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20.01.2011

13:07 Uhr

Gorch Fock

Marine-Ermittler sollen Meuterei-Affäre aufklären

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verlangt nach der angeblichen Meuterei auf dem Segelschulschiff Gorch Fock umfassende Aufklärung. Ermittler der Marine sollen rasch klären, ob Offiziersanwärter von der Stammbesatzung sexuell belästigt und bedroht wurden.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Schnelle Aufklärung verlangt Reuters

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Schnelle Aufklärung verlangt

HB BERLIN. Das Team wird nach Angaben des Ministeriums vom Donnerstag derzeit noch zusammengestellt und soll sich dann auf den Weg machen. Unklar ist noch, wann die Ermittlungen beginnen sollen. Wegen der Ermittlungen kehrt die Gorch Fock, die sich derzeit auf einer Weltumseglung befindet, zu ihrem letzten Hafen nach Argentinien zurück. Im Hafen Ushuaia soll das Ermittlerteam dann an Bord gehen. Wie lange die Unterbrechung dauern wird, steht noch nicht fest.

„Es wird von meiner Seite keine Vorverurteilungen geben“, sagte zu Guttenberg in Berlin. Falls sich aber herausstelle, dass es Fehlverhalten gegeben habe, werde dies „selbstverständlich Konsequenzen nach sich ziehen“. Der Minister verwahrte sich gegen Pauschalurteile über die Soldaten der Bundeswehr. „Es ist die ganz überwältigende Mehrzahl, die einen erstklassigen Dienst leistet.“

Nach dem Tod der Kadettin hatten Mitglieder der Besatzung Vorgesetzten Versagen vorgeworfen. Zudem sei das Vertrauen zwischen der Stammmannschaft und den Offiziersanwärtern gestört gewesen. Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus schrieb in einem Brief an den Verteidigungsausschuss über Meuterei-Vorwürfe gegen vier Auszubildende. Die Ermittler müssen auch Vorwürfen nachgehen, die Stammbesatzung habe Offiziersanwärter bedroht und sexuell belästigt. An Bord der „Gorch Fock“ befindet sich derzeit die Stammbesatzung unter Kapitän Norbert Schatz. Die Ausbildung war nach dem tödlichen Sturz der 25-jährigen Offiziersanwärterin von der Takelage ausgesetzt worden.

Die anderen Anwärter kehrten nach Deutschland zurück. Ihre Aufgaben wurden von der Stammbesatzung und eingeflogenen Soldaten übernommen, damit der Dreimaster die Fahrt fortsetzen kann. Ein Ministeriumssprecher sagte: „Es gibt keine Entscheidung, dass die Reise abgebrochen wird.“ Ein Sprecher der Marine sagte, der Dreimaster werde noch am Donnerstag gegen 18 Uhr (deutsche Zeit) in der südlichsten Stadt Argentiniens erwartet.

„Das sind schwerwiegende Vorwürfe“, sagte der Marine-Sprecher, Fregattenkapitän, Alexander von Heimann. „Wir werden jetzt alles Menschenmögliche tun, um den Sachen nachzugehen und das aufzuklären.“ Die Untersuchungskommission soll zügig Gespräche mit allen Beteiligten führen. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, warnte vor voreiligen Schlüssen. Man müsse prüfen, ob Sicherheitsbestimmungen verletzt worden seien, sagte Kirsch dem „Hamburger Abendblatt“ (Donnerstag). „Manchmal stellt sich am Ende manches anders dar als am Anfang.“

Kirsch verteidigte das Ausbildungskonzept auf dem Segelschiff. „Es gibt keine bessere Ausbildung als auf einem Schiff, wenn es um den Crew-Gedanken geht.“ Das Konzept werde sich auch in Zukunft bewähren. In der vergangene Woche war schon eine Delegation des Wehrbeauftragten zu Gesprächen bei der Besatzung gewesen. Demnach hatten sich nach dem tödlichen Sturz der Kameradin trauernde Offiziersanwärter geweigert, wieder in die Takelage zu klettern. Sie sollen trotzdem zum sogenannten Aufentern gedrängt worden sein.

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