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08.06.2015

11:49 Uhr

Gregor Gysi und die Linke

„Das kleinere Übel bin ich“

Ein Abschied unter Tränen, eine sehr persönliche Rede – und eine neue Diskussion um Rot-Rot-Grün: Der Rückzug von Gregor Gysi, begleitet von politiker-untypischer Emotionalität, stellt die Weichen für die Linke neu.

Gysi hatte am Sonntag angekündigt, im Herbst nicht erneut für den Fraktionsvorsitz anzutreten. dpa

Gregor Gysi beim Bundesparteitag

Gysi hatte am Sonntag angekündigt, im Herbst nicht erneut für den Fraktionsvorsitz anzutreten.

BerlinDie Worte waren ihm nicht leicht über die Lippen gegangen, es war ein Abschied unter Tränen, ganz ungewohnt für das Politikergeschäft. Und dass er, der eloquente Gregor Gysi, nie um eine schlagfertige Antwort verlegen, seine sehr persönliche, sehr emotionale Rede zum Abschied ablas – auch das war bezeichnend. Die gut 450 Delegierten auf dem Bielefelder Parteitag feierten ihren scheidenden Chef am Sonntag und bedankten sich nach seiner emotionalen Rede mit einem mehr als zehn Minuten währenden Applaus. Die sonst so streitbare Partei scheint sind einig gewesen zu sein. Darin, dass ihn wohl kaum einer leicht gehen lassen mag.

Grünen-Chefin Simone Peter ermuntert die Linke einen Tag nach dem angekündigten Rückzug von Gysi, sich stärker für ein rot-rot-grünes Bündnis zu öffnen. „Ich fände es gut, wenn die Linkspartei jetzt diesen personellen Wechsel als Chance nutzt, deutlich zu machen, dass sie in der Republik was verändern will", sagte Peter dem Nachrichtensender n-tv. „Da wäre das Mitregieren sicher auch ein guter Weg."

Fraktionsführung

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Zwar sei das Personal „natürlich schon wichtig“, betonte die Grünen-Vorsitzende. „Aber wichtiger wird sein, wie sich die Linkspartei grundsätzlich aufstellt." Sie müsse klären, ob sie weiter „Fundamentalopposition" machen wolle oder sich darauf vorbereite, 2017 mitregieren zu wollen. Zur Außenpolitik sagte Peter, im äußersten Notfall müssten auch Militäreinsätze erlaubt werden. "Darüber muss sich auch die Linkspartei in der Perspektive klar werden - dann kann man auch miteinander regieren."

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sieht mit Gysis Abgang allerdings die Chancen für ein rot-rot-grünes Bündnis schwinden. „Die Linkspartei wird es ohne ihn sehr schwer haben, sich auf der Bundesebene von der Fundamentalopposition hin zu einem potenziellen Koalitionspartner zu entwickeln“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Montag).

Doch Gysis Rückzug vom Fraktionsvorsitz der Linkspartei stand für den Politiker bereits seit zwei Jahren fest, wie er der ARD am Sonntagabend sagte. „Ich hab das schon im Mai 2013 entschieden.“ Das habe seine Partei damals nur nicht richtig registriert.

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Gregor Gysi hat seinen Rückzug angekündigt - laut dem SPD-Vorsitzenden Stegner gerät damit ein Linksbündnis in Gefahr. Grüne kritisieren mangelnden Regierungswillen bei der Linken.

„Ich habe gesagt: Ich mache in erster Linie den Wahlkampf, dann kandidiere ich auch allein für den Fraktionsvorsitz – aber, habe ich gesagt, nur noch eine Legislaturperiode.“ Gysi hatte am Sonntag beim Bundesparteitag in Bielefeld angekündigt, im Herbst nicht erneut für den Fraktionsvorsitz anzutreten. Es sei an der Zeit, diesen „in jüngere Hände zu legen“.

Fraktionsvize Jan Korte sprach sich bei „Spiegel Online“ für eine Doppelspitze aus der Wortführerin des linken Flügels, Sahra Wagenknecht (45), und dem Reformer Dietmar Bartsch aus: „Als Fraktion müssen wir uns jetzt stärker darauf konzentrieren, dass wir 2017 Erfolg haben. Sahra Wagenknecht würde als Fraktionsvorsitzende neben Dietmar Bartsch uns helfen, erfolgreich zu sein.“ Wagenknecht hatte im März nach einer internen Abstimmungsniederlage verkündet, dass sie nicht Fraktionschefin werden will.

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