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20.01.2005

13:34 Uhr

Gewerkschaft spricht von "blanker Erpressung"

IG Bau droht Arbeitgebern

Die IG Bau hat den Arbeitgebern bei massivem Druck auf Beschäftigte mit Strafanzeigen gedroht. „Es kann nicht sein, dass die Probleme unserer Branche mit Nötigung, Wucher und Veruntreuung von Sozialbeiträgen gelöst werden“, sagte der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel am Donnerstag in Frankfurt.

HB FRANKFURT/MAIN. Viele Bau-Arbeitgeber zwängen ihre Beschäftigten mit der Ankündigung von Entlassungen zu unbezahlter Mehrarbeit. „Wir kommen zu einer Verrohung der Sitten, die nicht hinnehmbar ist.“

Die IG Bau will ihre Mitglieder ermuntern, Fälle von „blanker Erpressung“ bei der Gewerkschaft zu melden. Jeder Einzelfall werde dann auf die Möglichkeit einer Strafanzeige hin geprüft. „Wir wollen der Staatsanwaltschaft nicht auf die Nerven fallen, aber auch nicht riskieren, dass die Fälle gleich zurückgewiesen werden.“ Das Strafrecht müsse bei der Durchsetzung des Arbeitsrechts eine größere Rolle spielen. Wenn Bauarbeiter gegen ihren Arbeitgeber vor das Arbeitsgericht ziehen würden, seien sie ihren Job sofort los.

Wiesehügel appellierte an die Arbeitgeber, die festgefahrenen Tarifverhandlungen zur Beschäftigungssicherung am Bau fortzusetzen. „Ich hoffe, dass wir wieder zusammenkommen und Lösungen miteinander finden“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. Die Arbeitgeber nutzten aber das Angebot der IG Bau, die Lohn- und Gehaltstarifverträge nicht zu kündigen, „schamlos aus“. Ihnen gehe es nur um Öffnungsklauseln für drei Stunden unbezahlte Mehrarbeit. Sollten die Gespräche zu keinem Ergebnis führen, stehe der Flächentarif für die Baubranche auf dem Spiel, warnte Wiesehügel.

Die IG Bau hat wegen der Krise in der Bauwirtschaft auch 2004 kräftig Mitglieder verloren. Zum Jahresende waren noch rund 424 800 Beschäftigte bei der Gewerkschaft organisiert, etwa 35 000 oder 7,6 % weniger als im Vorjahr. Mit 22 567 neuen Mitgliedern sei aber erneut die zweithöchste Zahl an Neuaufnahmen aller DGB-Gewerkschaften im Verhältnis zum Bestand erreicht worden.

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