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30.04.2015

05:57 Uhr

Gleichberechtigung

Ab Mai gilt die Frauenquote in Großunternehmen

Quelle:dpa

Frauenministerin Schwesig erwartet großen Widerstand gegen das Entgeltgleichheitsgesetz - ihr nächstes Projekt im Kampf um Gleichberechtigung. Einen ersten Erfolg verbuchte sie mit der Frauenquote in Führungspositionen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat die Frauenquote in Führungspositionen durchgesetzt. dpa

Manuela Schwesig

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat die Frauenquote in Führungspositionen durchgesetzt.

BerlinBundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) rechnet auch in den Verhandlungen über das Entgeltgleichheitsgesetz mit kräftigem Gegenwind. Auf die Frage, ob sie bei diesem Gesetzesvorhaben vom Koalitionspartner ähnlich großen Widerstand wie zuvor bei der Frauenquote erwarte, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

"Den Widerständen sehe ich gelassen entgegen. Aber politisch wird das sicher kein Spaziergang werden." Sie sei jedoch zuversichtlich, "dass wir mit der Union ein Gesetz zur Lohngerechtigkeit hinbekommen", sagte Schwesig. Das Gesetz soll dafür sorgen, dass Frauen und Männer künftig gleiches Geld für gleiche Arbeit erhalten.

Das Gesetz zur Frauenquote in Führungspositionen, das an diesem Freitag in Kraft tritt, bezeichnete Schwesig als "Meilenstein für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern". Und: "Die Widerstände gegen dieses Gesetz haben die Widerstände sichtbar gemacht, die jede Frau im Arbeitsalltag überwinden muss." Für Frauenrechte müsse auch heute noch gekämpft werden.

Die Frauenquote in den EU-Staaten

Deutschland und der EU-Durchschnitt

Deutschland hat die Frauenquote für Führungspositionen in Unternehmen eingeführt. Demnach sollen Frauen ab 2016 30 Prozent der Mitglieder von Aufsichtsräten großer Unternehmen stellen. Derzeit liegt dieser Anteil nach einer Erhebung der Brüsseler Kommission in Deutschland bei rund 24,4 Prozent und damit über dem EU-Durchschnitt (20,3 Prozent).

Frankreich

In Frankreich sollen bis 2017 mindestens 40 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich sein. Die Vorschrift gilt für börsennotierte Unternehmen sowie alle Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Umsatz. Auch im Staatsdienst hat Frankreich eine Frauenquote eingeführt, mit der bis 2018 ein Anteil von 40 Prozent Frauen in Spitzenpositionen erreicht werden soll. Schon heute liegt Frankreich mit einem Frauenanteil von mehr als 32 Prozent in den Vorständen börsennotierter Unternehmen deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Italien

Italien führte im Sommer 2011 eine Quote ein, die für börsennotierte sowie vom Staat kontrollierte Unternehmen gilt und Anfang des Jahres in Kraft trat. Demnach müssen demnach beide Geschlechter je mindestens ein Drittel der Vorstände stellen. Unternehmen, die sich nicht an die Vorgaben halten, drohen Sanktionen.

Belgien

Belgien hat im Sommer 2011 eine Quote festgeschrieben. Sie sieht einen Anteil von jeweils mindestens einem Drittel Frauen in Führungsgremien von staatlich kontrollierten und börsennotierten und Unternehmen bis 2017 beziehungsweise 2019 vor. Für erstere sind laut Brüssel Sanktionen vorgesehen. Danach wäre jede Neubesetzung eines Postens automatisch nichtig, falls ein Unternehmen die Quote verletzt.

Niederlande

Im Mai 2011 wurde von den niederländischen Nachbarn ein Gesetz verabschiedet, das mindestens 30 Prozent Frauen und Männer in Vorständen vorsieht. Es bezieht sich auf börsennotierte Firmen sowie sonstige Unternehmen, wenn diese mindestens 250 Mitarbeiter beschäftigen.

Österreich, Griechenland, Spanien

Alle drei EU-Länder haben zwar laut EU-Kommission Frauenquoten eingeführt. Sie gelten aber nur für Unternehmen, die komplett oder teilweise vom Staat kontrolliert werden. Zudem merkt die Kommission zur spanischen Regelung an, dass es sich wegen fehlender Konsequenzen, wenn die Quote nicht erfüllt werde, eher um eine Empfehlung handle. Beim Frauenanteil in den Vorständen privater Unternehmen hinkt vor allem Griechenland mit gerade mal sieben Prozent deutlich hinter dem EU-Durchschnitt hinterher.

