Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.09.2016

16:35 Uhr

Gewalttätige Ausschreitungen in Sachsen

Bautzens Bürgermeister will mit den Rechten reden

„Zu einem sachlichen Gespräch bin ich immer bereit“: Bautzens Bürgermeister Ahrens ist offen für Debatten mit den Rechten. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen gibt es scharfe Kritik an der sächsischen Polizei.

Auch am Donnerstagabend versammelten sich wieder hunderte Einheimische aus der rechten Szene auf dem Kornmarkt in Bautzen. dpa

Massive Polizeipräsenz in Bautzen

Auch am Donnerstagabend versammelten sich wieder hunderte Einheimische aus der rechten Szene auf dem Kornmarkt in Bautzen.

DüsseldorfNach den gewalttätigen Ausschreitungen zwischen jungen Flüchtlingen und Rechtsextremen in Bautzen will Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos) auch mit Rechten reden. „Zu einem sachlichen Gespräch bin ich immer bereit. Dabei betrachte ich die verwendeten Formulierungen nicht als Bedingung“, sagte das Stadtoberhaupt am Freitag. Zuvor hatten rechte Gruppierungen ihre für Freitag angekündigte Demonstration in Bautzen abgesagt.

Die Gruppierungen mit Namen wie „Nationale Front Bautzen“ und „rechtes-kollektiv.BZ“ verbreiteten nach den Ausschreitungen eine Erklärung. „Ab sofort werden wir Bautzens Politikern die Möglichkeit geben, Taten folgen zu lassen“, hieß es in einer bei Facebook verbreiteten Erklärung. „Wir erwarten eine deutlich spürbare Verbesserung der Situation in unserer Stadt. Wir werden uns die Veränderungen anschauen und wöchentlich gemeinsam entscheiden, ob wir neu mobilisieren, oder ob die Veränderungen spürbar sind“, hieß es darin.

Alexander Ahrens will nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Rechten sprechen. dpa

Bautzens Oberbürgermeister

Alexander Ahrens will nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Rechten sprechen.

Der Oberbürgermeister erwiderte: „Gerne können wir über Versäumnissen und Missstände sprechen, wobei ich diesen Themenkreis nicht auf die Verwaltung beschränkt sehen möchte. Es geht ausdrücklich auch um Missstände auf Seiten der Unterzeichner des Redeangebotes.“

Am Mittwochabend war die Gewalt in Bautzen eskaliert, als sich auf dem Kornmarkt etwa 80 Rechte und 20 junge Asylbewerber gegenseitig mit Flaschen und Steinen attackierten. Rechtsextreme vertrieben die Flüchtlinge und verfolgten sie bis zu ihrer Unterkunft, wo sie von der Polizei in Sicherheit gebracht wurden. Nach Darstellung der Polizei ging die Gewalt zunächst von Flüchtlingen aus.

Die knapp 30 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hatten sich nach Polizeiangaben seit Monaten auf dem zentralen Kornmarkt – dem Ort der Auseinandersetzungen - versammelt und dort teils alkoholisiert für Unmut bei Anwohnern gesorgt. Für sie gilt nun seit Donnerstag ein Alkoholverbot und eine abendliche Ausgangssperre.

Asylbewerber gegen Einheimische: „Beängstigende Stimmung in Bautzen“ – Polizei erhöht Präsenz

Asylbewerber gegen Einheimische

„Beängstigende Stimmung in Bautzen“ – Polizei erhöht Präsenz

Die Krawalle soll sich nicht wiederholen: Die Polizei kündigt mehr Kräfte für den Bautzener Kornmarkt an. Asylbewerber und Einheimische hatten sich dort Auseinandersetzungen geliefert. Auch am Abend gab es Straftaten.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek erhob nach den Krawallen schwere Vorwürfe gegen die Polizei. „Die offensichtliche Sympathie von Teilen der sächsischen Polizei mit der rechten Szene sollte Anlass für den Verfassungsschutz sein, tätig zu werden“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Dieter Janecek, dem Handelsblatt. In Deutschland dürfe es keine rechtsfreien Räume geben. Das gelte genauso für Grenzüberschreitungen von Flüchtlingen.

„Die Ereignisse von Bautzen sind eine Schande für Deutschland“, sagte Janecek weiter. „Die Zustände erinnern an düsterste Weimarer Zeiten.“ Der Grünen-Politiker fragte in diesem Zusammenhang, wie es sein könne, dass die rechte Szene „die große Mehrheit der anständigen Bürger“ terrorisiere und es keine harten Konsequenzen gebe. „Wo leben wir eigentlich, wenn Gewaltbereite und rechte Horden Flüchtlinge durch die Stadt treiben dürfen und die sächsische Polizei nicht entschlossen eingreift?“, erklärte Janecek.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×