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29.01.2011

09:12 Uhr

„Gorch Fock“

Merkel nimmt Bundeswehr in Schutz

Kanzlerin Angela Merkel hat die Bundeswehr nach den jüngsten Vorfällen vor Pauschalkritik in Schutz genommen. Sie sprach von Einzelfällen bei der Truppe. Die Mehrheit der Deutschen will trotz der Vorwürfe an dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ festhalten.

Nimmt die Truppe in Schutz: Kanzlerin Angela Merkel. Quelle: dpa

Nimmt die Truppe in Schutz: Kanzlerin Angela Merkel.

HB BERLIN. Nach den jüngsten Vorfällen bei der Bundeswehr warnt Bundeskanzlerin Angela Merkel vor Pauschalkritik an der Truppe. In einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ sprach Merkel von Einzelfällen, die nun umfassend aufgeklärt werden müssten. Die Bundeswehr als Ganzes dürfe aber nicht infrage gestellt werden.

„Die überwältigende Mehrheit unserer Soldatinnen und Soldaten erfüllt ihre Aufgabe hervorragend“, sagte die CDU-Vorsitzende dem Vorabbericht zufolge.

In Verruf geraten ist zuletzt insbesondere das Segelschulschiff „Gorch Fock“. Dort hatten sich Kadetten über Schikanen, Alkoholexzesse und sexuelle Nötigungen beklagt.

Eskaliert war die Lage nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin aus der Takelage Anfang November. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte zunächst vor Vorverurteilungen gewarnt, dann jedoch den Kapitän der „Gorch Fock“ vom Dienst suspendiert, wofür er von der Opposition heftige Kritik erntete.

Merkel dagegen verteidigte Guttenbergs Schritt. Mit der Suspendierung sei „kein Urteil gesprochen“. Die Abberufung diene auch dem Schutz des Betroffenen, solange die Vorgänge an Bord geprüft würden. Damit ist derzeit eine Untersuchungskommission betraut.

Einem Bericht von „Spiegel Online“ zufolge äußerte auch die Stamm-Mannschaft der „Gorch Fock“ in einem offenen Brief Kritik an Guttenberg. Die Existenz des Schreibens wurde aus Bundeswehrkreisen bestätigt. Beklagt werde fehlender Rückhalt „unserer übergeordneten Dienststellen“. Es sei „unverständlich“, den Kommandanten „abzuservieren“, wird aus dem Schreiben zitiert. Ob dieses von allen Mannschaftsmitgliedern stamme, sei unklar, hieß es in dem Bericht.

Mehrheit der Deutschen für Weiterbetrieb

Trotz der ungeklärten Todesfälle und Schinder-Vorwürfe will die Mehrheit der Deutschen das Segelschulschiff behalten. Nach der Emnid-Erhebung für die Zeitung „Bild am Sonntag“ sprachen sich 51 Prozent der Bundesbürger dafür aus, die „Gorch Fock“ weiter zu betreiben. 37 Prozent sind für einen Verkauf des Schiffes. Die meisten Anhänger hat das Bundeswehr-Schiff bei Anhängern von CDU und CSU. Hier plädierten 63 Prozent für einen Weiterbetrieb und nur 30 Prozent für eine Stilllegung.

Die Absetzung des Kapitäns der „Gorch Fock“ durch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) halten 60 Prozent der Bundesbürger für richtig. 31 Prozent sind der Meinung, Guttenberg habe falsch gehandelt. Auch nach den zahlreichen Berichten über entwürdigende Rituale und gefährliche Waffenspielereien bei der Bundeswehr halten nach der Umfrage 60 Prozent der Deutschen diese Vorgänge für Einzelfälle. Nur jeder Dritte (33 Prozent) glaubt, solche Vorfälle seien bei der Bundeswehr an der Tagesordnung.

Emnid befragte am 26. und 27. Januar insgesamt 1 005 Personen.

Kommentare (2)

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luis

29.01.2011, 10:21 Uhr

Es wird keiner dazu gezwungen sein Kapitänspatent beim Deutschen Militär zu erwerben.
Wer es dennoch dort machen will, hat sich vertraglich gebunden!Wer wesentliche Teile eines Ausbildungsvertrages nicht erfüllt , wird nicht zur Prüfung zugelassen . Das ist nicht nur in Deutschland so ! Man könnte auch sagen , wer seine Arbeit nicht macht , fliegt raus.

RBern

29.01.2011, 17:54 Uhr

Warum die Mannschaft oder Teile der Mannschaft hinter ihrem suspendierten Kapitän stehen, liegt wohl auf der Hand: Er hat die Missstände der Stammbesatzung nicht nur geduldet, sondern auch noch gedeckt. Zu Guttenberg soll feststellen, wer diesen brief unterschrieben hat und die Unterzeichner einer verschärften Überprüfung unterwerfen. Die Ausbildung auf diesem Schiff ist in der heutigen Zeit völlig überholt und damit ist dieses Schiff überflüssig. Man könnte es an einen Touristikkonzern als Eventschiff veräußern. Da bisher an bord genug gesoffen wurde, würde sich hier auch künftig nichts ändern.

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