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05.07.2011

14:33 Uhr

Griechenland-Hilfen

Merkel schmettert Bedenken der Ratingagenturen ab

Die Kanzlerin lassen kritische Griechenland-Urteile kalt. Die jüngsten Bedenken der weltgrößten Ratingagentur S & P wischt sie beiseite. Doch auch in Deutschland wachsen die Zweifel an neuen Hilfen für Athen.

Angela Merkel. Quelle: dpa

Angela Merkel.

BerlinDie Ratingagentur Standard & Poor's hat vor der Beteiligung privater Gläubiger am neuen Griechenland-Rettungspaket gewarnt. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel ficht das nicht an. „Es ist wichtig, dass sich die Troika die eigene Urteilsfähigkeit nicht wegnehmen lässt“, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. „Ich vertraue vor allem den Bewertungen dieser drei Institutionen“, sagte sie mit Hinweis auf die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die weltgrößte Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hatte am Vortag den französischen Vorschlag abgelehnt, mit dem private Gläubiger an der Rettungsaktion beteiligt werden sollen. Beide Varianten des Modells seien als begrenzter Zahlungsausfall (selective default) zu bewerten - was deutsche Banken und Versicherer auf jeden Fall vermeiden wollen, um massive Abschreibungen zu verhindern.

Die Haltung der Kanzlerin zu den Risikobewertern wird vom liberalen Koalitionspartner nicht geteilt. Der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, verteidigte vielmehr das Verhalten von Standard & Poor's in der Griechenland-Krise. „Man sollte die Bedenken und Kritik der Ratingagenturen nicht vorschnell verteufeln, sondern versuchen, diese konstruktiv aufzugreifen und bei der Ausgestaltung der Rettungsmechanismen zu berücksichtigen“, sagte Wissing Handelsblatt Online. „Man kann aber schlecht das Verhalten der Agenturen in der Subprime-Krise verteufeln und als Konsequenz daraus fordern, dass diese bei Griechenland fünf gerade sein lassen sollten.“ Der Markt brauche unabhängige Ratings. „Und unabhängig heißt eben manchmal auch unbequem.“

Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) hält es dagegen für unangemessen, das Modell zur Beteiligung privater Gläubiger am Griechenland-Hilfspaket als Zahlungsausfall des Landes zu werten. Gerade die US-Ratingagenturen hätten vor der Finanzmarktkrise als Frühwarnsystem und bei der Einschätzung von Risiken versagt. Wenn diese nun notwendige Hilfsmaßnahmen für Griechenland zusätzlich erschwerten, zeuge das von mangelnder Verantwortung, meinte der CSU-Politiker.

Derweil wollen sich Spitzenbanken aus der Eurozone nach Informationen der britischen Finanzzeitung „Financial Times“ an diesem Mittwoch über ihre Beteiligung an den Griechenland-Hilfen abstimmen. Wie die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete, kommen die Banken-Vertreter in Paris zusammen. Es gehe darum, die Bedingungen für ein längeres Engagement der Institute festzuschreiben. Umstritten sind nach den Angaben Zinsen und Laufzeiten einer Anschlussfinanzierung für die Milliarden-Schulden. Die Politik fordert von den Banken einen Beitrag zur Rettung Griechenlands vor der Pleite.

Wie Frankreichs Banken Griechenland helfen wollen

Laufzeitenverlängerung

Das französische Modell zur Laufzeitenverlängerung sieht vor, dass die Geldhäuser den Großteil ihrer griechischen Staatsanleihen in neue Bonds tauschen (roll over). Im Folgenden die wichtigsten Punkte des französischen Entwurfs.

Option I

30 Prozent des Investments werden von Griechenland bei Auslaufen der alten Anleihen getilgt. Die Investoren legen die restlichen 70 Prozent des zurückgezahlten Geldes in neue Griechen-Bonds mit 30-jähriger Laufzeit und einem Zins von bis zu acht Prozent an. Darin enthalten ist ein Zinsbonus abhängig vom künftigen Wachstum der griechischen Wirtschaft.

Besicherung

Im Fall von Option I sind die neuen Anleihen mit Top-gerateten Papieren (AAA) europäischer Institutionen über eine Zweckgesellschaft (SPV) besichert. Im Falle einer Pleite Griechenlands bekämen die Investoren damit zumindest den Nennwert der Anleihen zurück.

Option II

Die Investoren stecken mindestens 90 Prozent ihres ursprünglichen Investments in neue Griechen-Bonds mit fünfjähriger Laufzeit. Dafür würden sie 5,5 Prozent Zinsen bekommen, aber keinerlei Garantien. Der Zinssatz entspricht in etwa dem Niveau, das Griechenland im aktuellen EU-Hilfspaket zahlen muss. Das heißt: Die Investoren bekommen ihr Geld zwar früher zurück als bei der Option I, müssen sich dafür aber mit weniger Rendite zufriedengeben.

Vorbehalte

Das Papier, datiert auf den 24. Juni, steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass die Ratingagenturen diese Streckung der Schulden nicht als Zahlungsausfall werten. Die EZB darf zudem die von ihr gehaltenen Griechen-Bonds zwischen 2011 und 2014 nicht verkaufen.

Ausweitung

Das Modell könnte auch auf Versicherer, Investmentfonds und andere private Gläubiger ausgeweitet werden - und zwar über Ländergrenzen hinweg.

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

05.07.2011, 14:40 Uhr

Mal schauen was unserem Wendehals als nächstes einfällt.
Kapiert diese Frau denn gar nichts? Tolle Elite diese Regierung nicht nur die Cheffin. Armes Deutschland.

Account gelöscht!

05.07.2011, 14:41 Uhr

Merkel ist anscheinend so verbohrt, daß sie andere Argumente überhaupt nicht mehr zur Kenntnis nehmen kann.

naja

05.07.2011, 14:46 Uhr

Am besten: die Ratingagenturen stellen sich mal selbst zur Wahl.

Ratten wählen: auch sehr fein.

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