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11.10.2012

13:31 Uhr

Gesundheitssystem

Erste Krankenkasse erstattet Praxisgebühr

Im deutschen Gesundheitssystem liegen Milliardenüberschüsse – und diese werden immer größer. Einige Krankenkassen zahlen ihren Mitgliedern Beitrage zurück. Die erste will nun auch die umstrittene Praxisgebühr erstatten.

Die Krankenkassen horten Milliardenüberschüsse. dpa

Die Krankenkassen horten Milliardenüberschüsse.

Berlin/HannoverDie KKH-Allianz, mit 1,8 Millionen Versicherten eine der größten Krankenkassen Deutschlands, will als erste bundesweite Kassen ihren Versicherten die Praxisgebühr erstatten. Ab 2013 erhalten die Versicherten unter bestimmten Voraussetzungen einen Bonus von jährlich 40 Euro als Ausgleich, wie die Krankenkasse am Donnerstag in Hannover mitteilte. Bedingung ist, dass Versicherte jeweils vier Maßnahmen für gesundheitsbewusstes Verhalten nachweisen. Dazu gehört laut Kasse die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen oder die Mitgliedschaft im Sportverein.

Die Quittung über die Zahlung der Gebühr beim Arzt, Zahnarzt oder Psychotherapeuten muss dann bei der Krankenkasse eingereicht werden. Das neue Angebot gilt laut Beschluss des Verwaltungsrates für alle Mitglieder und für mitversicherte Familienangehörige ab 18 Jahren.

Die KKH-Allianz begründete die Bonuszahlung damit, dass die Praxisgebühr ihr Ziel verfehlt habe. „Die Praxisgebühr belastet einseitig kranke Versicherte und hat keinerlei Steuerungswirkung. Das ist nicht gerecht“, erklärte Vorstandschef Ingo Kailuweit. „Wir wollen unsere Versicherten nicht warten lassen, bis auch der Gesetzgeber zu dieser Einsicht kommt und die Gebühr endlich abschafft.“

Die Praxisgebühr von zehn Euro, die seit dem Jahr 2004 jeder Patient beim ersten Arztbesuch im Quartal bezahlen muss, ist innerhalb der Koalition umstritten. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hält sie für überflüssig. Auch die Opposition fordert die Abschaffung der Abgabe. Die Union und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will hingegen an der Gebühr festhalten.

Die Praxisgebühr spült jährlich etwa zwei Milliarden Euro ins System der gesetzlichen Krankenversicherung. Nach Meinung von Kritikern wurde das Ziel der Gebühr, die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren, verfehlt.

Kommentare (4)

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LB_Brandt@web.de

11.10.2012, 14:54 Uhr

Die auch von der Politik geforderte Ausschüttung der Rücklagen von Gesundheitsfond und Krankenkassen dient ausschließlich der politischen Profilierung. Dieses Geld verschwindet sofort im Konsum und die Politik spricht von einem Wachstumschub von 15 Milliarden und mehr, was sie natürlich als ihren wirtschaftlichen Erfolg verbucht.
Ein guter Hausvater soll nach allgemeine Auffassung 3 Monatseinkommen Rücklage haben, was sicherlich richtig ist.
Für mein Verständnis müssen unsere Sozialsysteme ein Jahresbeitrag pro Mitglied als Rücklage haben. Bei 70 Mio.Krankenversicherten -Monatsbeitrag ca 250 € - wären das in etwa 175 Mrd für die Krankenkassen. Mit solch einer Rücklage lassen sich künftige Wirtschaftskrisen gut verkraften, ohne daß wieder an der Beitragsschraube gedreht werden muß.
Allerdings habe ich noch keinen Politiker mit Weitsicht und Verstand in diesem Lande gesehen.

Enibas

11.10.2012, 14:59 Uhr

Nicht die erste! Die HEK war doch bereits Vorreiter...! Vor Monaten schon bei nachhaltigleben.de gelesen:

http://www.nachhaltigleben.de/nachhaltige-nachrichten/hek-erste-krankenkasse-schafft-praxisgebuehr-ab-59

durchblicker

11.10.2012, 22:46 Uhr

Es wird Zeit, dass die Provinzfürsten bei der GKV abgeschafft werden. Wenn alle den gleichen Beitrag zahlen, müssen alle die gleiche Leistung erhalten. Also eine Einheitskrankenkasse für ALLE. Milliarden können jährlich gespart werden.

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