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15.02.2012

15:01 Uhr

Gesundheitspolitik

Krankenkassen - durchleuchtet und für zu reich befunden

VonAxel Schrinner, Peter Thelen

Exklusive Berechnungen zeigen: Bald dürften die Krankenkassen Reserven von 20 Milliarden Euro horten. Schon werden Rufe nach Beitragssenkungen laut. Doch der neue Reichtum ist äußerst ungleich verteilt.

Immer mehr Geld haben die deutschen Krankenkassen übrig. dpa

Immer mehr Geld haben die deutschen Krankenkassen übrig.

DüsseldorfIn der Politik ist eine Debatte über die Verwendung der Milliardenüberschüsse der Krankenkassen entbrannt. Nach Ansicht von Gesundheitsminister Daniel Bahr etwa sollten die Kassen Beiträge an ihre Versicherten zurückerstatten: „Eine Prämie auszuzahlen wäre eine Möglichkeit, den Wettbewerb zu fördern“, ließ er einen Sprecher sagen.

Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft für das Handelsblatt zeigen, dass der Überschuss der gesetzlichen Krankenversicherung sogar noch weiter steigen wird. In diesem Jahr dürfte er sich auf 5,7 Milliarden Euro und 2013 auf 1,8 Milliarden Euro belaufen. Zusammen mit den bis Ende 2011 aufgelaufenen Rücklagen wären dann mehr als 20 Milliarden Euro im Topf – Geld, das eigentlich den Beitragszahlern gehört: Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Deshalb dringt die Wirtschaft auf eine Beitragssenkung: „Die gute finanzielle Situation der Kassen sollte sich auch in Entlastungen für Betriebe und ihre Beschäftigten widerspiegeln“, forderte der Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Achim Dercks. Eine Beitragssenkung um einen halben Prozentpunkt auf 15 Prozent „wäre durchaus möglich“, sagt IfW-Experte Alfred Boss. Das würde die Versicherten um 5,5 Milliarden Euro entlasten.

Die zehn größten Krankenkassen

Platz 10

Mit 2,42 Millionen Versicherten kommt die AOK Niedersachsen in Deutschland auf Platz zehn. In ihrem Bundesland ist die Krankenkasse die Nummer eins. Bis 2013 will die AOK Niedersachsen nach eigenen Angaben keine Zusatzbeiträge erheben.

Platz 9

Platz neun geht an die AOK Plus. Diese Krankenkasse mit 2,73 Millionen Mitgliedern ist zum 1. Januar 2008 durch den Zusammenschluss von AOK Sachsen und AOK Tühringen.

Platz 8

Mit 2,8 Millionen Versicherten kommt die AOK Nordwest auf Rang acht. Auch sie ist in dieser Form noch sehr jung: Zum 1. Oktober 2010 schlossen sich die AOK-Verbände Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein zur Nordwest zusammen. Der Hauptsitz ist im westfälischen Dortmund

Platz 7

Auf Rang sieben kommt noch ein AOK-Verband, der durch einen norddeutsch-westdeutschen Zusammenschluss entstanden ist: die AOK Rheinland Hamburg mit Hauptsitz in Düsseldorf. Die liegt mit 2,85 Millionen Mitgliedern knapp vor der AOK Nordwest.

Platz 6

Die IKK Classic ist in ganz Deutschland tätig. Sie kommt im ganzen Bundesgebiet auf 3,6 Millionen Mitglieder.

Platz 5

Die AOK Baden-Württemberg kommt auf Rang fünf. Rund 3,8 Millionen der Baden-Württemberger sind bei der AOK versichert - das ist etwa ein Drittel der Bevölkerung.

Platz 4

4,3 Millionen Mitglieder zählt die AOK Bayern. Auch sie kann wie die AOK Baden-Württemberg rund ein Drittel der Bevölkerung auch sich vereinen. Damit ist sie die größte Krankenkasse Bayerns.

Platz 3

Die Bronzemedaille geht an die DAK-Gesundheit. Sie kommt auf 6,6 Millionen Mitglieder - allerdings erst seit dem 1. Januar 2012. Zu diesem Stichtag ist die DAK-Gesundheit aus dem Zusammenschluss der DAK, der BKK-Gesundheit und der BKK Axel Springer entstanden.

Platz 2

Die Techniker Krankenkasse kommt auf acht Millionen Versicherte - Rang zwei.

Platz 1

Die größte Krankenkasse in Deutschland ist die Barmer GEK. 8,6 Millionen Menschen sind dort krankenversichert. Die Barmer GEK ist am 1. Januar 2012 aus der Barmer Ersatzkasse (Wuppertal) und der Gmünder Ersatzkasse GEK (Schwäbisch Gmünd) hervorgegangen. Juristischer Sitz der bundesweit agierenden Kasse ist heute Berlin.

Auch der Industrieverband BDI fordert, die Beiträge zu senken: Kassen, die damit nicht auskämen, müssten eben wieder Zusatzbeiträge einführen. Nur so ließen sich der Wettbewerb zwischen den Kassen und die Effizienz des Gesundheitssystems steigern.

Genau dies fürchten allerdings die Kassen mit vielen kranken und alten Versicherten und entsprechend geringen Rücklagen. Denn wenn sie im Falle eines Konjunktureinbruchs Zusatzbeiträge erheben, würden ihnen die Versicherten in Scharen davonlaufen.

Die Milliardenrücklagen der Kassen wecken auch in Berlin Begehrlichkeiten: Aus Regierungskreisen hieß es, Finanzminister Wolfgang Schäuble fordere zwei Milliarden Euro zurück, die der Bund 2011 an den Gesundheitsfonds überwiesen hatte, um sozial Schwachen die Zusatzbeiträge erlassen zu können. Zudem sei geplant, den Bundeszuschuss für versicherungsfremde Leistungen von 14 auf etwa 13 Milliarden Euro zu senken. Axel Schrinner

Kommentare (8)

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Joo

15.02.2012, 18:01 Uhr

Ein großer Teil des Beitragsaufkommens geht bei den Kassen in den immer weiter steigenden Verwaltungsaufwand - hier liegen noch große Potentiale, um die Kassenbeiträge zu senken. Und es ist Transparenz über die Verwaltungskosten notwendig. Der Bundesrechnungshof sollte sich mal um die Kosten der Bürokratie bei den Kassen kümmern. Hierzu gibt es die Petition 21866 unter epetitionen.bundestag.de, deren Mitzeichnung ich für sinnvoll halte https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=21866

J. Schneider

gerd7

15.02.2012, 18:35 Uhr

JOO - Es sollte Ihnen bekannt sein das die Verwaltungskosten der GK Verwaltungskosten von ca. 5% haben.
Dies wird von der Aufsichtbehörde auch kontrolliert.
Bei den PK liegen die Verwaltungskosten zwishen 8% und 12%.

Account gelöscht!

15.02.2012, 18:59 Uhr

Und von der Überlastung und der schlechten Vergütung der "Leistungserbringer" im gesetzlichen Gesundheitssystem wird natürlich gar nicht gesprochen

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