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24.10.2016

06:24 Uhr

Giftmüll an der Fassade

Entsorgungskrise verteuert das Bauen

VonSilke Kersting

Neuerdings gilt eine Chemikalie, die vor allem in Dämmmaterial steckt, als gefährlicher Abfall. Viele Müllverbrennungsanlagen dürfen sie nicht mehr annehmen. Für die Bauherren ist das eine enorme finanzielle Belastung.

Die meisten Müllverbrennungsanlagen dürfen HBCD-haltiges Dämmmaterial nicht mehr annehmen. dpa

Mülldeponie

Die meisten Müllverbrennungsanlagen dürfen HBCD-haltiges Dämmmaterial nicht mehr annehmen.

BerlinDeutschland gilt als Recyclingvorreiter. Jährlich werden von der Bauwirtschaft über 190 Millionen Tonnen mineralischer Bauabfälle zur Wiederverwendung aufbereitet, wiederverwertet oder entsorgt. Dazu kommen jede Menge Dämmstoffe, seit aus Gründen des Klimaschutzes Gebäude zunehmend energieeffizient verpackt werden. Jetzt aber steht die Branche vor einem Entsorgungsengpass. Der Grund ist eine Chemikalie mit dem sperrigen Namen Hexabromcyclododecan, kurz HBCD, das vor allem in Dämmmaterial steckt, aber auch in Textil-Beschichtungen und Kunststoffgehäusen von elektrischen Geräten.

Seit per Anfang Oktober eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umgewandelt wurde und HBCD als gefährlicher Abfall gilt, dürfen die meisten Müllverbrennungsanlagen HBCD-haltiges Dämmmaterial nicht mehr annehmen. „Eine fachgerechte Entsorgung ist derzeit vielerorts nicht möglich“, kritisiert der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE). Berichtete der Verband schon vor Tagen, dass Entsorger und Baubetriebe auf den Abfällen sitzenblieben und ein Entsorgungsnotstand drohe, legte er jetzt nach: „Nach unseren Schätzungen droht den Bauherren in Deutschland eine jährliche Mehrbelastung von bis zu 240 Millionen Euro im Jahr, wenn sich nichts ändert.“

HBCD soll die Entflammbarkeit entzündlicher Materialien minimieren. Wegen seiner umweltschädlichen Eigenschaften steht die Chemikalie allerdings schon seit Jahren im Fokus der Behörden. Seit 2014 gilt weltweit ein Herstellungs- und Verwendungsverbot. Eine Ausnahme davon nimmt die EU in Anspruch, heißt es auf der Website des Umweltbundesamtes. Zwar gebe es für die Verwendung als Flammschutzmittel in Dämmstoffen einen Ersatzstoff für HBCD, der nach wissenschaftlichen Erkenntnissen günstigere Umwelteigenschaften habe. Damit die Hersteller von Dämmstoffen aber ausreichend Zeit hätten, HBCD zu ersetzen, habe die europäische Kommission die Verwendung von HBCD in Dämmmaterialien bis August 2017 zugelassen.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Damit wird indes immer neuer gefährlicher Abfall produziert, der immer dann verwertet werden muss, wenn Häuser abgerissen oder saniert werden. „Mit Inkrafttreten der europäischen Verordnung haben tausende Haushalte in Deutschland faktisch Sondermüll an der Fassade kleben“, kritisiert Chris Kühn, wohnungs- und baupolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. „Die Bundesregierung kennt die Problematik, hat es aber wiederholt versäumt, rechtzeitig zu reagieren.“ Viele Hausbesitzer bekämen nun die Quittung dafür, dass die Große Koalition sich nicht von der materialoffenen Förderung verabschieden wollte, sagte Kühn dem Handelsblatt. Die Förderkriterien der KfW-Bank müssten dringend geändert werden. Kühn forderte ein Programm, das gezielt nachwachsende Baustoffe fördert. „Wir wollen Öko statt Giftmüll an den Wänden“, sagte er. Bei der Förderung von Baustoffen müsse der gesamte Lebenszyklus betrachtet werden, nicht nur die Produktionskosten.

Aus Sicht der Wirtschaft ist nicht die Umsetzung von EU-Recht in nationales Recht problematisch, sondern dass Deutschland die Brüsseler Vorgaben noch übertrifft. Der Bundesrat sei mit der Einstufung als gefährlicher Abfall deutlich weiter gegangen als es die EU verlangt, sagte BDE-Präsident Peter Kurth dem Handelsblatt. Die EU-Regelung sehe nur vor, dass HBCD-haltiges Material verbrannt werde. Das sei in der Vergangenheit aber in Deutschland ohnehin geschehen. Jetzt müsse HBCD-haltiges Dämmmaterial aber gesondert entsorgt und schon auf der Baustelle getrennt erfasst werden. „Immerhin sprechen wir von bis zu 60.000 Tonnen Dämmstoffabfällen im Jahr und Verbrennungspreisen von bis zu 4.000 Euro pro Tonne“, sagte Kurth. Zum Vergleich: Vor Inkrafttreten der Regelung lagen die Preise bei rund 200 Euro pro Tonne Baumischabfall, in den auch Dämmstoffplatten hineingemischt werden durften.

Kommentare (12)

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24.10.2016, 08:44 Uhr

Der GIFTIGE und FREIHEITSBERAUBENDE Energieeinspar-ZWANG der politischen Gesetzeswillkür einer perfiden und gesellschaftsausbeutenden Grün-Sozialistischen Poltiik unter der Führung von Merkel.
Giftige Fassaden und Quecksilber Verseuchte Energieeinspar-Zwangsleuchten.
Windmühlen und Solarparks vernichten die Natur und Zerstören unseren Erholungsraum.
Grün-Sozialistische Energiewende Politik...macht nicht nur krank sondern auch arm. Vom Wohlstand und Wissenschaftsstandort zu einen Gesinnungsstandort der nur den Mangel und Armut = Ausbeute der Gesellschaft kennt.

Herr Holger Narrog

24.10.2016, 09:07 Uhr

Das sind faszinierende Auswüchse der grünen Ideologie, oder besser Ökoreligion.

Die Baustoffindustrie ist geschickt auf den Zug der Ökoreligion aufgestiegen und hat eine extreme, für diese Breitengrade abwegige Isolierung der Neubauten in der ENEV (Energieeinsparverordnung) mit einem intensivem Lobbyismus durchgesetzt. Begründet wird dies mit der Weltuntergangskatastrophe "Klimawandel" der gem. der ökoreligiösen Saga durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe hervorgerufen wird.

Sachlich sinnvoll wäre es zunächst die Isolierungsvorschriften die Gebäuden jenseits des Polarkreises gut anstehen würden zu hinterfragen und auf ein in Mitteleuropa sinnvolles Mass zu reduzieren.

Sachlich sinnvoll wäre es die Verbrennung der bromierten Kohlenwasserstoffe in den Müllverbrennungsanlagen zuzulassen. Man bedenke, dass auch andere Hallogene, z.B. Chlor, in grossen Mengen in die Müllverbrennung gelangen. Die Alternative ist die Entsorgung in aufgelassenen Salzbergwerken, Herfa Neurode, Teutschenthal, analog der umweltschädlichen CDT Solarmodule.

Herr Heinz Keizer

24.10.2016, 09:19 Uhr

Da kommt dabei raus, wenn man sein Haus in Plastik einpackt.

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