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18.01.2007

18:22 Uhr

Gewerkschaftsbeschluss

IG Bau fordert in Tarifrunde 5,5 Prozent

Nach zuletzt mageren Lohnabschlüssen fordert die Industriegewerkschaft Bau in der anstehenden Tarifrunde für die bundesweit rund 680 000 Beschäftigten des Bauhauptgewerbes 5,5 Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber wiesen die Forderung als überzogen zurück.

HB FRANKFURT. Die Bundestarifkommission der Gewerkschaft beschloss die Forderung am Donnerstag in Frankfurt am Main. Zur Begründung verwies Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel auf die gute konjunkturelle Lage. Wiesehügel sagte, am Bau gehe es endlich wieder aufwärts. Die über zehn Jahre andauernde Krise sei beendet, es würden Facharbeiter gesucht und steigende Investitionen vorausgesagt.

„Hiervon müssen auch die Beschäftigten profitieren“, verlangte Wiesehügel. Die Bau-Arbeitnehmer hätten seit Beginn der Krise in der Branche Mitte der 90er Jahre auf vieles verzichten müssen. „Wenn es den Unternehmen jetzt wieder besser geht, müssen sie jetzt auch ihren Anteil daran haben“, sagte der Vorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt. Die Verhandlungen sollen am 14. Februar in Berlin beginnen.

In der letzten Tarifrunde hatte die Gewerkschaft angesichts der prekären Branchenlage ganz auf eine Lohnforderung verzichtet. Der Abschluss nach einjährigen Verhandlungen hatte eine nur einprozentige Lohnerhöhung im Tausch gegen eine Arbeitszeiterhöhung auf 40 Wochenstunden ergeben. In den vergangenen zehn Jahren sind rund die Hälfte der Arbeitsplätze am Bau gestrichen worden, zu Beginn der Krise waren es noch 1,4 Millionen. Die Branche ist zudem gezeichnet von Dumpinglöhnen und Schwarzarbeit.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erklärte, der Aufschwung am Bau habe die Ertragslage der Unternehmen noch nicht verbessert. Erst dann aber bestünde wieder Verteilungsspielraum. Die Unternehmen müssten noch Alt-Aufträge zu schlechten Preisen abarbeiten, zudem bräuchten sie eine Phase der Erholung nach der Krisenzeit. „Die Forderung wird der Wirklichkeit leider nicht gerecht“, erklärte Verbandsvizepräsident Thomas Bauer in Berlin. Dies würden die Arbeitgeber in den anstehenden Tarifverhandlungen deutlich machen.

Zuvor verbreitete Forderungen der Arbeitgeber nach einer Kürzung der Urlaubstage oder unbezahlter Mehrarbeit hatte der Gewerkschaftschef bereits zurückgewiesen, da sie den derzeit nicht zur Verhandlung stehenden Rahmentarifvertrag beträfen: „In der anstehenden Tarifrunde geht es ausschließlich um Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen“, sagte er. Zum Vorschlag der Arbeitgeberseite, anstelle von Lohnerhöhungen die betriebliche Altersvorsorge auszubauen, sagte Wiesehügel, Vorsorge setze immer voraus, dass man etwas zum Sparen übrig habe: „Dazu brauchen die Arbeitnehmer erst einmal wieder mehr in der Tasche. Dann kann man auch über Altersvorsorge reden.“

Damit hat die Baubranche als erste der großen Industrien in der Tarifrunde 2007 eine bezifferte Forderung vorgelegt. Die Chemieindustrie verhandelt zwar bereits, eine konkrete Lohnforderung hat die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) aber nicht vorgelegt. Auch die mit Abstand größte Branche, die Metall- und Elektroindustrie mit ihren 3,5 Millionen Beschäftigten, steigt dieses Jahr wieder in den Verhandlungsring. Anfang Februar will die IG Metall ihre Forderung vorlegen.

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