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09.12.2016

12:06 Uhr

Grande Dame der FDP

Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Mehr als ein halbes Jahrhundert war sie in der FDP engagiert, bevor sie aus der Partei austrat. Sie prägte die Liberalen wie kaum ein anderer Politiker. Nun ist Hildegard Hamm-Brücher im Alter von 95 Jahren gestorben.

Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Eine Grande Dame tritt ab

Hildegard Hamm-Brücher ist tot: Eine Grande Dame tritt ab

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MünchenIm Oktober war Hildegard Hamm-Brücher noch einmal in Berlin. Mit ihren 95 Jahren diskutierte sie mit Jugendlichen bei einem Zukunftsforum von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue über Demokratie. Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der Begegnung mit der nun Verstorbenen. Hamm-Brücher war zwar schon lange nicht mehr FDP-Mitglied, galt aber bis zu ihrem Tod als Grande Dame des deutschen Liberalismus

Ihrem Ruf als unbeugsame Demokratin wurde die in München lebende Hamm-Brücher auch im hohen Alter noch gerecht. „Vieles wird über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden“, beklagte sie vor wenigen Jahren in der Berliner Zeitung „B.Z.“.

Für ihre mahnenden Worte wurde die streitbare Liberale sowohl geschätzt als auch gefürchtet. Von Altkanzler Helmut Kohl sind äußerst böse Spitzen überliefert. Die ebenfalls als unbeugsame Liberale geltende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger würdigte sie dagegen anlässlich ihres Tods als „Inbegriff der gelebten Bürgergesellschaft“.

Die in Essen geborene Hildegard Brücher wuchs in Berlin-Dahlem auf und lebte nach dem frühen Tod beider Eltern bei ihrer Großmutter in Dresden. 1940 begann sie ein Chemiestudium in München, wo sie zum weiteren Kreis der „Weißen Rose“ zählte, der Widerstandsgruppe um die Geschwister Hans und Sophie Scholl gegen die Nazi-Diktatur.

„Nachdem sie hingerichtet worden waren, war ich so verzweifelt“, sagte Hamm-Brücher vor gut zwei Jahren der „Zeit“. Ein Studentenpfarrer habe ihr gesagt, sie solle nach dem Kriegsende „für das leben, wofür meine Freunde gestorben sind“. „Und das habe ich mein Leben lang versucht.“

1948 wurde Brücher FDP-Mitglied. Den Anstoß zu ihrem Parteieintritt hatte der damalige Stuttgarter Kultusminister und spätere FDP-Bundespräsident Theodor Heuss gegeben: „Mädle, Sie müsset in d' Politik“, riet Heuss der Mittzwanzigerin, als Brücher ihn 1946 für eine Münchener Zeitung interviewte.

Bis 1954, dem Jahr ihrer Heirat mit dem CSU-Kommunalpolitiker Erwin Hamm, saß Brücher für die FDP im Münchener Stadtrat. Außerdem war sie bis in die 70er Jahre Mitglied des bayerischen Landtags.

Kommentare (1)

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G. Nampf

09.12.2016, 11:26 Uhr

Und wieder verläßt uns eine große Verteidigerin von Bürgerrechten und Demokratie.

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