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27.02.2011

19:19 Uhr

Gesundheitsreform

AOK-Chef warnt vor Kostenlawine

ExklusivDie Krankenkassen befürchten einen Kurswechsel der Union bei den laufenden Koalitionsverhandlungen über die geplante Reform der ärztlichen Versorgung. AOK-Chef Jürgen Graalmann rechnet mit einer Kostenlawine.

In der AOK-Zentrale wächst die Angst vor einem gesundheitspolitischen Kurswechsel der Union. Quelle: dpa

In der AOK-Zentrale wächst die Angst vor einem gesundheitspolitischen Kurswechsel der Union.

Düsseldorf"Wir haben darauf vertraut, dass die Union ihre Ankündigung einhalten wird, die Beitragszahler nicht für zusätzliche Honorarerhöhungen bei Ärzten, Zahnärzten und Krankenhäusern zu belasten," sagte der stellvertretende Vorstandschef des AOK-Bundesverbands Jürgen Graalmann dem Handelsblatt. Die Ärzte hätten bereits in den vergangenen drei Jahren hätten rund zehn Mrd. Euro mehr erhalten.


Inzwischen sehe es aber so aus, als sei die Union auf dem besten Wege, erneut vor der Ärztelobby einzuknicken. Auslöser des Alarmrufs der Ortskrankenkassen sind die überarbeiteten Pläne der Union für das Reformgesetz, mit dessen Hilfe Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eine drohende ärztliche Unterversorgung in ländlichen Regionen verhindern will. In ihrem ersten Konzept sei die Union noch von einer ausreichenden Gesamtzahl von Ärzten in Deutschland ausgegangen und habe auf eine bessere Verteilung der vorhandenen Mediziner gesetzt. "Nun steht die empirisch unhaltbare Lyrik eines Ärztemangels im Vordergrund."


"Es kann nicht sein, dass sie die Zeche dafür zahlen müssen, dass die Politik nicht den Mut hat, auch das Problem der Überversorgung anzugehen," warnte Graalmann. Besonders beunruhigt sind die Kassen über den Plan, die Richtgrößen für die von den Ärzten veranlassten Verschreibungen von Medikamenten und Heilmitteln abzuschaffen. "Wenn das geschieht, werden die Ärzte wieder alles verordnen, was die Pharmaindustrie ihnen einflüstert, auch wenn es nur teuer und nicht besser ist", warnte Graalmann. Er erwartet allein von der Abschaffung der Richtgrößen Mehrausgaben für die Kassen von zwei Milliarden Euro im Jahr.

Kommentare (5)

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vonundzu

27.02.2011, 21:00 Uhr

Wir haben immer noch viel zu viele Kassen, die gehören alle abgeschafft. Wofür brauchen wir so einen Wasserkopf an Bürokratie? Steckt die Kohle lieber in sinnvolle Projekte und fördert ambulante Operationen, in Deutschland sind wir im internationalen Vergleich total rückständig, was ambulantes Operieren angeht. Da lassen sich Milliarden einsparen.

no.7

27.02.2011, 22:43 Uhr

Es ist ein Lug und trug, was da jetzt wieder abläuft: Montgomery hat wohl seine beste Freundin überredet, was ? Die Beiträge werden-zu den anderen Preistteigerungen- nochmals drastisch ansteigen, um noch mehr milliarden ins gesundheitssystem zu leiten. Und diese beitragserhöhung wird von den versicherten alleine getragen !! Jetzt wird auch klar, warum die paritätische Bezahlung unbedingt aufgegeben werden sollte: Um die beiträge hemmungslos zugunsten der Ärzte anheben zu können. Die unternehmer protestieren ja jetzt nicht mehr, wenn die beiträge steigen, und jetzt können sie ungehindert in die kasse greifen und das geld mit vollen händen an die Ärzte verteilen, weil niemand protestiert. Wir haben zuviele Ärzte, viel zuviel teure medizintechnik- siemens freut sich, wenn die geräte gut laufen- das gesundheitssystem wird hier zugunsten der schwarzgelb-klientel hemmungslos ausgebeutet. auch hier pa0t das wort "Betrug" sehr gut, finde ich !

Sickman

28.02.2011, 03:24 Uhr

Die Politik hat sich bei ihren Einmischungen in das sogenannte ´Gesundheitssystem´ noch nie an den finanziellen Möglichkeiten der Versicherten (den Trägern des Systems) orientiert o. sich dafür interessiert, sondern immer lediglich versucht, irgendwie ihre Klientel aus der Pharmaindustrie i.w.S. u. der Ärzteschaft zufrieden zu stellen.

Das ´System´ ist zu einem Selbstbedienungsladen der Leistungserbringer verkommen und gehört nicht "dauerreformiert", sondern auf grundlegend andere Füße gestellt.

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