Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2015

15:36 Uhr

Griechenland-Krise

Bosbach und die Prinzipienfrage

VonAlex Schneider

In der Union formiert sich Widerstand gegen weitere Hilfen für Griechenland. Angeführt von CDU-Mann Wolfgang Bosbach. Seine Rücktritts-Drohung hat Wellen geschlagen – für seine klare Kante gibt es im Netz viel Beifall.

„Ich glaube, dass wir das allermeiste Geld, was wir schon als Kredite gegeben haben, niemals werden wiedersehen.“ dpa

Wolfgang Bosbach

„Ich glaube, dass wir das allermeiste Geld, was wir schon als Kredite gegeben haben, niemals werden wiedersehen.“

DüsseldorfIn der CDU brodelt es: Angesichts der stockenden Verhandlungen der internationalen Geldgeber mit Griechenland schwindet bei CDU und CSU die Geduld mit der Regierung in Athen. „Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die griechische Regierung wirklich Schaden von ihrem Volk abhält“, sagte Unions-Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU). Vor allem wächst der Widerstand in der Regierungsfraktion gegen weitere Hilfen für den Krisenstaat.

Losgetreten hatte den Prinzipienstreit Wolfgang Bosbach in der Sendung von Günther Jauch, am Dienstag legte der CDU-Innenexperte noch einmal nach: „Ich glaube, dass wir das allermeiste Geld, was wir schon als Kredite gegeben haben, niemals werden wiedersehen.“ Deshalb wolle er kein weiteres Rettungspaket für das hoch verschuldete Land.

Kanzlerin zu Griechenland

Griechenland-Rettung bis Donnerstag? Merkel ratlos

Kanzlerin zu Griechenland: Griechenland-Rettung bis Donnerstag? Merkel ratlos

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Sollte Kanzlerin Angel Merkel ihre Parteifreunde dennoch zur Abstimmung darüber zwingen, will Bosbach klare Kante zeigen. Deutschland würde schon seit Jahren „in eine Rettungsgemeinschaft gepresst, mit verheerenden Folgen für die Sparerinnen und Sparer“, sagte der Innenexperte bei Jauch. Wenn in den kommenden Monaten weitere Milliardenzahlungen beschlossen würden, sei „der Weg in die Transferunion nicht mehr zu bremsen“ - obwohl seine Partei im Wahlkampf das Gegenteil versprochen habe. Er würde daher „persönliche Konsequenzen“ ziehen, wenn er gezwungen wäre, zwischen seiner Überzeugung, gegen die er „nie und nimmer“ abstimmen würde, und der Loyalität zur Bundeskanzlerin und seiner Parteivorsitzenden zu wählen.

Für diese klaren Worte wird der CDU-Mann Bosbach von vielen der Netzgemeinde gefeiert:

Wolfgang Bosbach ist recht häufig zu Gast bei Günther Jauch. Dies blieb dem Publikum natürlich nicht verborgen. So kommt bei aller Lobhudelei weder Kritik noch Humor zu kurz:

Die derweil entscheidende Frage im Griechenland-Poker lautet: Grexit – ja oder nein? Hier scheiden sich allerdings die Geister – auch jene führender Ökonomen. Noch läuft der Verhandlungspoker – Ende offen. Damit ist auch das politische Schicksal von Wolfgang Bosbach noch nicht entschieden.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

16.06.2015, 16:38 Uhr

"Bosbach und die Prinzipienfrage"

Bei aller Sympathie für Herrn Bosbach, so bezweifle ich, dass dies taktisch die richtige Vorgehensweise ist.
Zuerst muss man festhalten, wer gegen Herrn Bosbach ist bzw. wer die bisherige Steuerverschwendung zum Thema "Griechenland" verantwortet. Hierzu ist die namentliche Auflistung und Veröffentlichung notwendig. Das ist wichtig für die "Nachlese".

Ich bin überzeugt, dass kein Politiker sich dafür verantwortlich hält, was Bosbach aus seiner Sicht für unverantwortlich hält. Damit will ich zum Ausdruck bringen, dass Bosbach überhaupt keine Gegner hat.

Bosbach hat seinen eigenen Erfahrungsschatz und kann damit umgehen. War es nicht Pofalla, der einmal sagte, dass er die "Fresse" von Bosbach nicht mehr sehen können. Kennen Sie noch Pofalla? Das war doch der ...

Pofalla schätzt heute sein eigenes Abstellgleis bei der Bahn sein eigen. Bekommt (nicht verdient!) richtig Kohle. Pofalla stand Frau Merkel einmal richtig eng bei. Heute lässt er sie allein.

Bosbach kann wahrscheinlich gut ohne Pofalla und ohne Merkel leben. Er gönnt sich den Luxus morgens noch in sein eigenes Gesicht zu schauen. Hoffen wir, dass er dies noch lange so tun kann.

Es gibt viel zuwenige Bosbachs, die sich den Luxus leisten, einen eigenen Willen zu haben und nicht "alternativlos" entscheiden müssen.

Alles Gute Herr Bosbach und Kopf hoch. Die Bürger stehen hinter ihn und schauen Ihnen gerne in die "Fresse".

Herr C. Falk

16.06.2015, 17:15 Uhr

Nachdem Lucke die AfD mit seiner "grandiosen" Führungskunst in den Sand gesetzt hat, muß Bosbach alles alleine machen.

Was kann er machen? Nicht sehr viel, die Merkel´schen Parteigänger in der Union, werden im Fall eines Falles ihre Chefin stützten und Herrn Bosbach auflaufen lassen.

Herr Manfred Zimmer

16.06.2015, 17:27 Uhr

Das wird die Absicht sein und so soll es nach Drehbuch ablaufen.

Bosbach ist noch ein streitbarer Politiker, wenn die Ereignisse gegen seine Überzeugung laufen. Zahlenmäßig mag Merkel ihn mit Gefolgsleuten überstimmen, aber in der Demokratie, in der freien Meinungsäußerung, in den Grundrechten wird sie ihn nicht mundtot machen können.

Es kann höchsten für sie gefährlich werden. Bosbach ist nach meiner Meinung kein Nestbeschmutzer, tut sich aber sehr schwer damit, Steuergelder bei den kleinen Leuten einzutreiben, um sie letztlich in mafiöse Strukturen auszuschütten.

Anders als eine mafiöse Struktur kann auch ich nicht im ESM-Vertrag erkennen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×