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08.03.2017

20:40 Uhr

Gleichberechtigung

Schwesig droht Industrie mit härterer Frauenquote

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig ist unzufrieden mit der Umsetzung der Frauenquote in mittelgroßen Unternehmen, die sich ihre Zielvorgaben selbst setzen können. Sie droht mit einer Verschärfung des Gesetzes.

Nach einer Studie der britischen Wirtschaftszeitschrift „The Economist“ werden in Deutschland 29,3 Prozent der Managementposten mit Frauen besetzt. AFP; Files; Francois Guillot

Manuela Schwesig

Nach einer Studie der britischen Wirtschaftszeitschrift „The Economist“ werden in Deutschland 29,3 Prozent der Managementposten mit Frauen besetzt.

BerlinBundesfamilienministerin Manuela Schwesig droht der Industrie mit einer Verschärfung der Frauenquote. Die SPD-Politikerin beklagte am Mittwoch eine schleppende Umsetzung der Vorgaben bei mittelgroßen Unternehmen, die sich selbst Ziele setzen sollen. „Da, wo sich Unternehmen sozusagen selbst die Zielvorgaben setzen können, sagen tatsächlich welche: null“, sagte Schwesig in der ARD. Diese Firmen provozierten eine Verschärfung des Gesetzes in der nächsten Legislaturperiode. „Dann muss auch die harte Quote für diese Unternehmen gelten.“

Schwesig betonte aber, dort wo es für große Unternehmen harte Vorgaben gebe, würden diese eingehalten. Gemeinsam mit Justizminister Heiko Maas legte sie dem Bundeskabinett eine erste Bilanz des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe an Führungspositionen vor. Die seit 2016 geltende Quote wirke, denn es gebe mehr Frauen in Führungspositionen. Alle börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen, die 2016 Aufsichtsratsposten zu besetzen hatten, hielten sich demnach an die feste Quote von 30 Prozent.

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Insgesamt habe sich in den Unternehmen ein Kulturwandel vollzogen, sagte Schwesig. Allerdings bewege sich zu wenig auf der Vorstandsebene. Dort seien in den untersuchten börsennotierten Unternehmen Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert. „Hier müssen wir auch über Nachbesserungen am Gesetz nachdenken.“

Mit dem Gesetz müssen börsennotierte Unternehmen, in denen Arbeitnehmer voll mitbestimmungsberechtigt sind, bei der Besetzung von Aufsichtsräten einen Frauenanteil von 30 Prozent einhalten. Ansonsten muss der für eine Frau vorgesehene Posten unbesetzt bleiben. Betroffen sind davon 106 Firmen. Unternehmen, die entweder börsennotiert oder mitbestimmt sind, mussten sich eigene Ziele für den Frauenanteil in Vorstand, Aufsichtsrat und den obersten zwei Managementebenen setzen.

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Wirtschaft habe immer wieder versprochen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Passiert sei zu wenig. „Die Mehrheit der MDax-Unternehmen gibt sich selbst beim Zielwert für die Frauenquote im Vorstand eine null“, beklagte sie. „Muss ich mehr sagen?“

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Nach einer Studie der britischen Wirtschaftszeitschrift „The Economist“ werden in Deutschland 29,3 Prozent der Managementposten mit Frauen besetzt. Damit liegt die Bundesrepublik im Vergleich mit anderen Industriestaaten eher hinten, aber etwa vor Dänemark, das auf 26,5 Prozent kommt. In den Aufsichtsgremien von Firmen sieht die Lage demnach aber anders aus: Deutschland komme dort auf einen Frauenanteil von 26,7 Prozent, während der Durchschnitt der Industriestaaten bei 20,5 Prozent liege.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Götz Eckhardt

09.03.2017, 13:45 Uhr

Ja, es gibt Ungleichheit in den Lebensrealitäten von Männern und Frauen.
Nun hören wir allerorten, dass man diese Ungleichheiten gesetzlich eliminieren müsse.
Erstaunlich ist aber, dass das nur dort passiert, wo Frauen scheinbar schlechter gestellt sind.
So ist die Lebenserwartung von Männern deutlich niedriger, die Quote der Männer, die bei Scheidungen das Sorgerecht bekommen geht gegen null, die ärmsten dieser Desellschaft - die Obdachlosen - sind überwiegend männlich, usw. usw. .
Nie höre ich, dass der Gesetzgeber oder die Politik hieran etwas tun will.
Warum eigentlich?

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