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25.01.2017

18:47 Uhr

„Gorch Fock“

Schulschiff soll noch bis 2032 in See stechen

Die in die Jahre gekommene „Gorch Fock“ soll nach Informationen aus dem Bundestag repariert werden und noch bis 2032 der Marine als Segelschulschiff dienen. Anschließend soll das Schiff durch einen Neubau ersetzt werden.

Trotz hoher Kosten

Von der Leyen: „Ich hab entschieden, dass die Gorch Fock weitersegeln soll“

Trotz hoher Kosten: Von der Leyen: „Ich hab entschieden, dass die Gorch Fock weitersegeln soll“

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Berlin/KielDas in die Jahre gekommene Segelschulschiff „Gorch Fock“ soll mit Millionenaufwand instandgesetzt werden und noch bis 2032 der Deutschen Marine zur Verfügung stehen. Dies sehe eine Vorlage vor, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf dem Tisch liege, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Parallel solle der Neubau eines Segelschulschiffes geplant werden, damit es 2032 einen nahtlosen Schiffswechsel gebe.

„Es fehlt aber noch der grüne Haken der Ministerin unter der Vorlage“, sagte Gädechens. Von der Leyen wolle die Marine-Obleute des Verteidigungsausschusses am Donnerstagabend über ihre Entscheidung unterrichten. Gädechens ist Marine-Obmann der CDU. Zuvor hatte der Hörfunksender NDR 90,3 über die Entscheidung in Berlin berichtet. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich möchte diese Meldung nicht kommentieren.“ Er wiederholte seine Ankündigung vom Vortag, noch in dieser Woche werde eine Entscheidung fallen. Nach deutlich gestiegenen Reparaturkosten von heute 35 Millionen Euro war über eine Stilllegung des Schiffes und einen Neubau diskutiert worden.

Baustellen der Bundeswehr

Personal

Die Bundeswehr befand sich 25 Jahren auf Schrumpfkurs, militärische Planung orientierte sich an Sparzwängen. Auch für die Aussetzung der Wehrpflicht waren Sparvorgaben der Ausgangspunkt. Bestand die Bundeswehr 1990 aus mehr als einer halben Million aktiver Soldaten, sind es nun gerade noch etwas mehr als 177 000. Nun soll die Truppenstärke wieder wachsen.

Ausrüstung

Die Ausrüstung der Bundeswehr ist teils marode, teils veraltet und sorgte die vergangenen Jahre für viel Spott. Vergangenes Jahr bescheinigte der Wehrbeauftragte der Bundeswehr gar eine „planmäßige Mangelwirtschaft“. Kurz darauf verkündete das Verteidigungsministerium aber ehrgeizige Pläne zur Truppensanierung für 130 Milliarden Euro bis 2030.

Einsätze

Deutschland beteiligt sich derzeit mit 3300 Soldaten an internationalen Einsätzen - von der Abschreckung Russlands im Rahmen der Nato im Baltikum bis zur UN-Friedenssicherung in Mali. Die Aufgaben der Bundeswehr wachsen in der ganzen Welt. Deutschland will gestalten und eine aktivere Rolle spielen. Aber ist die Truppe den neuen Aufgaben gewachsen?

Seit fast 60 Jahren gleitet die „weiße Lady“ (Gädechens) durch die Meere. 1958 wurde das 89 Meter lange Schulschiff mit seinen bis zu 45 Meter hohen Masten bei Blohm+Voss in Hamburg in Dienst gestellt. Die erste Ausbildungsfahrt führte vom Heimathafen Kiel nach Teneriffa. Im Herbst 2015 hieß es „Leinen los“ für die 168. und bisher letzte Ausbildungsfahrt nach Norwegen und Schottland. Als „Botschafter Deutschlands“ auf den Weltmeeren und in den Häfen der Welt hat der Windjammer zudem international Sympathie gefunden.

Etwa 15.000 Männer und Frauen der Marine – darunter praktisch alle Offiziersanwärter – haben ihre seemännische Basisausbildung auf der Bark absolviert. Schiff und Besatzung legten mehr als 750.000 Seemeilen zurück. Das entspricht etwa 35 Erdumrundungen.

Seit dem 4. Januar 2016 liegt die „Gorch Fock“ in der Bredow Werft in Bremerhaven. Bereits zwölf Millionen Euro sind laut Verteidigungsministerium für Reparaturen geflossen. Am 11. Oktober 2016 habe der Projektleiter die Arbeiten gestoppt, da sich deutliche Kostensteigerungen wegen verdeckter Schäden abzeichneten und keine Klarheit über den Umfang bestand. Zuerst sollte die Instandsetzung knapp 10 Millionen Euro kosten. Der Bedarf erhöhte sich bis zum Instandsetzungsstopp „bereits auf rund 35 Millionen Euro“.

Verteidigungsministerium: Deutschland steigert Rüstungsausgaben

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Deutschland hat seine Rüstungsausgaben 2016 um mehr als zehn Prozent erhöht. Die Investitionen wuchsen auf 5,1 Milliarden Euro an. In diesem Jahr sollen die Ausgaben für die Bundeswehr sogar noch weiter steigen.

„Es wäre finanziell nicht sinnvoll, mitten in den Arbeiten aufzuhören und die „Gorch Fock“ auszumustern“, sagte Gädechens. Durch die absehbaren weiteren 15 Jahre Dienstzeit dürfte sich auch die teure Reparatur rechnen, meinte er. Außerdem würde ein Neubau mehrere Jahre dauern und es müsste dann eine Zwischenlösung geben.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), hatte am Dienstag die Bedeutung des Schulschiffs für die Ausbildung unterstrichen. Außerdem sei es „ein Symbol, ein Wahrzeichen“ der Marine. „Ich bin immer für die „Gorch Fock“ gewesen und fände es gut, wenn man sie zu vertretbaren Kosten wieder instandsetzen könnte“, sagte der langjährige Kieler Bundestagsabgeordnete.

Seit dem tödlichen Unfall einer Kadettin – sie war aus der Takelage gestürzt – sei viel Geld in die Sicherheit und Technik geflossen, sagte Bartels. Zudem war eine Kadettin, die Wache hatte, von Bord verschwunden; der Leichnam wurde später im Meer gefunden.

Die Kosten für die Instandsetzung des Windjammers liefen 2016 immer mehr aus dem Ruder. Den Auftrag erhielt die Elsflether Werft in Niedersachsen, die für die „Gorch Fock“ aber das Dock in Bremerhaven nutzt. Es wurde eine Wirtschaftlichkeitsprüfung vorgenommen, das Ergebnis wurde noch nicht veröffentlicht.

Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie als Pate des Schiffs betonte: „Wir wollen auch zukünftig die Offiziersanwärterinnen und -anwärter in ihrer Ausbildung begleiten. Die unmittelbare, direkt erlebte Seemannschaft kann nur auf einem Segelschiff erworben werden.“ Dies sei für die Offiziere der Marine „ein absolut notwendiger Teil ihrer Ausbildung“.

Von

dpa

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