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08.01.2005

20:09 Uhr

Geständiger Täter kommt auch für ungeklärte Mordserie in Betracht

Serienmörder-Verdacht gegen Levke-Mörder nach neuem Geständnis

Nachdem der Mörder des Mädchens Levke auch die Ermordung des achtjährigen Felix gestanden hat, schließen Ermittler ein Serienverbrechen nicht aus.

HB BERLIN. Nachdem der mutmaßliche Mörder der achtjährigen Levke überraschend auch die Ermordung des achtjährigen Felix aus Neu Ebersdorf in Rotenburg gestanden hat, überprüft die Polizei weitere ungeklärte Mordfälle und Sexualdelikte. Polizei und Staatsanwaltschaft sagten am Samstag in Cuxhaven, der 31-jährige arbeitslose Installateur komme auch als Täter für eine Mordserie an fünf Jungen in Frage.

Der Mann wurde am 8. Dezember nach Hinweisen aus der Bevölkerung in Bremerhaven von der Polizei festgenommen und sitzt seitdem wegen Verdachts des Mordes und schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in Untersuchungshaft. Er hatte gestanden, die achtjährige Levke am 6. Mai nach der Schule in Cuxhaven-Altenwalde in sein Auto gelockt und umgebracht zu haben. Die Leiche fuhr er in den Raum Attendorn in Nordrhein-Westfalen, wo er bis 1995 gelebt hatte.

Der achtjährige Felix aus Neu Ebersdorf war am 30. Oktober mit dem Rad zum Spielen ins nahe gelegene Hipstedt gefahren und auf dem Heimweg verschwunden. Am gestrigen Freitagnachmittag bargen Polizeitaucher die verpackte und verschnürte, mit Steinen beschwerte Leiche des Jungen aus dem Fluss Geeste 30 Kilometer von Hipstedt entfernt. Noch steht die DNA-Probe aus, aber die Polizei hat laut eigener Aussage keinen Zweifel daran, dass es sich um Felix handelt, sagte die Leiterin der Soko «Felix», Petra Guderian. Der Junge wurde nach Angaben Guderians mit hoher Wahrscheinlichkeit erstickt.

Die zwei Verteidiger des Verdächtigen hatten mit der Staatsanwaltschaft Stade ein Gespräch für Freitag vereinbart. Kurz zuvor habe einer der Anwälte Hoffmann im Gefängnis aufgesucht und danach den Staatsanwälten vom Geständnis des Mannes erzählt. Laut Ermittlerangaben habe er lediglich gesagt: «Ja, ich habe Felix Wille getötet.» Davon seien die Ermittler völlig überrascht gewesen.

Die Polizei ging bisher davon aus, dass sich der in Untersuchungshaft befindliche Mann als Straftäter nur für kleine Mädchen interessierte. Laut Soko-Chef Karsten Bettels bekommt der Fall durch das neue Geständnis eine neue Dimension. Jetzt würden alle ungeklärten Verbrechen auch an Jungen überprüft. Bettels sprach von Morden und rund 40 Sexualdelikten im Großraum Bremen.

Die Polizei suchte in diesem Zusammenhang einen Mann, der stets schwarz maskiert auftrat. Dieser Mann könnte 1992 den 13-jährigen Stefan aus einem Internat in Scheeßel im Landkreis Rotenburg ermordet haben. Der neunjährige Dennis aus Osterholz-Scharmbek verschwand am 5. September 2001 aus einem Schullandheim im Landkreis Cuxhaven.

Der achtjährige Dennis wurde 1995 aus einem Zeltlager in Schleswig-Holstein entführt und getötet. 1998 wurde der elfjährige Nikky nach einem Aufenthalt im Zeltlager nahe dem holländischen Brunssum ermordet aufgefunden. Im April 2004 verschwand der elfjährige französische Schüler Jonathan aus einem Schullandheim am Atlantik; Ende Mai wurde er ermordet aufgefunden. Ungeklärt ist auch der Mord an der zehnjährigen Adelina, die am 28. Juni 2001 in Bremen verschwand; ihre Leiche wurde am 6. Oktober in einem Wald bei Bremen gefunden.

Die Polizei rief Zeugen, die den geständigen Mörder kennen, auf, sich zu melden. Wichtig sei jetzt, ein Bewegungsbild von ihm erstellen zu können. Der 31-Jährige war 1994 wegen Vergewaltigung einer Frau zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden und 1995 mit seiner Mutter nach Bremerhaven gezogen.

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