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23.08.2013

10:02 Uhr

Gregor Gysi im Interview

„Die SPD ist nicht besonders glaubwürdig“

VonDietmar Neuerer

ExklusivKomplimente für die Kanzlerin, harte Kritik für die SPD. Im Interview spricht Linken-Fraktionschef Gysi Klartext. Er skizziert, warum der Euro bleiben muss und Kritiker wie die AfD im Bundestag nichts zu suchen haben.

Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Parte Die Linke, Gregor Gysi: „Merkel ist nicht eitel, sie ist nicht materiell interessiert und sie kann gelegentlich hübsch lächeln.“

Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Parte Die Linke, Gregor Gysi: „Merkel ist nicht eitel, sie ist nicht materiell interessiert und sie kann gelegentlich hübsch lächeln.“

Handelsblatt Online: Herr Gysi, taugt die Griechenland-Debatte zum Wahlkampfthema? Gregor Gysi: Ich bin da skeptisch. Es wird ein zu intellektuelles Thema daraus gemacht.

Die SPD sieht das ein bisschen anders. Ihr Vorsitzender Gabriel hat Merkel schon aufgefordert, anstehende weitere Hilfen vor der Bundestagswahl konkret zu benennen.

Das ist ja auch richtig. Frau Merkel darf jetzt nicht rumeiern, sondern muss konkret sagen, was auf uns zukommt. Aber die SPD ist nicht besonders glaubwürdig. Sie mault rum und kritisiert den Sozialabbau in Griechenland. Dabei wusste sie bei jedem Euro-Rettungsschirm, dass das damit verbunden ist. Und trotzdem hat sie immer zugestimmt. Da hätte die SPD mal Opposition sein und dagegen stimmen müssen.

Das hat sie aber nicht getan. Trotzdem scheint sie mit Griechenland ein Thema gefunden zu haben, mit dem sie Frau Merkel Paroli bieten will.

Man darf nie ausschließen, dass auch mal Wunder geschehen. Daran glaube ich aber nicht. Die SPD wird bei der Bundestagswahl kein gutes Ergebnis erzielen.

Die Euro-Gegner von der Alternative für Deutschland (AfD) haben das Thema auch schon für sich reklamiert. Fürchten Sie, dass die AfD dadurch den nötigen Schub für den Einzug in den Bundestag erhält?

Nein. Die AfD bekommt die Wende nicht mehr hin. Die Partei will raus aus dem Euro. Und ich bin überzeugt, dass die Bürger diesen Weg für falsch halten. Ich halte das ja auch für den falschen Weg.

Warum?

Deutschland ist Vize-Exportweltmeister. Das ist gar nicht so gut wie es klingt. Denn wir sind sehr abhängig von der Kaufkraft anderer Länder. Deshalb plädieren wir immer für eine Stärkung der Kaufkraft in Deutschland, also Lohnerhöhungen und Anhebungen von Renten und Sozialleistungen, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Damit wir nicht so abhängig sind vom Export. Wenn wir jetzt aber den Euro verließen, dann würden die anderen Währungen ganz stark an Wert verlieren und unsere würde immer wertvoller. Das Ergebnis wäre, dass wir so gut wie nichts mehr exportiert bekämen, weil wir einfach zu teuer sind. Punkt.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Zukunft des Euro

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

Neue Währungen

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

Europäische Verträge

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

Austrittsrecht

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

Lasten für den Steuerzahler

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

Schuldenschnitte

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

EZB-Politik

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Aber der Fall, dass Deutschland den Euro verlässt, wird ja nie eintreten. Wer sollte das wollen. Selbst wenn die AfD in den Bundestag käme. Man hätte dann allerdings eine deutliche Euro-Gegenposition im Parlament.

Richtig. Aber auch eine Gegenposition zu höheren Löhnen und Renten. Die AfD vertritt sehr unsoziale Positionen. Da sitzt einer im Vorstand, der will durchsetzen, dass allen, die Sozialleistungen beziehen, das Wahlrecht entzogen wird. Das ist doch eine abstruse Forderung. So jemanden möchte ich nicht im Bundestag haben.

Kommentare (112)

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Sarina

23.08.2013, 10:11 Uhr

„Die SPD ist nicht besonders glaubwürdig“
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Ja klar, alle sind unglaubwürdig - gestern war es die AfD, heute die SPD und morgen .......
Nur die Linke ist glaubwürdig (deshalb wurde sie auch als einzige Partei -sic!- im deutschen Bundestag vom Verfassungsschutz observiert)!

Account gelöscht!

23.08.2013, 10:15 Uhr

Ja, die umbenannte Mauerschützenpartei SED ist besonders glaubwürdig. Vor allem, wenn sie uns erzählt, daß sie nicht weiß, wo das ergaunerte SED-Vermögen steckt....

trojanischespferd

23.08.2013, 10:17 Uhr

"Nein. Die AfD bekommt die Wende nicht mehr hin. Die Partei will raus aus dem Euro. Und ich bin überzeugt, dass die Bürger diesen Weg für falsch halten. Ich halte das ja auch für den falschen Weg."

Gysi möchte also weiter das Volk plündern und berauben, ganz im Einklang mit dem "etablierten" Parteiensumpf.
Träumen Sie weiter Herr Gysi!
Selbst schuld wer auf diesen Pharisäer noch reinfällt!

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