf verzichten.

Piraten-Petition: Warum das Leistungsschutzrecht nicht zündet

Piraten-Petition

Warum das Leistungsschutzrecht nicht zündet

Die Piraten können nur wenige Menschen für ihre Online-Petition gegen das Leistungsschutzrecht mobilisieren. Wie es aussieht, wird die Initiative scheitern. Erlahmt das Interesse am Urheberrecht bereits wieder?

Herzstück der am Dienstagmorgen gestarteten Kampagne von Google ist die Webseite www.google.de/deinnetz. Außerdem wird der Konzern auf YouTube sowie auf der Startseite von Google Deutschland auf die Aktion hinweisen.

Die meisten Bürger hätten noch nie von diesem Gesetzesvorschlag gehört, erklärte Google. Dabei träfe ein solches Gesetz jeden Internetnutzer in Deutschland. „Das Suchen und Finden, eine Grundfunktion des Internets, würde durch ein Leistungsschutzrecht gestört“, sagte Google-Manager Tweraser. „Wir bitten die Internetnutzer, sich dafür einzusetzen, dass sie auch in Zukunft das finden, was sie suchen. Wir hoffen, dass der Deutsche Bundestag den Gesetzentwurf ablehnen wird.“

Für Gegner des Leistungsschutzrechtes, die sich direkt an die Abgeordneten aus ihrem Wahlkreis wenden möchten, hat Google eine eigene „MdB-Landkarte“ erstellt. Dort werden öffentlich zugängliche Kontaktinformationen der Parlamentarier und ihrer Büros zusammengefasst angeboten.

Die Befürworter eines Leistungsschutzrechtes verweisen auf Milliarden-Erlöse beim Geschäft mit Online-Werbung bei der Internet-Suche. Die Verleger müssten daran fair beteiligt werden. Schwarz-Gelb hatte Anfang März die bereits im Koalitionsvertrag festgehaltene Absicht bekräftigt, ein Leistungsschutzrecht als Teil einer Reform des Urheberrechts einzuführen.

Von

dpa

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

kraehendienst

27.11.2012, 08:10 Uhr

"„Wir bitten die Internetnutzer, sich dafür einzusetzen, dass sie auch in Zukunft das finden, was sie suchen. Wir hoffen, dass der Deutsche Bundestag den Gesetzentwurf ablehnen wird.“ -
Es muss NICHT IMMER ALLES SOFORT gefunden werden. Geheimnisse verschönern das Leben!!! Unsere Zeit ist sehr flach geworden.

Account gelöscht!

27.11.2012, 08:17 Uhr

Google hat völlig recht. Da ist mal wieder die Medienlobby am Werk. Gegen die Interessen der Bevölkerung soll deren Meinungs-Monopol auch im Internet zementiert werden, damit die Umerziehungspropaganda quasi Gemma-mäßig finanziert werden kann. Das erinnert stark an den Staatsstreich durch die öffentlich-unrechtlichen Medien, die das Internet seinerzeit quasi zu Radiowellen erklärt haben und es somit gebührenmäßig monopolisierten.
Da dieser Plan nicht populär ist, wird mal wieder versucht, dies auf dem Schleichweg durchs Parlament zu bringen (der Handelsblatt-Online-Redaktion gebührt hier eindeutig mal ein Lob für diese Meldung!). Das dürfte beim Volkskammercharakter des Bundestags wohl auch kein Problem sein.
Es ist einfach traurig, wie wenig die traditionellen Medien das Internet verstehen und wie wenig sie versuchen, ihre Geschäftsmodelle auf das Internet einzustellen statt umgekehrt zu versuchen, mit Brachialgewalt des Staates, das Internet auf ihre Geschäftsmodelle umzustellen.
Ich hoffe Google "schmeist" die deutschen Verlage aus seiner Suchmaschine heraus, falls es diesen gelingt, dieses Monopolgesetz durchzupeitschen. Die Welt der Medien hört nämlich nicht an den Länderngrenzen auf, nicht einmal im deutschsprachigen Bereich.
Manche müssen eben auf die harte Tour lernen, siehe auch die kürzlichen Zeitungspleiten (Printmedien).

Stein

27.11.2012, 08:53 Uhr

"Ich hoffe Google "schmeist" die deutschen Verlage aus seiner Suchmaschine heraus,"

Was dann ja auch gar keine Zensur wäre. Oder ist Zensur besser, wenn Sie Ihnen persönlich gefällt? Sie spotten über die Medienlobby und merken doch nicht, dass sie in der Google-Lobby verfangen sind weil Google schon längst Ihre Meinung manipuliert. Die herkömmlichen Medien mögen ihre Geschäftsmodelle nicht richtig angepasst haben. Aber welche Begründung für die Missachtung der Rechte andere sollte das sein?
Und noch eines: Seien Sie bitte vorsichtig damit, eigenmächtig zu entscheiden was die Interessen des Volkes sind. Ich bin Teil dieses Volkes und teile Ihre propagierten Interessen nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×