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11.11.2014

08:42 Uhr

Gespräche geplant

Gabriel gegen Zerschlagung von Vattenfall in Deutschland

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will mit Schweden über die Pläne von Vattenfall sprechen. Das Energie-Unternehmen hatte angekündigt, sich aus den deutschen Braunkohle-Aktivitäten zurückzuziehen.

Vattenfall habe eine ganz besondere Verantwortung, sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. dpa

Vattenfall habe eine ganz besondere Verantwortung, sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Berlin/DüsseldorfBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will sich in Schweden für die Beschäftigten der zum Verkauf gestellten deutschen Braunkohlegeschäfte von Vattenfall stark machen. Gabriel wolle mit dem neuem schwedischen Regierungschef Stefan Löfven über die Verkaufspläne sprechen, hieß es in einem Reuters vorliegenden Papier des Ministers.

Eine Zerschlagung dürfe es nicht geben. Vattenfall habe in der Vergangenheit profitable Geschäfte gemacht und daher auch eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Arbeitsplätze und eine sichere und bezahlbare Energieversorgung in Deutschland. Der Staatskonzern hatte Ende Oktober angekündigt, das deutsche Braunkohlegeschäft mit über 8000 Beschäftigten zu verkaufen.

„Ich bin sicher, dass sich die schwedische Regierung und Stefan Löfven ihrer Verantwortung bewusst sind“, heißt es in dem Papier. Gabriel plädiert dafür, die Wasserkraftgeschäfte von Vattenfall in Deutschland, den Braunkohletagebau und die Stromerzeugung in einer Hand zu belassen.

„Eine Zerschlagung dieses Verbunds würde die Sicherung der Beschäftigung und der Zukunftsfähigkeit der Unternehmensbestandteile ebenso gefährden wie überzogene Preisvorstellungen.“ Er warnte, Fehlinvestitionen des Vattenfall-Managements in anderen Ländern dürften nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer und Stromkunden in Deutschland abgeladen werden.

Die Schweden hatten vor Jahren eine Einkaufstour begonnen, die sie teuer zu stehen kam. Auf Zukäufe wie den niederländischen Versorger Nuon mussten sie Milliardensummen abschreiben. In Deutschland betreibt Vattenfall in der Lausitz fünf Tagebaue sowie die Kraftwerke Boxberg, Schwarze Pumpe, Jänschwalde und Lippendorf.

Die Kohlekraftwerke stehen wegen ihres hohen Ausstoßes an klimaschädlichem Kohlendioxid in der Kritik von Umweltschützern. Auch in der Bundesregierung gibt es Stimmen, die eine Abschaltung insbesondere älterer Anlagen fordern. „Ich bin allerdings sicher, dass die Frage welche Kraftwerke am Netz bleiben und welche stillgelegt werden, die Unternehmen entscheiden sollten und nicht der Staat“, betonte Gabriel nun.

Zwei mit der Strategie von Vattenfall vertraute Personen hatten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Finanzinvestoren wie KKK, Blackstone und CVC als mögliche Interessenten genannt. Auch die tschechischen Versorger EPH und CEZ könnten ein Auge auf die Geschäfte werfen. Den Wert schätzten sie auf zwei bis drei Milliarden Euro.

Bislang hat allerdings lediglich EPH Interesse an den Deutschland-Geschäften von Vattenfall angemeldet. EPH gehört bereits die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag). Ein Kauf durch deutsche Energieriesen ist derweil unwahrscheinlich, legen diese doch gerade reihenweise Kohlekraftwerke still und bauen stattdessen ihr Ökostromgeschäft aus.

Während E.ON sich dazu bislang nicht klar äußert, hat RWE abgewunken. „RWE will die Braunkohleanlagen von Vattenfall nicht übernehmen. Es gibt keine diesbezüglichen Pläne“, erklärten die Essener.

Auch der Karlsruher Versorger EnBW zeigt keine Neigung zu einen Erwerb, will diesen aber nicht völlig ausschließen. „Wir sind nicht aktiv an dem Prozess in irgendeiner Form beteiligt und ich sehe das auch aktuell nicht“, sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer.

Es sei aber zu früh für endgültige Aussagen, da unter anderem der Preis für die Vattenfall-Aktivitäten noch nicht feststehe.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Paul Mueller

11.11.2014, 09:49 Uhr

Interessant, dass Herr Gabriel neben seiner Haupttätigkeit als Lobbyist für Atlantik-Brücke und TTIP noch Zeit für Wirtschaftsthemen findet.

Account gelöscht!

11.11.2014, 10:37 Uhr

Gabriel und die gesamt deutsche Energiepolitik wollte doch die Energiewende und haben dazu sogar ein perfides und asoziale EEG (Gesetz) verabschiedet. Jetzt schaut mal, wie weit ihr Pfeiffen von Politiker in der realten Energiewirtschaftwelt zurecht kommt. Das EEG ist eure Ausgeburt und nicht der Marktgesellschaft. Die Marktgesellschaft hat sich immer nach der wohlstandsschaffenden Marktwirtschaft gerichtet. Energiewende/EEG = Mangel und dann kommt die Armut. All dies durch die Energiepolitik der etablierten Bundestagspartienen so gewollt!

G. Nampf

11.11.2014, 11:01 Uhr

Braunkohle ist die schmutzigste Energiequelle und sichert nur wenige Arbeitsplätze, dafür zerstört sie ganze Landstriche.

Aber Herr Gabriel als Sozi ist das egal; er wird immer in der Vergangenheit verhaftet bleiben.

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