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14.07.2011

10:33 Uhr

Gesundheitsminister greift durch

Bahr weist Pharmalobby vor die Tür

VonPeter Thelen

ExklusivDie Pharmaindustrie muss sich auf Gegenwind einstellen: Gesundheitsminister Bahr will die Hersteller aus allen Beratergremien verbannen. Die Branche fühlt sich düpiert - und sucht nach neuen Wegen der Einflussnahme.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Quelle: dpa

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).

BerlinNach Zwangsrabatt und Preisstopp plant Gesundheitsminister Daniel Bahr die Vertreter der Branche aus allen Gremien herauszuwerfen, die bislang das Gesundheitsministerium in Fragen des Arzneimittelrechts beraten. Das geht aus einem Informationspapier zur nächsten Arzneimittelreform hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

Die Branche ist empört und fühlt sich ein weiteres Mal von der angeblich wirtschaftsfreundlichen FPD düpiert. "Hier soll eine über drei Jahrzehnte gut funktionierende sinnvolle Kooperation einfach aufgekündigt werden," klagt Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH).

Tatsächlich sitzen Vertreter verschiedener Verbände der Arzneimittelindustrie bereits seit 1978 in fünf Expertenkommissionen. An der Seite von Pharmakologen, Ärzten und Krankenkassenvertretern beraten sie den jeweiligen Minister - etwa wenn es um die Frage geht, ob ein Medikament nur in der Apotheke verkauft werden darf oder sogar nur gegen Rezept eines Arztes zu haben ist. Auch bei der Zulassung von Medikamenten besonderer Therapierichtungen wie pflanzlicher Arzneimittel oder homöopathischer Medikamente darf die Industrie mitbestimmen.

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Mit 34 Jahren ist Daniel Bahr der jüngste Bundesgesundheitsminister aller Zeiten. Dennoch verfügt die FDP-Nachwuchshoffnung bereits über jahrzehntelange Politikerfahrung. Trotzdem fragen sich viele: Kann das gut gehen?

Künftig soll das aber nicht mehr gelten. So heißt es in dem Papier über das künftige Expertengremium für Arzneimittel besonderer Therapierichtungen ausdrücklich "ohne Beteiligung der Wirtschaftskreise". "Neustrukturiert" werden sollen auch der künftige Sachverständigenausschuss für Verschreibungs- und Apothekenpflicht und die Deutsche Arzneibuch-Kommission. Ihre Mitglieder sollen künftig "allein der medizinischen oder der pharmazeutischen Wissenschaft angehören". Die Wirtschaftskreise werden also auch hier vor die Tür gesetzt. Dies sei im "Hinblick auf die notwendige Unabhängigkeit der Gremien in rein fachspezifischen Fragen erforderlich", heißt es zur Begründung.

Kommentare (24)

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Harry

14.07.2011, 10:04 Uhr

Endlich wird die Einflußnahme der Lobbyisten beschränkt. Wirtschaftsfreundlichkeit sollte durch Bürger- und Verbraucherfreundlichkeit ersetzt werden.

bommel

14.07.2011, 10:31 Uhr

und du glaubst doch auch noch an den weihnachtsmann. ganz einfache lösung der probleme: schmeißt die eliten raus und ersetzt sie durch den bürger, der wirklich was davon hat. killt das lobbytum und schluß mit dem diktat von oben. aber der deutsche bürger fühlt sich halt unmündig und braucht einen wegweiser. leider vertraut er immer den mächtigen, die seine unwissenheit geschickt ausnutzen. sie sollen es halt dann richten, solange er leben darf und sich noch brot und wasser leisten kann und ihnen champagner, porsche und kavier gönnt.

opty

14.07.2011, 10:41 Uhr

Hallo,
es wäre ja sehr schön wenn Harry recht hätte,aber ich glaube auch,was Bommel sagt ,wird die Wahrheit sein.Ich glaube,es gehört zum tacktischen Konzept der FDP,wieder WÄHLER zurückzugewinnen.

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