Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.05.2017

11:54 Uhr

Gewalt, Flucht, Hunger

Gabriel sagt Somalia Millionenhilfe zu

Außenminister Sigmar Gabriel ist am Montag in Mogadischu eingetroffen. Er hat dem Land Hilfe in Millionenhöhe zugesagt – zur Bekämpfung der Hungersnot. Zudem leidet das Land unter einer islamistischen Terrororganisation.

Der deutsche Außenminister trifft sich bei seinem Besuch in Mogadischu (Somalia) auch mit Premierminister Hassan Ali Khaire. dpa

Sigmar Gabriel besucht Somalia

Der deutsche Außenminister trifft sich bei seinem Besuch in Mogadischu (Somalia) auch mit Premierminister Hassan Ali Khaire.

MogadischuAußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Somalia bei einem Besuch in dem krisengeschüttelten afrikanischen Land Hilfen in Millionenhöhe zugesagt. Der Minister landete unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen am Montag in der Hauptstadt Mogadischu, um am militärisch gesicherte Flughafen politische Gespräche zu führen. „Die Dürre hier im Land droht wieder zu einer humanitären Katastrophe zu werden“, warnte der Minister. Deutschland habe deshalb bereits Hilfen von rund 70 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. „Wir sind bereit, das mindestens zu verdoppeln.“

Die internationale Gemeinschaft müsse noch einmal den Kampf gegen die Hungerkatastrophe aufnehmen, die bereits in vollem Gange sei. Bei der letzten Hungersnot 2011 kamen nach UN-Angaben mehr als 250.000 Menschen ums Leben.

Die Reise war zuvor aus Sicherheitsgründen geheim gehalten worden. Es ist der erste Besuch eines deutschen Bundesministers in dem Land seit 2012 – Dirk Niebel (FDP) war damals als Entwicklungsminister dort. Davor besuchte knapp 20 Jahre kein Bundesminister das geschundene Land. Somalia steckt seit 1991 in einem Kreislauf aus Gewalt, Terror und Flucht. Die islamistische Terrororganisation Al-Shabaab kämpft um die Vorherrschaft und will einen Gottesstaat errichten.

Ein Plan für den Kontinent: Wie Afrika Hunger, Korruption und Krieg überwinden kann

Ein Plan für den Kontinent

Premium Wie Afrika Hunger, Korruption und Krieg überwinden kann

Vieles wurde ausprobiert, doch in Afrika will sich kein Wachstum einstellen, das Hunger und Armut wirksam bekämpfen würde. Wegschauen ist keine Lösung, denn die Probleme des Kontinents können sehr schnell unsere werden.

Die Extremisten kontrollieren Teile Somalias, wo derzeit auch infolge einer anhaltenden Dürre mehr als sechs Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Auch in der Hauptstadt Mogadischu kommt es regelmäßig zu Anschlägen, die oft bei Beamten und Geschäftsleuten beliebte Lokale zum Ziel haben.

Dabei versucht das Land gerade, eine parlamentarische Demokratie zu etablieren und Strukturen wieder aufzubauen. Auf dem im Februar gewählten Präsidenten Mohamed Abdullahi Farmajo lasten hohe Erwartungen, Somalia in den Frieden zu führen.

Gabriel sagte, Somalia müsse die Abhängigkeit von internationaler Hilfe Schritt für Schritt überwinden. „Wir freuen uns sehr darüber, dass wir nach langer Zeit eine Regierung und einen Präsidenten hier in Somalia haben, der die große Chance hat, das Land wirklich in eine andere Situation zu bringen.“ Er appellierte an die Staatengemeinschaft, das Land nicht länger als gescheiterten Staat („failed state“) wahrzunehmen, „sondern als ein Staat, der sich mühsam zurückkämpft in eine verlässliche staatliche Struktur, in der er auch selber Sicherheit gewährleisten kann“. Der Besuch diene auch der Vorbereitung der Geberkonferenz für Somalia am 11. Mai in London.

Der Premierminister Hassan Ali Khaire warb für langfristige Hilfe für sein Land. „Unterstützen Sie Somalia, um ein besseres Land zu werden, dass es sich selbst behaupten kann.“ Gabriel wollte am Montag noch Binnenflüchtlinge und ehemalige Kämpfer der Al-Shabaab-Miliz besuchen. Am Dienstag stehen politische Gespräche bei der Afrikanischen Union im Nachbarland Äthiopien auf dem Programm.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Gerald Gantz

01.05.2017, 16:48 Uhr

Was soll man dazu sagen? Die BRD-Politiker kämpfen an vorderster Front gegen den Hunger, die Ungerechtigkeiten dieser Welt, die Mühsal der Benachteiligten und gegen Abschaffung von Armut und überhaupt. Sie erreichen damit leere Kassen zu Hause, bald Übervölkerung im eigenen Land, glänzende Augen der Armen und Beladenen und sonst -nichts-. Wer behauptet, dass sie noch alle auf der Reihe haben, raucht ein Kraut, das eine verheerende Wirkung hat. Die meisten kommen merkwürdigerweise, bei gleicher Wirkung, ohne aus.

Frau Annette Bollmohr

01.05.2017, 20:08 Uhr

Ich habe den Eindruck, dass Gabriel in seinem derzeitigen Job weitaus besser aufgehoben ist als im vorherigen.

Zumindest setzt er bei der Auswahl seiner Reiseziele meist die richtigen Schwerpunkte, bzw. rückt er dabei die richtigen Gebiete und unterstützungswürdige Politiker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

@Herr Gerald Gantz, 01.05.2017, 16:48 Uhr

"Was soll man dazu sagen? Die BRD-Politiker kämpfen an vorderster Front gegen den Hunger, die Ungerechtigkeiten dieser Welt, die Mühsal der Benachteiligten und gegen Abschaffung von Armut und überhaupt."

Selbst wenn man über die geeigneten Mittel, es zu erreichen streiten kann:
An diesem Ziel ist doch wohl nichts falsch?

"Sie erreichen damit leere Kassen zu Hause, bald Übervölkerung im eigenen Land, glänzende Augen der Armen und Beladenen und sonst -nichts-."

Mit der "baldigen Überbevölkerung" verhält es sich genau umgekehrt:

Die Bevölkerungsexplosion bzw. die Anzahl der Kinder pro Frau ist paradoxerweise um so größer, je schlechter es um deren Zukunftsaussichten (und damit die der gesamten Bevölkerung) bestellt ist.

Ist also in unserem höchsteigenen Interesse, für "glänzende Augen" zu sorgen. Selbst dann, wenn wir uns darüber traurigerweise nicht selbst auch freuen können.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×