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23.06.2017

20:19 Uhr

Gesundheitssysteme weltweit

Auch anderswo ein Spielfeld für Ideologen

Der US-Senat hat ein Gesetz entworfen, das Obamacare abschaffen und das Versicherungssystem durchlöchern würde. Doch wie steht es um die Gesundheitssysteme in anderen Ländern? Unsere Korrespondenten berichten.

Der Gesundheitsdienst entwickelte sich aber zum Auffangbecken für Probleme, die anderswo durch Einschnitte entstanden sind – vor allem bei der Heimpflege. Reuters

Demo für mehr Geld im britischen Gesundheitssystem NHS

Der Gesundheitsdienst entwickelte sich aber zum Auffangbecken für Probleme, die anderswo durch Einschnitte entstanden sind – vor allem bei der Heimpflege.

DüsseldorfObamacare ist konservativen US-Amerikanern schon lange ein Dorn im Auge. Ein Gesetzesentwurf führender Republikaner sieht jetzt vor, das wichtigste Projekt von Ex-Präsident Barack Obama zurückzunehmen. Doch wie schwierig es ist, ein staatliches Gesundheitswesen zu reformieren, muss auch Nachfolger Donald Trump feststellen: Zu viele politische Ideologien sind im Spiel, zu viele Milliarden gilt es zu erwirtschaften und zu verteilen, zu kompliziert sind die Einzelheiten – weshalb sich Regierungen auf der ganzen Welt schwer tun, ein für Bürger wie auch für die Staatsfinanzen zufriedenstellendes System zu erreichen.

Wie viel Versorgung garantiert der Staat, wie viel müssen die Bürger selbst absichern, wo liegen die Probleme und warum sind Reformen so schwierig? Unsere Korrespondenten berichten über die Lage in ihren Ländern.

US-Gesundheitspolitik: Der zweite Angriff auf Obamacare

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Hinter verschlossenen Türen hat der Senat ein Gesetz entworfen, das vielen Amerikanern eine angemessene medizinische Versorgung entziehen würde. Das Versicherungssystem der USA hat ohnehin grundsätzliche Probleme.

Großbritannien: Nationales Heiligtum auf der Intensivstation

Der britische staatliche Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) gilt als nationales Heiligtum. Das System ist für alle Patienten gratis – die Menschen sind daher stolz darauf. Zu besonderen Anlässen verfassen sie Gedichte und preisen das System, sogar bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2012 wurde es auf der Bühne gewürdigt.

Und dennoch schimpfen die Briten auch regelmäßig über den NHS, weil der Dienst regelmäßig mit langen Wartezeiten, Personalknappheit und Überlastung kämpft – und das trotz eines Budgets von 120 Milliarden Pfund im laufenden Jahr.

Seit Anfang des Jahres sprechen Experten von einem neuen Höhepunkt: Das britische Gesundheitswesen befinde sich in einer „humanitären Krise“, diagnostizierte das britische Rote Kreuz. Die Regierung wehrt sich gegen diese Kritik, das sei überzogen und verantwortungslos, so etwas zu behaupten.

Es ändert aber nichts an den Problemen, über die Patienten in zunehmenden Maße klagen und die auch Zahlen belegen: Viele Notfallaufnahmen schaffen es nicht, sich innerhalb der eigentlich angepeilten vier Stunden um ihre Patienten zu kümmern. Die Zahl der Menschen, die in Krankenhäusern versorgt werden müssen, weil sie keinen Platz in einem Heim bekommen, ist deutlich gestiegen.

Zwar ist der NHS von der Sparpolitik der Regierung in den vergangenen Jahren verschont geblieben. Der Gesundheitsdienst entwickelte sich aber zum Auffangbecken für Probleme, die anderswo durch Einschnitte entstanden sind – vor allem bei der Heimpflege.

Die Probleme des NHS nehmen auch durch die steigende Lebenserwartung zu. Stevens, Chef des NHS in England, fasste dies in Zahlen so zusammen: Es sei doch logisch, dass sich bei jährlich 300 Millionen Arztterminen und 23 Millionen Notfall-Aufnahmen der Druck in den Krankenhäusern erhöhe, wenn Arzttermine schwerer zu bekommen seien.

Ein weiteres Problem könnte durch den EU-Austritt und die geplanten Einwanderungskontrollen auf den NHS zukommen. Denn etliche Krankenhäuser sind auf ausländische Pflegekräfte angewiesen.

Katharina Slodczyk, London

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