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08.02.2006

18:36 Uhr

Gesetzliche Alterssicherung

Rürup widerspricht Lauterbachs Renten-These

Der Sozialwissenschaftler und SPD-Politiker Karl Lauterbach hatte mit der These für Wirbel gesorgt, die gesetzliche Rente sei unsozial, weil Besserverdiener länger ihr Ruhegeld bezögen als Geringverdiener. Der Wirtschaftsweise Bert Rürup hat nun eine Entgegnung formuliert.

Bert Rürup. Foto: dpa Quelle: dpa

Bert Rürup. Foto: dpa

BERLIN. Der Gesundheitsökonom Lauterbach hatte unter Berufung auf eigene Berechnungen erklärt, Geringverdiener hätten aufgrund einer kürzereren Lebenserwartung eigentlich Anspruch auf einen niedrigeren Rentenbeitrag als Besserverdiener. Rürup hält dem in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt entgegen: „Die Berücksichtigung einer individuellen oder schichtenspezifischen Lebenserwartung der Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung würde dem Prinzip einer Sozialversicherung widersprechen.“

Konsequent zu Ende gedacht, bedeute „eine Berücksichtigung individueller Risikomerkmale bei der Gestaltung der Beiträge oder bei der Leistungsbemessung das Ende der Sozialversicherung und deren Ersatz entweder durch steuerfinanzierte Systeme ohne jede Leistungsdifferenzierung oder durch eine private Absicherung gegen diese Risiken“, schreibt Rürup. So könnte man beispielsweise kaum an dem heute geltenden Prinzip festhalten, dass Männer und Frauen bei gleichen Beitragsleistungen Ansprüche auf gleich hohe Monatsrenten erwerben: „Männer haben eine um etwa sechs Jahre geringere Lebenserwartung. Nach der von Lauterbach implizierten Logik müssten sie geringere Beiträge zahlen. In der Arbeitslosenversicherung müsste man konsequenterweise die Beiträge mit der Wahrscheinlichkeit der Entlassung bemessen.“

Rürup steht dem Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vor, dessen Mitglieder auch als Wirtschaftsweise bezeichnet werden. Lauterbach leitet das Institut für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemologie der Universität Köln und sitzt für die SPD im Bundestag.

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