Norwegen

Das Nicht-EU-Land Norwegen gilt in Europa bei Frauenquoten als Vorreiter. Nach verschiedenen Gesetzen, die bis ins Jahr 2003 zurückreichen, müssen die Vorstände staatlicher und großer börsennotierter Konzerne zu rund 40 Prozent mit Frauen besetzt sein. Allerdings sind nicht an der Börse notierte Unternehmen davon befreit, obwohl sie die Mehrheit der norwegischen Firmen ausmachen.

Island

Der nordische Staat, der vor einem Jahr die Beitrittsverhandlungen mit der EU auf Eis legte, hat 2010 ein Quoten-Gesetz erlassen. Es sah vor, dass bis September 2013 Männer und Frauen mit jeweils mindestens 40 Prozent in den Vorständen bestimmter Unternehmen vertreten sind. Wie in anderen Ländern gelten dabei Schwellen bei der Mitarbeiterzahl. Heute ist die Quote in Island nach Angaben der Europäischen Frauenlobby bereits überschritten - demnach sind 46 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in den von der Regelung betroffenen Unternehmen Frauen

Die Frauenquote hatte Ende März nach jahrzehntelanger Diskussion die letzte parlamentarische Hürde genommen. Das Gesetz, das Schwesig gemeinsam mit ihrem Parteikollegen, Bundesjustizminister Heiko Maas, auf den Weg gebracht hatte, verpflichtet etwa 100 Großunternehmen, ihre Aufsichtsräte zu mindestens 30 Prozent weiblich zu besetzen.

Etwa 3500 weitere Unternehmen müssen sich selbst Zielvorgaben für eine Steigerung des Frauenanteils in Vorstand, Aufsichtsrat und den obersten Managementebenen setzen. Ende 2014 lag der Frauen-Anteil in den Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen bei 18,4 Prozent. In den Vorständen waren es nur 5,4 Prozent.

Schwesigs Ministerium bereitet derzeit einen Referentenentwurf für ein Entgeltgleichheitsgesetz vor. Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdienten Frauen im Jahr 2014 durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als Männer.

Um mehr Lohngerechtigkeit zu schaffen, sollen Unternehmen verpflichtet werden, offenzulegen, wie viel ihre Mitarbeiter auf einer bestimmten Hierarchieebene durchschnittlich verdienen. Denn Frauen können nur dann mehr Gehalt einfordern, wenn sie überhaupt wissen, dass ihre männlichen Kollegen im Schnitt mehr verdienen.

Kommentare (6)

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Herr Holger Narrog

30.04.2015, 07:43 Uhr

Nun, es ist ein "Erfolg" in Richtung Mittelalter.

Mit der Industrialisierung hat man in den Industrieländern die Positionen nicht mehr nach "Stand", Adel und Herkunft, sondern nach Qualifikation und Leistung besetzt. Dies wurde dann auch in Verfassungen verankert.

Diese Besetzung der Führungspositionen nach Leistung hat unterdurchschnittliche Anteile an der Besetzung von Führungspositionen für Einwanderer aus Kleinasien, Afrika aus der islamischen Kultur/Religion, möglicherweise regionale Unterschiede und Frauen hervorgebracht.

Mit der aktuellen Ideologie sucht man die Besetzung der Positionen gem. Ideologie mit Quoten zu realisieren. Neben der Frauenquote wäre in diesem Sinne sicherlich geboten Quoten für Einwanderergruppen, Religionen, z.B. Islam, regionale Quoten für Ostfriesen, etc. einzuführen. Sinnvoll wäre es dies auch in den Verfassungen niederzuschreiben.

Dann wird man in Stellenanzeigen eine afrikanische Frau mit islamischen Glauben und gleichgeschlechtlicher Orientierung zur Besetzung einer Vorstandsposition suchen.

Herr Michael Müller

30.04.2015, 07:44 Uhr

Ich fordere GLEICHE RENTE für gleiche Arbeit! Frauen gehen früher als Männer in Rente, obwohl sie eine längere Lebenserwartung haben! Das ist ungerecht und unsozial! Männer arbeiten länger als Frauen und erhalten in Summe letztendlich weniger Rente als Frauen!

Ich fordere GLEICHES RECHT für Männer. Es ist ein offenes Geheimnis in Juristenkreisen, dass Frauen für die gleichen Straftaten geringer bestraft werden als Männer. Das ist ungerecht, unsozial und widerspricht unserem Grundgesetz!

Frau Tanja Wagner

30.04.2015, 07:58 Uhr

Die ehrgeizige Verwaltungsgehilfin, Quotenfrau und Parteifunktionärin hätte auch Erich Honnecker und Josef Stalin gefallen.

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