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05.09.2011

15:12 Uhr

Gesundheitsausgaben

Gesetzliche Krankenkassen machen Milliarden-Überschuss

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im zweiten Quartal ihren Überschuss deutlich erhöht. Damit steigt der Spielraum für Beitragssenkungen. Arbeitgeber und Wirtschaftspolitiker machen bereits Druck.

Krankenkassen-Karten für Pflichtversicherte. dpa

Krankenkassen-Karten für Pflichtversicherte.

BerlinDie gesetzlichen Krankenkassen haben ihren Überschuss dank der guten Konjunktur und der Einsparungen bei Medikamenten im zweiten Quartal stark ausweiten können. Im Vergleich zu den ersten drei Monaten wuchs das Plus um rund 950 Millionen Euro auf 2,4 Milliarden Euro an, wie das Gesundheitsministerium am Montag in Berlin mitteilte. Dies ist mehr als 20 Mal so viel wie vor einem Jahr. Damals lag der Überschuss zum Halbjahr lediglich bei 112 Millionen Euro.

Von Januar bis Juni standen den Einnahmen in Höhe von 91,7 Milliarden Euro Ausgaben im Umfang von 89,3 Milliarden Euro gegenüber. Die höchsten Überschüsse verbuchten die beiden großen Krankenkassenarten AOK und Ersatzkassen mit 971 respektive 954 Millionen Euro. Die Betriebskrankenkassen sind mit 221 Millionen Euro im Plus, die Innungskrankenkassen mit 156 Millionen und die Knappschaft-Bahn-See mit 98 Millionen Euro. Die positive Entwicklung gebe einer Reihe von Krankenkassen die Möglichkeit, Finanzreserven aufzubauen, teilte das Ministerium mit.

Grund sind vor allem die um 6,3 Prozent gesunkenen Ausgaben für Arzneimittel. Im Zuge eines Sparpakets der schwarz-gelben Regierung müssen die Pharmahersteller seit August 2010 einen Preisabschlag von 16 Prozent hinnehmen. Erneut mehr zahlen mussten die Kassen dagegen für Krankenhausbehandlungen. Hier betrug der Anstieg 4,6 Prozent. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet betrage der Zuwachs damit 2,5 Milliarden Euro, teilte das Ressort von Minister Daniel Bahr mit. Einer Faustformel zufolge macht dies etwa 0,25 Beitragssatzpunkte aus. Für ambulante ärztliche Behandlungen mussten die Kassen 2,3 Prozent mehr aufwenden, für
Früherkennungsmaßnahmen 5,2 Prozent. Die Ausgaben für das Krankengeld stiegen erneut um 9,6 Prozent.

Das Ministerium betonte, die guten Zahlen im ersten Halbjahr ließen noch keine Rückschlüsse auf die Höhe des Überschusses zum Jahresende zu. So seien die Ausgaben in der ersten Jahreshälfte regelmäßig niedriger als in der zweiten. Im zweiten Halbjahr 2010 etwa seien rund 1,5 Milliarden Euro mehr ausgegeben worden als in den sechs Monaten davor. Das vergangene Jahr hatte die gesetzliche Krankenversicherung am Ende mit einem Minus von 445 Millionen Euro abgeschlossen.

Auch der Gesundheitsfonds, aus dem die Kassen ihr Geld nach einem bestimmten, festgelegten Schlüssel zugeteilte bekommen, fuhr zur Jahresmitte einen Überschuss von 460 Millionen Euro ein. Der Fonds speist sich aus Beitragseinnahmen und Steuerzuschüssen. Das Plus dürfte noch steigen, da zum Ende des Jahres die Einnahmen durch Weihnachtsgeldzahlungen höher sind.

Unter dem Strich erwarten die Experten des GKV-Schätzerkreises Ende 2011 eine Rücklage des Fonds von fast sieben Milliarden Euro. Davon ist der größte Teil jedoch verplant: Drei Milliarden werden für die gesetzliche Mindestreserve und zwei Milliarden Euro für den Sozialausgleich in den Jahren 2012 bis 2014 benötigt. Die übrigen zwei Milliarden sind noch nicht verplant und wecken Begehrlichkeiten: Kassen, Wirtschaftspolitiker und Arbeitgeber haben gefordert, den Beitragssatz von 15,5 Prozent zu senken.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Peter

05.09.2011, 15:53 Uhr

Sehr guter Artikel - und zeigt genau das Hauptproblem des deutschen Gesundheitssystems: die gesetzlichen Krankenlassen - die eigentlich nur Verwalter von Beitragszahlergeld und in diesem Sinne Dienstleister sein sollten - haben sich zu aufgeblähten Institutionen entwickelt die dringend benötigtes Geld aus dem deutschen Gesundheitssystem bunkern und für ihren ineffektiven Verwaltungsapparat verschleudern (Stichwort über 200 gesetzliche Kassen in Deutschland).

Die_Anderen_sinds_nicht_immer

05.09.2011, 16:31 Uhr

Und schon wieder jemand der redet und keine Ahnung hat. Die Anzahl der Kassen liegt um 25% niedriger (aktuell 148). Die Verwaltungskosten machen etwas mehr als 5% aus, das sind ungefähr 30% von dem was Privatversicherer im Schnitt nehmen (knapp 14%). Der Verwaltungsapparat ist wirklich das geringste Problem.
Mal ein paar andere Zahlen:
Arztbesuche in Deutschland 18/Jahr; Norwegen 3/Jahr.
Arzneimittel die im Müll landen, ca. 4 Mrd Euro/Jahr.
Jeder könnte etwas zu niedrigeren Beiträgen beitragen, wenn nur dieses Anspruchsdenken (... ich hab seit Jahren eingezahlt ... ) aufhört.

buerger64

05.09.2011, 17:10 Uhr

Ich zweifle diese Zahl an. Woher will man wissen, wie viel Medikamente im Müll landen, wer zählt das?

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