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13.04.2006

13:07 Uhr

Gesundheitswesen

Privatkassen fürchten das Aus

VonRita Lansch

Die private Krankenversicherung könnte das erste Opfer der Gesundheitsreform werden. Denn noch nie hingen sie so sehr am Tropf der Politik wie heute. Um die Koexistenz von GKV und PKV zu retten, hat die private Lobby der Gesundheitsministerin sogar ein eigenes Einheitsmodell vorgeschlagen.

Privat oder gesetzlich? Die Privatkassen fürchten, bei der Gesundheitsreform den Kürzeren zu ziehen. Foto: dpa Quelle: dpa

Privat oder gesetzlich? Die Privatkassen fürchten, bei der Gesundheitsreform den Kürzeren zu ziehen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Versicherungsvertreter Peter Müller aus Düsseldorf ist sauer auf die Politik: „Die öffentlichen Debatten um die nächste Gesundheitsreform machen mir die Kunden abspenstig“, klagt er. Wie Müller zittert derzeit eine ganze Branche. Tatsächlich fürchtet die private Krankenversicherung (PKV) um ihre Existenz. Alles hänge davon ab, wie am Ende der dritte Weg aussehen wird, den die Koalition zwischen der von der SPD favorisierten Bürgerversicherung und dem Gesundheitsprämienmodell der Union finden wird, heißt es in der Branche. „So oder so könnte das Geschäftsmodell der rund 50 privaten Unternehmen gefährdet sein“, befürchtet ein Manager einer großen privaten Krankenversicherung, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Die PKV ist nach der Lebensversicherung die zweitwichtigste Sparte der Assekuranz. Etwa zehn Prozent der Bürger nutzen sie als staatlich anerkannte Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das sind überwiegend Beamte – darunter viele Politiker – aber auch Selbstständige und gut verdienende Angestellte. Letztere müssen mehr als 3 937,50 Euro im Monat verdienen (Versicherungspflichtgrenze), bevor sie aus der gesetzlichen Kasse raus dürfen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass der Staat die Bedingungen vorgibt, unter denen die Privatversicherung arbeiten darf.

Die PKV hat daher reichlich Erfahrung mit politischen Eingriffen. Doch noch nie hing sie so sehr am Tropf der Politik wie heute. Von Reform zu Reform ist ihr Spielraum enger geworden. Beispielsweise muss die PKV seit 2003 zusehen, wie neue Kunden fernbleiben, weil die Regierung damals die Pflichtgrenze von 3 375 auf 3 825 Euro angehoben hat. Zwar ist die PKV seither weiter gewachsen. Doch 2004, ein Jahr nach der Reform, wechselten rund 40 000 Besserverdiener weniger von der GKV in die PKV als vorher.

Vergleich: GKV und PKV

„Die Kunden werden durch die gesundheitspolitische Debatte zunehmend verunsichert“, klagt Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der größten privaten Krankenversicherung Debeka. Der heutige Zulauf kommt im Wesentlichen nur noch von Kassenmitgliedern, die ihren Schutz mit einer privaten Police aufbessern, also eine Zusatzversicherung abschließen. Mittlerweile machen 18 Millionen Versicherte auf diese Weise ihre ganz private Reform, um den Leistungskürzungen der GKV zu begegnen. Aus Sicht der Privatanbieter ist das jedoch bloß ein Tropfen auf dem heißen Stein: Die Zusatzpolicen bringen nur gut drei von insgesamt 27,3 Mrd. Euro an PKV-Beiträgen.

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