Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2006

10:03 Uhr

Gewalt an Schulen

„In der Schule ist es bereits zu spät“

Was ist das beste Rezept gegen die von Migrantenkindern ausgehende Gewalt an Schulen? Der Brandbrief von Berliner Lehrern hat eine hitzige Diskussion unter Politikern ausgelöst. Die einen wollen die Jugendlichen abschieben, die anderen sie besser integrieren. Für den Kriminologen Christian Pfeiffer greifen alle bisherigen Vorschläge zu kurz.

Die Berliner Rütli-Hauptschule stand am Freitag unter Polizeischutz. Foto: dpa

Die Berliner Rütli-Hauptschule stand am Freitag unter Polizeischutz. Foto: dpa

HB BERLIN. Er wolle umgehend mindestens 50 Lehrer-Stellen für Schulen mit sozialen Brennpunkten ausschreiben, sagte der Berliner Bildungssenator Klaus Böger (SPD) der „Berliner Morgenpost“ (Sonntagsausgabe). Wie viel das koste, stehe noch nicht fest. Prävention sei aber besser als Schadensbegrenzung.

Mit dieser Haltung liegt er auf einer Linie mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer. Die Integration ausländischer Kinder in die deutsche Gesellschaft ist aus dessen Sicht des völlig unzureichend. „In keinem anderen europäischen Land gelingt die Integration von Migranten so schlecht wie in Deutschland“, sagt der frühere niedersächsische Justizminister. „Wir müssen schon auf der Kindergartenebene damit anfangen – in der Schule ist es bereits zu spät.“

Der Hilferuf der Lehrer der Rütli-Schule aus dem Berliner Problemstadtteil Neukölln, die wegen der gewaltsamen Konflikte und Drohungen gegen Lehrer die Auflösung ihrer Schule ins Gespräch brachten, hatte eine bundesweite Debatte über die Zukunft der Hauptschulen und Integrationsprobleme von Migrantenkindern ausgelöst. Dabei stellten Anhänger des linken politischen Spektrums die Hauptschule in Frage, während im konservativen Lager die Forderung nach Druck auf die Gewalttäter im Vordergrund steht.

Wissenschaftler Pfeiffer fordert, mindestens 20 Prozent aller Kindergartenplätze Kindern von Migranten zur Verfügung zu stellen, um deren Isolation zu verhindern. Dass die Gewalt in den meisten Bundesländern an den Hauptschulen eskaliere, sei zudem ein strukturelles Problem, meint Pfeiffer. „Diese Hauptschule genannte Restschule wird immer mehr zu einer Verliererschule.“

Pfeiffer spricht sich für eine Regelschule nach dem Vorbild Thüringens aus, in der die Schüler der Klassen 5 bis 8 von Haupt- und Realschule gemeinsam unterrichtet werden. Der gemeinsame Unterricht verhindere, dass Schüler mit einer Verweigerungshaltung ganze Klassenverbände dominierten. Pfeiffer: „Das wird die Probleme nicht komplett lösen, aber es ist ein struktureller Beitrag dazu.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×