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09.06.2011

16:58 Uhr

Gorch Fock

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Der tödliche Unfall einer Kadettin auf der „Gorch Fock“ war ein tragisches Unglück. Das ergaben die Untersuchungen der Kieler Staatsanwaltschaft. Sie stellt ihr Ermittlungsverfahren ein, lässt aber Kritik an der Ausbildung durchblicken.

Offiziersanwärter üben in den Masten der "Gorch Fock" das Segelsetzen im Heimathafen Kiel. Quelle: dapd

Offiziersanwärter üben in den Masten der "Gorch Fock" das Segelsetzen im Heimathafen Kiel.

Kiel/BerlinDer Tod einer Kadettin auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ war nach Einschätzung der Kieler Staatsanwaltschaft wohl ein Unglück. Für eine fahrlässige Tötung der 25-Jährigen im November 2010 lägen nicht genug Anhaltspunkte vor, teilte die Behörde am Donnerstag in Kiel mit. Das Ermittlungsverfahren wurde deshalb eingestellt. Oberstaatsanwältin Birgit Heß ließ aber Kritik an den Ausbildungsregeln erkennen.

Die Offiziersanwärterin war im vergangenen November am zweiten Tag ihrer Segelvorausbildung im brasilianischen Hafen Salvador da Bahia aus der Takelage auf das Deck gestürzt. Ihr Tod löste eine Affäre aus, in der es um Vorwürfe der Schikane und der sexuellen Belästigung an Bord des Dreimasters ging. Die Mutter der 25-Jährigen erstattete Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung.

Der abschließende Bericht des Verteidigungsministeriums zu dem Fall steht noch aus. Der damals zuständige Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte nach dem Tod der Kadettin die Offiziersausbildung auf der „Gorch Fock“ ausgesetzt, den Kommandanten Norbert Schatz seines Postens enthoben. Die Opposition kritisiert die Entscheidung als überstürzt. Wenig später räumt Guttenberg vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages Informationspannen.

Nach den monatelangen Untersuchungen mit Vernehmung von mehr als 50 Zeugen lässt sich der Vorwurf der fahrlässigen Tötung aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht halten. Schiffsführung, Besatzungsmitglieder oder andere Marine-Angehörige treffe strafrechtlich gesehen keine Schuld an dem Tod. Auch wenn einiges dafür spreche, dass der Absturz auf einen Erschöpfungszustand zurückzuführen sei, lasse sich die genaue Ursache nicht sicher feststellen. „Nach alldem ist davon auszugehen, dass es sich um ein ganz tragisches Unglück handelt“, sagte Heß.

Kommentare (1)

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Nachwuchs

09.06.2011, 19:33 Uhr

Seltsam, alles zieht sich zurück auf die Position: " Strafrechtlich ". Also gibt es doch ein Fehlverhalten, aber strafrechtlich nicht fassbar!! Und damit ist nach meiner Meinung, die Beurlaubung des Kommandanten richtig gewesen!

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