Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2011

08:55 Uhr

Gewerkschaft fordert

Bundespolizei soll Piraten-Attacken abwehren

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Deutsche Polizeigewerkschaft hat die Bundesregierung angesichts der aktuellen Piratenangriffe zum Handeln aufgefordert. Auch die deutschen Reeder sehen dringenden Handlungsbedarf und mahnen die Politik zur Eile.

Im Indischen Ozean war am Wochenende ein Versuch zur Befreiung des gekaperten deutschen Frachters "Beluga Nomination" blutig gescheitert. DAPD

Im Indischen Ozean war am Wochenende ein Versuch zur Befreiung des gekaperten deutschen Frachters "Beluga Nomination" blutig gescheitert.

DÜSSELDORF. "Es zeugt von großer Blauäugigkeit, zu glauben, Deutschland könnte sich auf Dauer der Verpflichtung entziehen, seine Bürger und seine Interessen auch mit wirksamen eigenen Beiträgen zu schützen", sagte Verbandschef Rainer Wendt Handelsblatt Online. "Zur Wahrnehmung dieser polizeilichen Aufgabe gehören zwangsläufig Polizeieinheiten, die ihr Handwerk verstehen und die hat die Bundespolizei." Außerdem gebe es dort hervorragende Erfahrungen in der Bewältigung komplexer polizeilicher Einsatzlagen mit Hilfe professioneller Stabsarbeit. "Die Bundesregierung wäre daher gut beraten, ein schlagkräftiges Einsatzkonzept auf den Weg zu bringen, statt die unselige Debatte über die Fusion von Polizeibehörden weiter zu führen", sagte Wendt.

Der Gewerkschaftschef mahnte die Politik zur Eile. Denn: "Piraterie ist kein vorübergehendes Phänomen und erfordert deshalb ein ständiges Lagebild und die Fähigkeit, auch mit Einsatzkräften vor Ort rasch eingreifen zu können", sagte Wendt und fügte hinzu: "Auf keinen Fall darf man sich der Illusion hingeben, dies mit Lösegeldzahlungen bewältigen zu können."

Im Indischen Ozean war am Wochenende ein Versuch zur Befreiung des gekaperten deutschen Frachters "Beluga Nomination" blutig gescheitert. Ein Mitglied der ausländischen Besatzung und einer der somalischen Piraten wurden erschossen. Vier anderen Seeleuten gelang nach Angaben der Bremer Beluga-Reederei während des Angriffs begleitender Militärschiffe die Flucht; zwei von ihnen werden aber vermisst.

Der Verband Deutscher Reeder forderte daraufhin von der Bundesregierung den Schutz seiner Schiffe. "Die Bundesregierung steht nach unserem Grundgesetz und nach dem internationalen Seerechtsübereinkommen in der Verantwortung und hat die Pflicht, Seeleute auf Schiffen deutscher Reeder und die deutsche Handelsschifffahrt wirksam zu schützen", teilte der Verbandspräsident Michael Behrendt am Sonntag in Hamburg mit.

In vielen Staaten wie Frankreich und Japan gebe es bereits Gesetze und Vereinbarungen, die einen besseren Schutz vor Piratenangriffen möglich machten. "Selbst Japan, das wegen seiner Geschichte ebenso wie Deutschland strikt zwischen polizeilichen und militärischen Aufgaben trennt, hat zum Schutz gegen Piraterie den gemeinsame Einsatz von Marine und Küstenwache auf Militärschiffen ermöglicht, und zwar unabhängig von der Flagge, die ein japanisches Handelsschiff führt", heißt es in der Mitteilung.

Gegenwärtig hätten die Piraten mehr als 700 Seeleute in ihrer Gewalt. Erpresserischer Menschenraub finde massenhaft statt, die gefangenen Seeleute würden gequält und offensichtlich gezielt getötet. "Die Eskalation geht von den Piraten aus, nicht von den sich schützenden Schiffen." Es sei überfällig, dass die internationale Staatengemeinschaft und besonders Deutschland als drittgrößte Schifffahrtsnation der Welt weitere Maßnahmen ergreife, um die Menschen zu schützen, die für die friedliche Handelsschifffahrt an Bord arbeiteten, teilte der VDR mit.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Thomas Melber, Stuttgart

31.01.2011, 10:29 Uhr

Schiffe, die unter deutscher Flagge fahren, haben natürlich Anspruch auf präventiven Schutz. Ob hierfür die bPol geeignete Kräfte hat bezweifle ich allerdings.

Sybrand

31.01.2011, 12:06 Uhr

Die Gewinne und Kosten der Reeder - dazu gehören auch die, für einen Schutz ihrer Schiffe - sind der betrieblichen Sphäre zuzurechnen. Der Laie würde sagen: "Privatsache".

Bürger12

31.01.2011, 13:11 Uhr

Die meisten Schiffe der deutschen Reeder fahren unter solch tollen Flaggen wie Antigua und barbuda, ganz einfach weil man Steuern sparen will. Dann sollen die Herren bitte auch diese Regierung um Hilfe bitten und nicht so dreist sein auch noch die Deutsche Regierung in die Pflicht zu nehmen, das ist im höchsten Maße Kriminell !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×